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Munich ReJoachim Wenning hört als CEO auf – Nachfolger wird der CFO

Der Münchener Rückversicherer regelt die Zukunft an der Spitze und baut den Vorstand auf mehreren Posten um. Finanzchef Christoph Jurecka soll zum Vorstandsvorsitzenden aufsteigen.Tami Holderried, Susanne Schier 23.07.2025 - 13:26 Uhr Artikel anhören
Christoph Jurecka: Der bisherige Finanzchef wird Vorstandsvorsitzender des Dax-Konzerns. Foto: Munich Re

München, Frankfurt. Beim weltgrößten Rückversicherer Munich Re steht ein Wechsel in der Konzernspitze an. Der Vorstandsvorsitzende Joachim Wenning wird sein Amt „nach reiflicher Überlegung“ zum Jahresende 2025 abgeben, teilte das im Dax notierte Unternehmen am Mittwoch mit.

Wennings Nachfolger wird zum 1. Januar 2026 der bisherige Finanzvorstand Christoph Jurecka. Der 50-Jährige gehört dem Konzern seit 2011 an, zunächst als Mitglied des Vorstands des Düsseldorfer Versicherers Ergo Group. 2019 wechselte er als Finanzchef in den Vorstand von Munich Re.

Den Posten des Chief Financial Officer (CFO) übernimmt ab Anfang nächsten Jahres Andrew Buchanan (47), derzeit Finanzchef des Rückversicherungsgeschäfts. Bereits am 1. August 2025 rückt zudem Robin Johnson (57) als neuer Chief Technology Officer (CTO) in den Konzernvorstand.

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Zuletzt war spekuliert worden, ob Wenning seinen Vertrag über das Jahr 2026 hinaus verlängert. Das wäre möglich gewesen, Munich Re hat die Altersgrenze für Vorstände auf 67 Jahre festgelegt. Nach dem 60. Lebensjahr können Vorstandsverträge bei dem Rückversicherer aber jährlich gekündigt werden.

Nun hat sich Wenning laut einer Mitteilung aus „persönlichen Gründen“ entschieden, sein Amt mit Abschluss des aktuellen Strategieprogramms „Ambition 2025“ abzugeben. Die neue Strategie, die Munich Re den Investoren im Dezember vorstellen will, wird nun sein Nachfolger  maßgeblich mitgestalten müssen.

Aktienkurs hat sich seit 2019 verdreifacht

Wenning blickt auf eine erfolgreiche Zeit zurück. Im Jahr 2021, dem ersten Jahr des noch laufenden Strategieprogramms, lag das Jahresergebnis bei 2,9 Milliarden Euro. Erreicht Munich Re 2025 die in Aussicht gestellten sechs Milliarden Euro, hätte das Unternehmen sein Jahresergebnis in diesen fünf Jahren verdoppelt. Die Messlatte für die Zukunft ist hoch. Wenning hat mehrfach betont, dass selbst bei sechs Milliarden Euro Gewinn „sicherlich noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht“ sei.

Für das erste Halbjahr 2025 meldete der Konzern bereits einen Nettogewinn in Höhe von 3,2 Milliarden Euro. Zu Jahresbeginn lasteten zwar hohe Schäden aus den verheerenden Waldbränden in Kalifornien auf dem Ergebnis. Im zweiten Quartal kam es aber zu geringeren Großschäden als erwartet. Nun wird viel vom Ausgang der Hurrikan-Saison in den USA abhängen.

Nach größeren Schäden in den vergangenen Jahren hatte Munich Re stark davon profitiert, dass der Konzern gegenüber seinen Kunden – Erstversicherern wie Allianz und Axa – kräftig die Preise erhöhen konnte. Hier scheint es aktuell nicht mehr viel Luft nach oben zu geben.

Doch Wenning hinterlässt Jurecka einen breit diversifizierten Konzern, der längst nicht nur auf das Geschäft mit der Absicherung von Naturkatastrophen setzt. Auch in neueren Geschäftsfeldern wie der Cyberversicherung gegen Internetkriminalität hat sich Munich Re eine starke Marktstellung erarbeitet.

Daneben spielt das Spezialversicherungsgeschäft für Großkunden, das seit diesem Jahr ein eigenes Berichtssegment ist, eine bedeutendere Rolle. Auch die Erstversicherungstochter Ergo ist inzwischen deutlich solider aufgestellt als noch vor ein paar Jahren. An der Sanierung war  auch Jurecka selbst beteiligt.

Von Anfang 2019 bis heute – dem Zeitraum, in dem Wenning und Jurecka gemeinsam im Munich-Re-Vorstand sitzen – hat sich der Aktienkurs des Dax-Konzerns verdreifacht. Im November 2022 freute sich Jurecka noch in einem Beitrag in dem Business-Netzwerk LinkedIn, dass der Kurs erstmals nach mehr als 20 Jahren über 300 Euro gestiegen war. Inzwischen erreichte er zeitweise sogar 615,80 Euro. Die Aktionäre haben zudem von steigenden Dividenden und Aktienrückkäufen profitiert.

Jurecka gilt als disziplinierter Finanzexperte

Die positiven Zahlen sprechen dafür, den Finanzvorstand auf den Chefsessel zu befördern. Für Branchenkenner kommt die Ernennung daher nicht überraschend. Jurecka hat sich in CFO-Rollen hohes Ansehen erworben, er gilt als zurückhaltend und diszipliniert.

Auf LinkedIn teilt der Manager neben Forderungen zum Bürokratieabbau auch mal Fotos von sich beim Yoga. Wie er strategische und unternehmerische Entscheidungen im Marktumfeld treffen wird, bleibt abzuwarten. Das sahen wohl auch die Anleger so – die Aktie gab am Mittwoch nach Bekanntgabe des Chefwechsels einen Teil ihrer anfänglichen Gewinne ab.

Joachim Wenning auf einem Bild aus dem Jahr 2019: Der CEO der Munich Re verlässt zum Jahresende das Unternehmen. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Joachim Wenning ist seit 2017 Vorstandsvorsitzender von Munich Re. Bereits seit 2009 gehört Wenning, der sein ganzes Berufsleben bei dem Dax-Konzern verbracht hat, dem Vorstand an. Er war dort zunächst verantwortlich für das Ressort Leben, ab Oktober 2013 für den Zentralbereich Human Resources und gleichzeitig Arbeitsdirektor. Zuvor war er Vorstandschef der Neuen Rück in Genf.

Zuletzt hatte sich Wenning immer wieder politisch geäußert. Im Mai hatte er im Gespräch mit dem Handelsblatt gefordert, Deutschland müsse wieder leistungsfähiger werden und lernen, Verteilungsnachteile zu tolerieren.

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Aufsichtsratschef Nikolaus von Bomhard dankte Wenning in einer Mitteilung. Er habe in seiner jahrzehntelangen Tätigkeit für den Konzern „Herausragendes“ geleistet. Von Bomhard betonte weiter, die neuen Personalien sicherten den langfristigen Erfolg des Konzerns.

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