Geldpolitik: EZB-Direktorin Schnabel warnt vor Verlust der Fed-Unabhängigkeit
Frankfurt. EZB-Direktorin Isabel Schnabel fürchtet, dass der poltische Druck von US-Präsident Donald Trump auf die US-Notenbank Fed zunehmen könnte und warnt vor den Folgen. „Sollte die Unabhängigkeit der Fed tatsächlich verloren gehen – und ich hoffe sehr, dass das nicht geschieht – wäre das sehr disruptiv für das globale Finanzsystem und würde sich auch auf die EZB auswirken“, sagte die deutsche Volkswirtin in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Die genauen Folgen hingen davon ab, wie sich dieses Szenario entwickeln würde.
„Eine der großen Fragen ist, ob der US-Dollar seinen derzeitigen Status behalten kann“, sagte Schnabel. Generell neige sie dazu, dies zu glauben. „Sollte dies jedoch nicht der Fall sein, ist unklar, was im globalen Finanzsystem passieren würde, da es keine eindeutige Alternative gibt“, führte sie aus.
„Ich glaube zwar, dass der Euro davon profitieren würde, aber das globale Finanzsystem ist nicht in einer Situation, in der es ohne den US-Dollar als Leitwährung leicht auskommen könnte“, sagte das Mitglied des sechsköpfigen Führungsteams der Europäischen Zentralbank (EZB).
Trump liegt schon seit längerem mit der US-Notenbank im Clinch, da diese anders als von ihm gefordert den Leitzins nicht gesenkt hat. Zeitweise hatte der Republikaner sogar mit der Entlassung von Federal-Reserve-Chef Jerome Powell gedroht, dessen Amtszeit im Mai 2026 endet.
Trump versucht momentan auch, US-Notenbank-Gouverneurin Lisa Cook wegen mutmaßlichem Hypothekenbetrug aus dem Amt zu drängen.
Kein Statement zu den Goldbeständen
Zu den Goldbeständen von Euro-Notenbanken in den USA wollte sich Schnabel nicht äußern. „Aber Sie können sicher sein, dass wir etwas unternehmen würden, wenn es Bedenken hinsichtlich der Sicherheit unserer Reserven gäbe“, sagte die EZB-Direktorin.
Erst kürzlich hatte auch der neue Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Pablo Hernandez de Cos, die Unabhängigkeit der Notenbanken von der Politik angemahnt. In seiner ersten Grundsatzrede als BIZ-Generaldirektor hatte er darauf hingewiesen, dass Notenbanker gerade durch ihre Unabhängigkeit ihrer Arbeit zum langfristigen Wohle der Öffentlichkeit nachgehen könnten, frei von kurzfristiger politischer Einflussnahme.