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Börse AthenWieder investitionswürdig – Anleger greifen zu griechischen Aktien

Die Athener Börse gehörte 2023 zu den weltweit stärksten Märkten. Analysten sehen für das neue Jahr weiteres Kurspotenzial.Gerd Höhler 28.12.2023 - 17:03 Uhr

Athen. 2023 markierte für den einstigen Pleitekandidaten Griechenland einen Wendepunkt. Zwei der drei großen Ratingagenturen bewerten das Land nun wieder als investitionswürdig. Davon profitieren nicht nur griechische Staatsanleihen, auch die Athener Börse ist wieder im Fokus der Anleger. Für Kursfantasie im kommenden Jahr könnte vor allem ein IPO sorgen.

Griechische Aktien haben ein starkes Jahr hinter sich. Der Athener Leitindex Athex Composite hat seit Januar 39 Prozent zugelegt. Damit kann es der Index fast mit dem US-Tech-Index Nasdaq 100 aufnehmen, der ein Plus von 43 Prozent erzielte.

Geschickte Trader konnten sogar noch mehr herausholen, weil die Athener Börse seit ihrem Jahreshoch von 1352 Punkten bis Anfang Oktober auf 1111 Zähler zurückfiel. Aktuell notiert der Athex Composite wieder bei knapp 1300 Punkten.

Vor allem die vier systemischen Banken – Alpha Bank, Eurobank, National Bank of Greece (NBG) und Piraeus Bank – brillierten im zu Ende gehenden Jahr. Der Athener Bankenindex FTSE Banks legte 65 Prozent zu.

Während der griechischen Staatsschuldenkrise mussten die vier großen Banken dreimal rekapitalisiert werden. Die Altaktionäre verloren damals 99 Prozent ihres Einsatzes. Aber jetzt greifen institutionelle Investoren und Privatanleger wieder zu. Als der griechische Bankenrettungsfonds HFSF im November 22 Prozent der Aktien der NBG an die Börse brachte, war die Emission achtfach überzeichnet.

Die Geldinstitute haben die Quote der notleidenden Forderungen in den vergangenen Jahren aggressiv abgebaut. Die Agentur Fitch setzte Mitte Dezember die Aussichten der mit BB und BB- bewerteten vier Banken von neutral auf positiv herauf.

Trotz der Kursrally sind griechische Bankaktien noch günstig. Das geschätzte 2024er Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der vier Institute liegt zwischen 4,8 und 5,7. Die Deutsche Bank setzte im November ihre Kursziele herauf. Für die Eurobank sehen die Analysten ein Kurspotenzial von 50 Prozent, für die Alpha Bank und die NBG je rund 45 Prozent und für die Piraeus Bank 30 Prozent.

Starkes Wirtschaftswachstum stützt die Börse

Für 2024 erwarten Marktbeobachter weiter steigende Kurse an der Athener Börse. Denn die makroökonomischen Vorgaben sind gut. Während die EU-Kommission in der Euro-Zone mit einem durchschnittlichen Wachstum von 1,2 Prozent rechnet, erwartet die griechische Regierung 2,9 Prozent Wachstum.

Dank der Wachstumsdynamik verringert Griechenland seine Schuldenquote im schnellsten Tempo der gesamten Euro-Zone. Das Wirtschaftsklima in Griechenland wurde im Oktober mit 106,2 Punkten gemessen, gegenüber 93,8 Punkten im EU-Durchschnitt. Die Arbeitslosigkeit ist zwar immer noch die zweithöchste in der EU nach Spanien, aber die Quote fiel im Oktober erstmals seit 14 Jahren unter zehn Prozent. Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt stützt den privaten Konsum.

Das einstige Krisenland hat zu einer erstaunlichen innenpolitischen Stabilität gefunden. Der seit 2019 regierende konservative Premierminister Kyriakos Mitsotakis verbindet eine wirtschaftsfreundliche Politik mit einer starken sozialen Komponente. Bei den Wahlen im Juni verteidigte Mitsotakis seine absolute Mehrheit. Nach seiner Wiederwahl kündigte er eine „aggressive Reformagenda“ an.

Aus heutiger Sicht ist nicht zu erkennen, wer angesichts des desolaten Zustands der Opposition Mitsotakis im Wahljahr 2027 eine dritte Amtszeit streitig machen könnte. All das spreche für steigende Aktienkurse, meinen Athener Analysten. Hinzu kommt die Aussicht, dass die Athener Börse bald wieder in die Liga der entwickelten Märkte aufsteigen könnte.

Griechische Aktien sind noch günstig

Zu den am häufigsten genannten Favoriten für 2024 gehören neben den vier großen Banken der Mischkonzern Mytilineos, der Lotto- und Wettanbieter Opap, der Spielwaren- und Freizeit-Einzelhändler Jumbo und der Getränkekonzern Coca-Cola HBC. Das Unternehmen mit Sitz im schweizerischen Zug wird in London und Athen gelistet. Vom griechischen Tourismusboom profitiert die Fluggesellschaft Aegean Airlines. Die Aktie hat ihren Kurs bereits 2023 mehr als verdoppelt, ist aber mit einem 2024er KGV von 7,7 nach Ansicht von Analysten noch nicht zu teuer.

Die Hochkonjunktur in der griechischen Reisebranche gibt auch Rückenwind für das wohl wichtigste IPO des kommenden Jahres: Im ersten Quartal will der Staat 20 Prozent der Aktien des Flughafenbetreibers Athens International Airport (AIA) an die Börse bringen. Das Unternehmen gilt als Goldgrube. Sogar im Corona-Jahr 2020 machte AIA Gewinn. 2023 lagen die Verkehrszahlen zehn Prozent über dem Niveau des bisherigen Rekordjahres 2019. Marktbeobachter schätzen den Erlös des Börsengangs auf 850 bis 900 Millionen Euro.

Analysten erwarten für den Leitindex ein KGV von 8,1 für 2024. Damit sind griechische Aktien immer noch relativ billig. Auch das Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,1 ist günstig. Die wichtigsten Papiere werden in Deutschland gehandelt. Die geringe Liquidität schränkt aber die Handelbarkeit ein. Wer nicht in Einzelwerte investieren möchte, kann zu zwei aktiv gemanagten Fonds und einem ETF greifen.

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Der Hellas Opportunities Fund (A1WZH5) und der Eurobank Equity Greek Equities Fund (A1W4F3) liegen mit einer Jahresperformance von 42,6 und 42,8 Prozent fast gleichauf. Die jährlichen Kosten (TER) liegen bei 2,96 bzw. 2,63 Prozent. Billiger ist der Indexfonds Amundi MSCI Greece ETF (LYX0BF) mit jährlichen Kosten von 0,45 Prozent. Er schneidet mit einer Performance von 37,7 Prozent allerdings nicht ganz so gut ab.

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