Versicherung: Makler warnen vor Kapazitätsengpass im Mittelstand
Frankfurt. Versicherungsmakler warnen vor zunehmenden Kapazitätsengpässen in der Gewerbeversicherung. Für kleine und mittelständische Unternehmen wird es demnach schwieriger, ausreichenden Versicherungsschutz zu finden. „Kapazität, Preise und Bedingungen geraten gleichzeitig unter Druck“, sagte Thomas Billerbeck, Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungsmakler (BDVM), bei einem Pressegespräch. Während Großkunden eher auf eine Normalisierung hoffen können, scheine sich die Situation für den Mittelstand bei den anstehenden Vertragserneuerungen zum Jahreswechsel nochmals zu verschärfen.
Der Deckungsnotstand dehne sich über die bereits bekannten Probleme in den Branchen Chemie, Recycling, Holzverarbeitung und Galvanik aus. So sind die Branchen Rohstoffe, Lager und Logistik, Automobil, Lebensmittel und Immobilien Maklern zufolge inzwischen ebenfalls betroffen. Die Gründe für die Zurückhaltung der Versicherer seien vielfältig - und reichten von höheren Schadenkosten bis hin zu einer schwierigeren Rückversicherung. Angesichts der Lage fordert der BDVM die Versicherer zu einem intensiveren Dialog und einem transparenteren Umgang mit den Kriterien bei der Risikoprüfung auf.
Als weniger herausfordernd als in den vergangenen Jahren beschrieb BDVM-Vizepräsident Thomas Haukje hingegen die Lage in der Industrieversicherung, die sich auf Großkunden fokussiert. Allerdings müsste jede Sparte separat betrachtet werden. Und: Der Versicherungsmarkt sei derzeit in vielen Bereichen sehr volatil, sodass gleichbleibende Konditionen in der kommenden Erneuerungsrunde eine gute Nachricht für die Unternehmen wären.
Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Naturgefahrendeckungen: Einerseits habe es in Deutschland im ersten Halbjahr 2025 geringe Schäden für die Versicherungswirtschaft gegeben, was Druck aus den Vertragsverhandlungen herausnehme, wie Haukje sagte. Andererseits werde für die Zukunft weiterhin eine Zunahme von Extremwettereignissen prognostiziert. Versicherer würden daher Präventionsmaßnahmen, Notfallmanagementpläne und eine hochwertige Risikodokumentation mehr und mehr zu einer zwingenden Voraussetzung für die Übernahme von Risiken machen.
Sachversicherung bleibt herausfordernd
Mit steigenden Prämienforderungen und restriktiver Zeichnungspolitik dürften Unternehmen dem BDVM zufolge vor allem in der industriellen Sachversicherung konfrontiert sein, insbesondere wenn es bereits in der Vergangenheit zu Schäden kam, etwa durch Brände. Die Anforderungen der Versicherer an die Schadenverhütungsmaßnahmen steigen demnach stark an.
Eine Normalisierung sehen die Makler dagegen in der Cyberversicherung. Die in den Vorjahren reduzierten Kapazitäten hätten die Versicherer wieder erweitert, sagte Sven Erichsen, Cyberexperte beim Spezialmakler Finlex. Auch neue Anbieter finden sich wieder am Markt. In einzelnen Fällen seien sogar Prämiensenkungen erkennbar, wenn ein Unternehmen die Sicherheitsstandards erhöht habe. Insgesamt sei die Cyberversicherung dadurch wieder verfügbarer und bezahlbarer geworden.
Mit gewisser Sorge betrachtet der BDVM allerdings die Konsolidierungstendenzen in der deutschen Versicherungswirtschaft. Wenn sich Versicherer vermehrt zusammenschließen, seien die Folgen für die Kunden noch nicht absehbar, sagte Haukje. Portfoliooptimierungen, der Rückzug aus einzelnen Segmenten und eine weitere Kapazitätsverknappung wären keine Überraschung.