DWP-Bank: Vorstandschef Heiko Beck muss nach Buchungspanne gehen
Frankfurt. Die Deutsche Wertpapier Service Bank (DWP) tauscht nach einer 61 Millionen Euro teuren Buchungspanne zwei Drittel ihres Vorstands aus. CEO Heiko Beck sowie Finanz- und Risikovorstand Martin Zoller hätten sich entschieden, die DWP Bank zu verlassen, teilte das Institut am Montag mit. Der Aufsichtsrat habe diesem Wunsch entsprochen.
Die DWP Bank gehört den deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken gemeinsam. Das Institut wickelt für zahlreiche Geldhäuser Wertpapiertransaktionen ab und kümmert sich um die Verwahrung der Papiere. Es hat damit für den gesamten deutschen Bankensektor eine große Bedeutung.
Nach der Buchungspanne Ende 2022 startete die Finanzaufsicht Bafin eine Sonderprüfung bei der DWP Bank und stellte dabei gewichtige Mängel fest. Einige Anteilseigner drängten deshalb schon länger auf eine Trennung von CEO Beck und nahmen bereits 2023 Sondierungen auf, wer seine Nachfolge antreten könnte, wie das Handelsblatt im August 2023 exklusiv berichtet hatte. Die Bank erklärte damals jedoch, im DWP-Vorstand seien keine personellen Änderungen geplant.
Die Buchungspanne sei nicht nur von der Finanzaufsichtsbehörde Bafin untersucht worden, sondern auch von der internen Revision und der Beratungsgesellschaft Deloitte, die von Vorstand und Aufsichtsrat beauftragt worden war, sagte ein Sprecher. „Alle Berichte kommen zu dem Ergebnis, dass das fehlerhafte Börsengeschäft aufgrund einer untypischen Konstellation mehrerer ungünstiger externer Faktoren zustande gekommen ist.“
Vorstandschef Beck machte damals in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg deutlich, dass er keinen Bedarf für personelle Konsequenzen sehe. „Es gibt keinen Anlass für personalrechtliche oder strafrechtliche Maßnahmen in der DWP Bank, da mitverursachende Gründe vor allem auf Prozess- und Kontrollebene lagen.“
Potenzieller Nachfolger sagte kurzfristig ab
Viele Anteilseigner sahen Finanzkreisen zufolge jedoch Handlungsbedarf. Neben der Buchungspanne monieren sie unter anderem, dass die DWP mit der Entwicklung einer Infrastruktur zur Abwicklung von Kryptogeschäften nicht so schnell vorankam wie erhofft. Die DZ Bank kündigte diese Woche an, dass sie bei ihrem Kryptoangebot für Privatkunden von Volks- und Raiffeisenbanken mit der Börse Stuttgart zusammenarbeiten wird – und nicht mit der DWP Bank.
Ein DWP-Sprecher wollte sich zur Kritik an Beck ebenso wie zur Suche nach einem neuen Vorstandschef nicht äußern. Finanzkreisen zufolge wollte die DWP Bank eigentlich den ehemaligen Commerzbank-IT-Chef Jörg Hessenmüller als Nachfolger verpflichten. Dieser habe dann jedoch kurzfristig abgesagt, wie zuvor bereits der „Platow Brief“ berichtet hatte.
Somit konnte der Aufsichtsrat am Montag weder einen Nachfolger für Beck noch einen für Zoller präsentieren. In ihrer Mitteilung kündigte die Bank lediglich an, sie werde über die Nachfolge „zeitnah informieren“.
Beck teilte mit, die DWP habe im vergangenen Jahr ein Rekordergebnis vor Steuern von 74,8 Millionen Euro erzielt. „Mit diesem Ergebnis und der kontinuierlichen Verbesserung unserer wichtigsten Kennzahlen im Rücken habe ich mich entschieden, nach mehr als acht Jahren zum 30. Juni 2024 aus meinem Amt auszuscheiden, um mich neuen Aufgaben zu widmen.“
Sein Vorstandskollege Zoller hat nach eigenem Bekunden ebenfalls beschlossen, „dass nun die Zeit für eine berufliche Veränderung gekommen ist“. Der Manager will die DWP Bank spätestens im vierten Quartal 2024 verlassen.
Die Hintergründe der Buchungspanne
Die Genossenschaftsbanken haben ihren Anteil von 50 Prozent an der DWP bei der DZ Bank gebündelt. Bei den Sparkassen sind die Anteile auf mehrere Institute verteilt. Der rheinische und der westfälische Sparkassenverband halten jeweils 20 Prozent. Die Landesbanken BayernLB und Helaba kommen jeweils auf 3,75 Prozent, der Fondsanbieter Deka auf 2,5 Prozent.
Bei der Buchungspanne Ende Dezember 2022 ging es um eine eher selten gehandelte Schuldverschreibung (ETC), mit der ein Anleger mit einem großen Hebel auf die Wertentwicklung von Rohstoffen wettete.
Der Kunde hatte diesen ETC nach Angaben der DWP für einen vierstelligen Betrag erworben. Anschließend kam es zu einem sogenannten Reverse Split, bei dem eine Vielzahl von Stücken eines Wertpapiers zu einem einzigen Stück zusammengefasst wird.
Durch diesen Reverse Split änderte sich der Wert des ETCs im Depot massiv, die Stückzahl wurde aber nicht angepasst. Die DWP musste in der Folge innerhalb kürzester Zeit zu einem hohen Preis Hunderttausende Stück des seltenen Wertpapiers nachkaufen, um die anschließende Verkaufsorder des Kunden korrekt ausführen zu können. Das Ganze kostete die DWP 61,1 Millionen Euro. Der Vorsteuergewinn brach deshalb um 97 Prozent auf 1,9 Millionen Euro ein.
Der Vorfall sei auch deshalb möglich gewesen, weil der Wechsel von Wertpapierkennnummern bei Reverse Splits bei internationalen Papieren damals nicht zwingend gewesen sei, erklärte die DWP später. Die Bank habe sich deshalb „über internationale Gremien erfolgreich für eine verpflichtende Änderung eingesetzt, sodass eine Wiederholung auch für andere Marktteilnehmer weitgehend ausgeschlossen ist“.
Erstpublikation: 04.03.2024, 18:10 Uhr.