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Versicherer Welche Coronaschäden Hannover Rück fürchtet

Die Angst vor den Folgen der neuartigen Lungenkrankheit für die Weltwirtschaft wächst. Nun nennt der drittgrößte Rückversicherer der Welt erstmals eine Zahl, welche finanziellen Belastungen er erwartet.
11.03.2020 - 08:08 Uhr Kommentieren
Der MDax-Wert steigerte 2019 den Gewinn deutlich. Quelle: dpa
Zentrale des Rückversicherers Hannover Rück

Der MDax-Wert steigerte 2019 den Gewinn deutlich.

(Foto: dpa)

Hannover Fußballspiele werden abgesagt, der Sportartikelhersteller Adidas befürchtet Belastungen von einer halben Milliarde Euro, immer mehr Messen und Kongresse werden ersatzlos gestrichen, und die Aktienmärkte sind nervös wie lange nicht mehr. Die Folgen der Ausbreitung des Coronavirus fressen eine immer tiefere Spur in alle Sektoren der Wirtschaft. Die Sorge wächst, dass auf die Versicherungsbranche neue Belastungen in Milliardenhöhe zukommen.

Doch die Topmanager des drittgrößten Rückversicherers Hannover Rück fürchten für das MDax-Unternehmen keine massiven finanziellen Folgen infolge der Ausbreitung der Lungenkrankheit. „Stand heute gehen wir nicht von größeren Belastungen für das Unternehmen aus“, sagte Vorstandschef Jean-Jacques Henchoz am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz in Hannover.
Die Niedersachsen dämpfen damit Befürchtungen, dass der operative Aufwärtstrend des Konzerns infolge des Coronavirus jetzt ein rapides Ende nehmen könnte. Im abgelaufenen Jahr steigerte der Rückversicherer seinen Gewinn unter dem Strich um gut ein Fünftel auf 1,28 Milliarden Euro, was auch einem Sondereffekt zu verdanken war. Die Gesamtausschüttung soll nun von 5,25 auf 5,50 Euro klettern.

Am Finanzmarkt wurden die Nachrichten mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Im frühen Handel legte die Aktie zunächst zu, rutschte dann aber ins Minus. Für das laufende Jahr bekräftigte das Management trotz der Coronakrise seine Prognose von einem Ergebnis von 1,2 Milliarden Euro. Allerdings steht die Prognose wie üblich unter dem Vorbehalt, dass die Großschäden das Budget von 975 Millionen Euro nicht übersteigen und es „zu keinen außergewöhnlich negativen Entwicklungen an den Kapitalmärkten kommt“.
Dennoch ist der Rückversicherer zuversichtlich, wegen Corona nicht aus dem Tritt zu geraten. Auf der Versicherungsseite erwarte das Unternehmen, das zum Versicherer Talanx zählt, keine größeren Schäden, wie Henchoz sagte. Wenn es zu Belastungen komme, dann werde dies voraussichtlich in der Schaden-Rückversicherung passieren, weil Veranstaltungen ausfielen und es bei Firmen zu Betriebsunterbrechungen komme. Die meisten Policen, die gegen Betriebsunterbrechungen oder den Ausfall einer Veranstaltung schützen, schließen jedoch eine Haftung im Fall einer Epidemie aus. So sind Unterbrechungen der Lieferkette oder der Wegfall von Aufträgen bei vielen Firmen in der Regel nicht versichert.

Schaden in der Rückversicherung durch Corona maximal 200 Millionen Euro

Ein unmittelbarer Sachschaden muss der Auslöser sein, damit die Police greift, heißt es unisono. Virusausbrüche wie Sars hatten dazu geführt, dass die Versicherer in den vergangenen Jahren explizit Epidemierisiken per Klauseln im Vertrag ausgeschlossen haben. Auch die meisten Veranstaltungspolicen würden eine Deckung für diese Art der Virusverbreitung ausschließen. So beziffert Vorstandschef Jean-Jacques Henchoz das maximale finanzielle Risiko in der Schaden-Rückversicherung durch das Coronavirus laut aktuellen Szenarien derzeit auf maximal 200 Millionen Euro für den MDax-Wert.

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    Noch seien diese Schätzungen allerdings sehr spekulativ, da es zu früh sei, um die endgültigen Folgen des Coronavirus zu bewerten. Die Summe beinhalte aber auch schon mögliche Ausfälle von großen Sportveranstaltungen wie den Olympischen Spielen, die bisher im Sommer geplant sind.
    Der größere Rivale Munich Re sieht das ähnlich. Je stärker sich die Viruswelle ausweite, desto stärker wäre jedoch auch die Munich Re betroffen, räumte Finanzchef Christoph Jurecka ein. Allein die Ausfallversicherungen von Großveranstaltungen gegen eine erzwungene Absage wegen Masseninfektionen könnten sich für den weltweit zweitgrößten Rückversicherer auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag summieren.

    An der Versicherung gegen eine Absage der Olympischen Spiele in Tokio ist die Münchener Rück als Mitglied eines Konsortiums mit einer dreistelligen Millionensumme beteiligt. Ob die Spiele, die am 24. Juli in der japanischen Hauptstadt beginnen sollen, auch gegen eine Pandemie abgesichert wären, wollten die Münchener unter Verweis auf Verschwiegenheitspflichten aber nicht sagen.
    Die internationalen Versicherer können beim Thema Coronavirus nach Meinung von Standard & Poor’s jedoch noch immer vergleichsweise gelassen bleiben. Trotz der weiteren Ausbreitung in Europa erneuerten die Analysten jüngst ihre Einschätzung, dass bislang weder bei versicherten Schäden noch auf der Kapitalanlageseite gravierende Gefahren drohen. Zuvor hatte bereits auch die Allianz erklärt, dass sie bisher mit keinen größeren Belastungen wegen des Virus rechne.

    Denn es gibt nur wenige Policen, die einen Epidemieschutz bieten. Bisher war die Nachfrage nach solchen Absicherungen aber sehr gering, heißt es von mehreren Adressen. Doch nun orientiert sich der Markt um. Im US-Bundesstaat New York können Privatpersonen und Unternehmen neuerdings Reiseversicherungen abschließen, die Rücktritte aus jeglichem Grund abdecken. Auch der Reiseverzicht aus Angst vor dem Coronavirus ist abgesichert, teilte der Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, mit. Hinter dem Angebot stehen sechs Versicherer, darunter die Allianz und Zurich.
    Auch Munich Re hofft auf neues Geschäft. Der Dax-Konzern hat seit 2017 eine eigene globale Geschäftseinheit für Epidemierisiken aufgebaut. Sie bietet Großkonzernen maßgeschneiderte Policen an. „Die Abteilung wird derzeit von der Nachfrage überrannt“, heißt es in München. Es ist ein Service, den sich der Rückversicherer allerdings auch gut bezahlen lässt. Die Angebote seien maßgeschneidert, was seinen Preis habe. Doch für die Schäden durch Corona dürfte das neue Interesse für viele Firmen zu spät kommen. Für die aktuelle Notlage gilt nämlich eine frisch abgeschlossene Versicherung nicht mehr.
    „Wenn die Gefahr nicht präsent ist, werden solche Produkte auch nicht nachgefragt“, sagte eine GDV-Sprecherin und verweist darauf, dass die letzte Virusgefahr durch die Lungenkrankheit Sars mehr als 15 Jahre zurückliegt. Corona sprengt nun allerdings bei den wirtschaftlichen Schäden die Dimension des Vorläufers. Damals musste in Europa nicht einmal eine Messe abgesagt werden.

    Mehr: Coronavirus wirbelt die Lieferketten durcheinander

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