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GeldpolitikEZB könnte Zinsen nach Juli weiter anheben

Die EZB zieht es in Betracht, die Zinsen nach dem Treffen im Juli weiter zu erhöhen. Die Zentralbanker sorgen sich besonders um die hartnäckige Kerninflation. 13.07.2023 - 11:30 Uhr Artikel anhören

Die Europäische Zentralbank hält sich die Möglichkeit offen, den Leitzins nach Juli weiter zu erhöhen.

Foto: AP

Frankfurt/ Rom. Die Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) haben auf ihrer jüngsten Zinssitzung die Tür für weitere Zinserhöhungen nach dem Juli offengelassen. Sie stuften es als wesentlich ein, zu kommunizieren, dass die Geldpolitik noch einen weiteren Weg zurücklegen muss, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Protokoll der EZB-Sitzung am 14. und 15. Juni in Frankfurt hervorgeht.

"Es wurde die Sichtweise vertreten, dass der EZB-Rat nötigenfalls eine Anhebung der Zinssätze über den Juli hinaus in Betracht ziehen könnte", hieß es darin. Insbesondere die hartnäckig hohe Kerninflation, in der die schwankungsreichen Preise für Energie- und Lebensmittel außen vor bleiben, bereitete den Euro-Wächtern auf dem Treffen Sorgen.

Die Währungshüter hatten auf der Sitzung die Schlüsselsätze um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Es war seit Sommer 2022 bereits die achte Zinserhöhung in Folge. Der am Finanzmarkt richtungsweisende Einlagensatz, den Geldhäuser für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten, wurde auf 3,50 Prozent nach oben gesetzt - das höchste Niveau seit 22 Jahren. Auf der Pressekonferenz nach dem Zinsbeschluss stellte EZB-Präsidentin Christine Lagarde für die kommende Sitzung am 27. Juli bereits die nächste Zinserhöhung in Aussicht.

Das Protokoll bekräftige die Entschlossenheit der Euro-Wächter, den derzeitigen Erhöhungszyklus über die kommende Sitzung hinaus fortzusetzen, erklärte ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. "Nach vorne blickend scheint eine weitere Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf der nächsten EZB-Sitzung in zwei Wochen beschlossene Sache zu sein", führte er aus. Über das Juli-Treffen hinaus blickend werde allerdings die Diskussion darüber intensiver und kontroverser werden, wie weit die EZB in ihrem aktuellen Zinserhöhungszyklus noch gehen solle.

Gemäß den nach der Juni-Sitzung veröffentlichten Daten sank die Inflation im Euroraum im Juni auf 5,5 Prozent von 6,1 Prozent im Mai. Damit liegt das EZB-Ziel von zwei Prozent Teuerung aber immer noch weit entfernt. Die Kerninflation war sogar leicht gestiegen auf 5,4 Prozent von 5,3 Prozent im Mai. Dieses Inflationsmaß stand auf dem Juni-Zinstreffen laut Protokoll besonders im Blickpunkt. "Als Grund zur Sorge bewerteten die Mitglieder auch die Höhe und die Hartnäckigkeit der zugrunde liegenden Inflation", hieß es darin.

Ratsmitglied sieht EZB nahe am Höhepunkt

In den jüngsten Juni-Prognosen der EZB-Volkswirte, die den Ratsmitgliedern zur Sitzung vorlagen, waren die Vorhersagen für die Entwicklung der Kerninflation erneut deutlich nach oben revidiert worden. Allerdings wurde auf dem Zinstreffen auch betont, dass die Kernrate sich gemäß den jüngsten Daten womöglich stabilisiert und einen Wendepunkt erreicht habe. Es brauche aber wohl noch einige Zeit, bis die Messgrößen auf einen stetigen Abwärtstrend einschwenken würden.

Es gibt allerdings inzwischen auch Stimmen innerhalb des EZB-Rats, die die Notenbank bereits nahe am Zinsgipfel sehen. Aus Sicht von Italiens Notenbankchef Ignazio Visco ist sie inzwischen "nicht sehr weit" davon entfernt, wie er am Donnerstag dem italienischen Nachrichtensender Sky TG24 sagte. Es sei definitiv der Fall, dass bis Jahresende der Gipfel erreicht werde. Visco gilt als Vertreter einer eher lockeren Ausrichtung der Geldpolitik. Am Finanzmarkt wird bis Ende 2023 mit einem Einlagensatz von etwa 4,00 Prozent gerechnet.

Der Internationale Währungsfonds hingegen empfiehlt, nicht zu früh mit Zinserhöhungen aufzuhören, wie aus einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der Finanzorganisation hervorgeht. Die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20), deren Finanzminister sich Anfang kommender Woche in Indien treffen, müssten dafür sorgen, die Spaltung zwischen armen und reicheren Staaten abzumildern.

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Bei der Inflation scheine das Schlimmste überstanden zu sein, schrieb IWF-Chefin Kristalina Georgiewa in einem Blog. Allerdings lägen die Teuerungsraten noch deutlich über den jeweiligen Zielen der Notenbanken. Erfahrungen der Vergangenheit lehrten, ein zu früher Kurswechsel in der Geldpolitik könne die erreichten Erfolge schnell wieder zunichtemachen. Die Notenbanken müssten daher auf ihrem Zinserhöhungskurs bleiben, bis die Inflation länger im Zielbereich liege. In der Euro-Zone sind dies zwei Prozent. Die Finanzpolitik müsse wieder Puffer aufbauen für künftige Krisen.

rtr
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