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FinanzinvestorenPrivate-Equity-Branche erholt sich nicht

Der Wettbewerb um Investorengeld führt zu Umbrüchen am Markt für Beteiligungsgesellschaften. Das Wachstum der Anlageklasse hängt zunehmend von zwei Faktoren ab.Hannah Krolle 19.03.2025 - 17:58 Uhr Artikel anhören
Private Equity: Um die Situation der Branche zu entspannen, müssten die Exit-Aktivitäten zunehmen. Foto: Handelsblatt

Frankfurt. Es sind durchwachsene Nachrichten für die Private-Equity-Branche: Die wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheit dämpft die Dealaktivität. Ein wichtiger Indikator, um den Erfolg der Branche zu messen, ist das Volumen der Exits, also der aus den Portfolios der Beteiligungsgesellschaften an die Börse gebrachten oder weiterverkauften Unternehmen.

Das Exitvolumen lag 2024 deutlich unter dem Fünfjahresdurchschnitt, zeigt der Global Private Equity Report 2025 der Strategieberatung Bain & Company. Zwar stieg es im vergangenen Jahr weltweit um 34 Prozent auf 468 Milliarden Dollar an, in Europa erhöhte sich der Wert um knapp 30 Prozent auf 145 Milliarden Dollar. Doch gibt es weltweit einen Rückstau von rund 29.000 potenziellen Verkaufskandidaten.

Dies beschränkt die Möglichkeiten der Private-Equity-Fonds, ihre Investoren am Erfolg zu beteiligen. Der Anteil der Ausschüttungen am Wert aller Beteiligungen sank 2024 auf elf Prozent und lag damit so niedrig wie in den letzten zehn Jahren nicht mehr.

Einwerben neuer Mittel bleibt herausfordernd

Entsprechend halten sich Investoren bei neuen Fonds zurück. Das weltweit investierte Kapital fiel im vergangenen Jahr erneut. Mit 1,1 Billionen Dollar liegt es 24 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Anzahl der neu aufgelegten Fonds ging weltweit um 28 Prozent auf rund 3000 zurück.

Dass Fonds derzeit im Durchschnitt 20 Monate statt wie vor der Coronapandemie elf Monate für den Abschluss benötigen, unterstreiche, wie herausfordernd das Einwerben neuer Mittel nach wie vor ist, urteilen die Studienautoren.

Das beobachtet auch Ralph Aerni, Mitglied der Geschäftsführung der Investmentgesellschaft Hamilton Lane Deutschland: „Das Fundraising bleibt weiterhin herausfordernd und 2024 ist bereits das dritte Jahr in Folge, das einen Rückgang verzeichnet.“ Seiner Ansicht nach handelt es sich um „einen strukturellen Rückgang und nicht um ein kurzfristiges Phänomen“.

Der Wettbewerb um frisches Kapital führt zu strukturellen Umbrüchen der Branche: Alternative Kapitalgeber wie Staatsfonds und vermögende Privatanleger werden in den kommenden zehn Jahren laut Bain-Schätzungen rund 60 Prozent zum Wachstum alternativer Anlageklassen wie Private Equity beitragen.

Dies bestätigt Sebastian Bladt, der das deutsche M&A-Geschäft von JP Morgan verantwortet. „Privatanleger und Staatsfonds sind in der Tat in der Lage, erheblich zum Wachstum alternativer Anlagen beizutragen“, sagt er. Dieser Trend unterstütze Private-Equity-Investoren bei der Durchführung größerer Transaktionen, da diese Unternehmen zunehmend bereit seien, durch Direktinvestitionen Partner für größere Transaktionen zu werden.

KI könnte Renditen der Investoren steigern

Eine Befragung im Rahmen des Bain-Reports zeigt, dass die Mehrzahl der Finanzinvestoren derzeit KI-Instrumente entwickeln und testen, nahezu ein Fünftel der Unternehmen nutzt bereits Künstliche Intelligenz. Bain-Partner Michael Richthammer, der die Private-Equity-Praxisgruppe in der DACH-Region leitet, sieht im vermehrten KI-Einsatz eine Möglichkeit für Fonds, weiterhin überdurchschnittliche Renditen zu erwirtschaften.

Das sei umso wichtiger angesichts rückläufiger Margen und höherer Finanzierungskosten. Bain-Partner Richthammer ist optimistisch: „Die Branche hat schon in der Vergangenheit ihre Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit unter Beweis gestellt.“

Überhaupt ist die Hoffnung auf eine Rückkehr der Finanzinvestoren groß. Der Anlagedruck der Private-Equity-Fonds ist groß. Das nicht investierte Kapital – im Fachjargon „dry powder“ – betrug im Jahr 2024 weltweit 1,2 Billionen Dollar. „Die Fonds wollen mehr Deals zum Abschluss bringen“, sagt Richthammer.

Exit-Aktivität muss für Markterholung steigen

Die Experten sind sich einig: Um die derzeitige Situation zu entspannen, müssen die Exit-Aktivitäten zunehmen. Mit strategischen Käufern, Finanzsponsoren, die unter Druck stehen, ihr Kapital einzusetzen, und Zeichen der Belebung des IPO-Markts „erwarten wir in den nächsten zwölf bis 18 Monaten verstärkte Exit-Aktivitäten“, sagt Bladt von JP Morgan.

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Aerni von Hamilton Lane ergänzt: Eine Erholung des Fundraisings, also des Einwerbens neuer Mittel, sei nicht zu erwarten, solange es keine signifikante Belebung der Exit-Aktivitäten gebe. Diese würden dadurch gebremst, dass Käufer und Verkäufer keine Einigung über die Preisgestaltung erzielen könnten. „Allerdings erwarten wir, dass sich diese Situation 2025 möglicherweise entspannt“, sagt er.

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