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FondssparpläneUnd sie bewegen sich doch

Im Dauerzinstief wenden sich immer mehr Kunden Aktienfonds zu. Wer als Versicherungsmakler am Boom teilhaben möchte, muss auf die Schulbank und braucht eine Zulassung als Finanzanlagenvermittler.Stefan Terliesner 01.04.2020 - 14:48 Uhr
Foto: Handelsblatt

Köln. In der Natur gilt ein Gesetz: Nur wer sich rasch genug an veränderte Umweltbedingungen anpasst, überlebt. Diese Regel lässt sich auch auf die Kapitalmärkte übertragen. Hier herrscht bei Anleihen und Sparguthaben eine Zinsdürre. Der Leitzins der Europäischen Zentralbank verharrt seit vier Jahren bei null. Und die Renditen fast aller Bundesanleihen liegen im negativen Bereich.

Ganz anders das Bild bei Aktien: Hier gedeihen üppige Renditen. Die Kurse steigen und steigen. Gleichzeitig locken Aktiengesellschaften mit hohen Dividendenrenditen (siehe dazu Artikel „Geldregen für Aktionäre“ auf Seite 21). Die Diskrepanz zwischen zinslosen Anleihen hier und renditestarken Aktien dort bleibt vielen Bundesbürgern nicht verborgen. Mehr noch: Offenbar sind immer mehr Menschen bereit, ihr Sparverhalten an die neue Lage anzupassen. Abzulesen ist das insbesondere am boomenden Absatz von Investmentfonds.

Abkehr von der Lebensversicherung

Jahrzehntelang war die klassische Lebensversicherung mit Garantieverzinsung der Deutschen liebstes Sparprodukt. Doch das Dauerzinstief setzt fast ausschließlich auf festverzinsliche Anleihen basierenden Klassikern immer stärker zu. Abzulesen ist das am Verfall der Renditen. So sagen die Anbieter ihren Kunden aktuell zum Beispiel nur noch eine laufende Verzinsung auf klassische Rentenversicherungen von im Schnitt 2,26 Prozent voraus. Vor einem Jahr lag sie noch bei 2,42 Prozent.

Altersvorsoge

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Damit setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort. 2010 lag die laufende Verzinsung klassischer privater Rentenpolice mit Garantieverzinsung noch bei 4,2 Prozent; und im Jahr 2000 bei rund 7,2 Prozent. Bei älteren Versicherungsverträgen hatten die Versicherungen einen relativ großen Teil der Anlagebeträge in langfristige Anleihen mit damals noch vergleichsweise hoher Rendite investiert. Diese Papiere – und mit ihnen die hohen Zinscoupons – laufen jedoch sukzessiv aus. Die Wiederanlage der Gelder erfolgt dann zu einem Zinssatz nahe oder sogar unter null, wenn die Investments in Anleihen mit guter und sehr guter Bonität erfolgen.

Laut einer Umfrage von Union Investment weiß mehr als die Hälfte der Sparer, dass es Geldanlagen gibt, die attraktive Erträge bringen. Fast zwei Drittel der Befragten halten es für vielversprechend, Geld in Aktien oder Aktienfonds zu investieren. Daher überrascht es nicht, dass zunehmend selbst sicherheitsorientierte Sparer auf Alternativen ausweichen. Dabei entdecken immer mehr Bundesbürger die Vorzüge von Aktienfondssparplänen.

Auf lange Sicht sind sie eine sichere und renditestarke Methode des Vermögensaufbaus. Das betonen auch Verbraucherschützer immer wieder. Wer zum Beispiel in den vergangenen zehn Jahren monatlich 100 Euro in einen globalen Aktienfonds investierte, konnte damit im Schnitt eine Rendite von 6,9 Prozent pro Jahr erzielen ; über einen Zeitraum von 30 Jahren – also unter Berücksichtigung der Finanzkrise 2008 und der geplatzten Internetblase Anfang des Jahrtausends – verbleiben immer noch 6,5 Prozent. Dies geht aus Zahlen des Fondsverbandes BVI hervor (siehe Tabelle: „Hohe Renditen mit Aktienfondssparplänen“.

Solche Renditen sind ein schlagendes Argument im Vertrieb von Produkten für die Altersvorsorge und den Vermögensaufbau. Auf Anfrage des Handelsblatts berichteten die beiden großen Anbieter Deka Investment und Union Investment beim Absatz von Fondssparplänen von zweistelligen Wachstumsraten – plus 17 Prozent auf 3,7 Millionen Verträge bei der Deka und mehr als 15 Prozent auf 2,6 Millionen Sparpläne beim genossenschaftlichen Wettbewerber im Zeitraum von Oktober 2018 bis September 2019. Dabei sind Sparpläne auf Riester-Produkte und vermögenswirksame Leistungen noch nicht einmal enthalten. Ebenfalls bemerkenswert: Diese Wachstumsrate erzielten die beiden Häuser ohne börsengehandelte Indexfonds (ETFs); also ausschließlich mit von einem Fondsmanagement verwalteten Produkten.

Foto: Handelsblatt

Wer als Vermittler am Fondssparboom teilhaben möchte, braucht freilich eine Erlaubnis gemäß Paragraf 34f Gewerbeordnung. Tatsächlich steigt die Anzahl der sogenannten „34f-ler“ seit ein paar Jahren kontinuierlich an. Aktuell gibt es 38.200 Finanzanlagenvermittler mit 34f-Erlaubnis, Anfang 2015 waren es 35.900. Wenn die Kundschaft sich vom Sparer zum Investor entwickelt, sollte ein Vermittler diesen Trend aktiv gestalten und sich an veränderte Rahmenbedingungen anpassen. Der Erwerb der 34f-Erlaubnis ergibt also Sinn. Genau genommen gibt es drei 34f-Erlaubnisse: eine für offene Investmentfonds, eine für geschlossene Investmentfonds sowie eine für sonstige Vermögensanlagen. Mit Blick auf die Kundennachfrage am spannendsten sind offene Investmentfonds.

Sparer werden Anleger

Frank Rottenbacher, Vorstand der Akademie für Finanzberatung Going Public, bestätigt: „Die Lehrgangsbuchungen sind in den vergangenen sechs Monaten um gut 35 Prozent zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Vermittler wollen sich nicht mehr nur abhängig vom Versicherungsgeschäft machen, sondern breiter aufstellen.“ Neben der Bewegung der Kundschaft weg vom Sparer hin zum Anleger hat er weitere Gründe identifiziert: Die Diskussion um den Provisionsdeckel in der Lebensversicherung sowie den Anspruch an die eigene Beratungsqualität. Denn auch Beratungen im Bereich Versicherungsanlageprodukte drehten sich in erheblichem Umfang um den Bereich Kapitalanlage. Und hier wünschten sich immer mehr 34d-Vermittler ein solides Know-how und strebten daher zusätzlich die 34f-Erlaubnis an.

„Wer bereits eine Erlaubnis nach Paragraf 34d hat und nur die Sachkundeprüfung für die Erlaubnis zur Vermittlung von offenen Investmentfonds anstrebt, wird von der mündlichen Paragraf-34f-Prüfung befreit“, ergänzt Rottenbacher. Seine Akademie bietet zwei Arten der Vorbereitung auf die Prüfung an: Online-Lehrgänge mit Live-Dozenten im virtuellen Schulungsraum sowie ein Medienpaket für das Selbststudium. Der Online-Lehrgang bereite auf alle drei Bereiche vor – also offene Fonds, geschlossene Fonds und sonstige Anlagen – und kostet 1586 Euro. Das Medienpaket vermittle nur Lehrinhalte für den Bereich offener Fonds und kostet 494 Euro. Hinzu kämen dann noch die Gebühren der Industrie- und Handelskammer. Der große Vorteil für Vermittler mit Erlaubnis gemäß 34d und 34f ist, dass sie als Allfinanzberater auftreten dürfen. Nur dieser Typ ist eigentlich für die allseits geforderte ganzheitliche Beratung zu Versicherungs- und Anlageprodukten ausgebildet.

Fondspolice geht auch

„Für Berater, die als Allfinanzdienstleister auftreten möchten, ist es sinnvoll, wenn er beide Registrierungen besitzt“, sagt Frank Ulbricht, Vorstand beim Investment- und Versicherungspool BCA und Chef der Bank für Vermögen. Generell äußern sich Vertreter von Pools allerdings eher zurückhaltend zum Thema Erlaubnis nach 34d und 34f. So sagt Sebastian Grabmaier, Chef des Pools Jung, DMS & Cie., dass Versicherungsvermittler das Interesse ihrer Kunden an Fonds auch über Fondspolicen befriedigen könnten. Auch Vermögensverwaltungslösungen eigneten sich „ausgezeichnet für eine längerfristige, rentable Kapitalanlage“.

Ein Trend ist aber eindeutig: Immer mehr Sparer wenden sich auf der Suche nach Renditen von klassischen Lebensversicherungen ab und Investmentfonds zu. Als Produkte kommen dabei insbesondere Fondssparpläne, aber auch Fondspolicen infrage. Für Vermittler heißt das: Sie benötigen eine Erlaubnis gemäß Paragraf 34f und das dazu notwendige Investmentwissen. Denn, nur wer sich veränderten Umweltbedingungen anpasst, überlebt. Das ist ein Naturgesetz.

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