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US-WirtschaftInflation am Wendepunkt – Fed muss sich auf Trump einstellen

Die Teuerungsrate in den USA entfernt sich von ihrem Zielwert. Ökonomen fürchten: Der Trend könnte sich mit dem Einzug Donald Trumps ins Weiße Haus verstärken.Stefan Reccius, Leonidas Exuzidis 13.11.2024 - 16:36 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Shopping in New York. Energie- und Lebensmittelpreise sind in den USA weiter hoch. Foto: Bloomberg

Düsseldorf, Frankfurt. Der amerikanischen Notenbank Fed stehen schwierige Zeiten bevor. Nur wenige Monate nach dem Auftakt zur Zinswende zeichnet sich die Rückkehr der Inflation ab. Das dürfte kaum mit vielen Zinssenkungen in Einklang zu bringen sein.

Im Oktober hat sich die Inflationsrate wieder vom Zielwert der Federal Reserve (Fed) entfernt. Die Preise für Waren und Dienstleistungen stiegen laut US-Arbeitsministerium im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,6 Prozent. Im September hatte die Teuerungsrate bei 2,4 Prozent gelegen.

Zudem lässt die Kernrate auf einen hartnäckigen Inflationsdruck schließen: Die Verbraucherpreise ohne Energie und Lebensmittel legten unvermindert um 3,3 Prozent zu. Und wenn ab Januar Donald Trump regiert, rechnen Experten mit einer inflationstreibenden Politik. Dies könnte die Fed zum Abbruch ihrer noch jungen Zinswende veranlassen.

US-Wirtschaft weiterhin „unglaublich stark“

Ökonomen von Banken und Vermögensverwaltern zufolge braut sich eine „reflationäre“ Mischung zusammen: hohe Zölle, niedrige Steuern und striktere Einwanderung. Karsten Junius, Chefvolkswirt der Bank J. Safra Sarasin, rechnet mit einer Umkehr der Preisdynamik: „Allgemein höhere Inflationsraten würden vermutlich dazu beitragen, dass die Fed die Zinsen nicht weiter senkt.“

Hinzu kommt, dass die Wirtschaft trotz hoher Zinsen gut läuft. Weniger Insolvenzen, hohe Gewinne und Margen für Unternehmen, ausgabefreudige Verbraucher: „Die Konjunktur bleibt unglaublich stark“, sagt Torsten Slok vom Vermögensverwalter Apollo.

Marktteilnehmer stellen sich bereits auf ein anhaltend hohes Zinsniveau ein. Eine weitere Zinssenkung im Dezember gilt nach den ersten Schritten im September sowie der Senkung vorige Woche als unsicher. Die Wahrscheinlichkeit dafür sehen Investoren aktuell bei circa 80 Prozent, zeigen Daten der Optionsbörse CME.

Trumps Steuerversprechen gelten als inflationär

In der Folge sind die Risikoprämien für US-Staatsanleihen gestiegen und der Dollar hat aufgewertet. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen hat zuletzt auf etwa 4,4 Prozent angezogen. Ungewöhnlich stark war vor allem der Anstieg am Dienstag um zwölf Punkte hinter dem Komma.

Der Anlass für die Flucht der Investoren aus US-Schuldtiteln: Seit dem Wochenende steht so gut wie fest, dass die Republikaner in beiden Kammern des Kongresses die Mehrheit übernehmen. Trump kann durchregieren.

So hat der künftige US-Präsident kaum Widerstand zu erwarten bei seinem Vorhaben, auslaufende Steuerkürzungen für Unternehmen und private Haushalte zu verlängern und neue zu beschließen. Das wird die Staatseinnahmen für mehrere Jahre schmälern und das Schuldenproblem der USA vergrößern.

Trumps Steuerversprechen gelten als inflationär. Fachleute des Internationalen Währungsfonds (IWF) schätzen, dass allein dadurch die Teuerungsrate um durchschnittlich 0,2 Prozentpunkte pro Jahr steigen dürfte. Ähnliches gilt dem IWF zufolge für Trumps Vorhaben, die Einwanderung stark zu beschränken.

Große Unsicherheit wegen Trumps Zoll-Drohungen

Einwanderer sind als Arbeitskräfte vor allem im Dienstleistungssektor gefragt. Dass in den vergangenen Jahren Millionen Menschen ins Land kamen, hat nach Erkenntnissen von Ökonomen wesentlich zu der Entspannung am Arbeitsmarkt beigetragen. Die verstärkte Arbeitskraft durch Zuwanderung habe auch den Inflationsdruck gesenkt, heißt es beim IWF.

Wie sich die Zölle unter Trump entwickeln werden, ist besonders unsicher. Setzt er seine Drohung, bis zu 20 Prozent auf alle US-Importe und 60 Prozent auf Einfuhren aus China zu verlangen, in die Tat um? Oder setzt er die Ankündigung zunächst nur als Druckmittel für Verhandlungen mit China und der EU ein? Und wie reagieren die Handelspartner?

Der IWF hat eine Kettenreaktion moderater Zölle und Gegenzölle in den USA, China und Europa simuliert. In diesem Szenario könnten die Folgen für die Inflation womöglich überschaubar bleiben. Denn ein Zollkrieg dürfte der US-Wirtschaft schaden, weil Firmen Investitionen zurückstellen. Im Extremfall, so die US-Denkfabrik PIIE, ist jedoch damit zu rechnen, dass die Inflationsrate 2025 bis zu 1,3 Prozentpunkte höher liegt als ohne eine Eskalation der Zölle.

Selbst wenn es nicht so schlimm kommt: Jeder Zehntelprozentpunkt mehr wird es der US-Notenbank erschweren, ihr Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen – und zu halten. Die nächste Sitzung am 18. Dezember dürfte wichtige Anhaltspunkte liefern, welche Schlüsse die Fed aus Trumps Triumph zieht.

Diese Szenarien erwarten die Experten

Für die Notenbanker ist es ein Déjà-vu: Im Dezember 2016 mussten sie schon einmal abwägen, was Trump im Weißen Haus für die Zinsen bedeutet. „Viele“ hätten sich damals auf eine „etwas straffere Geldpolitik“ eingestellt, so die Experten der Deutschen Bank. So kam es, wenn auch von einem niedrigeren Zinsniveau aus als heute.

Die Ökonomen von Goldman Sachs erwarten drei Zinssenkungen in Serie bis einschließlich März 2025. Anschließend werde sich die Fed aber mehr Zeit lassen, um die Leitzinsspanne von aktuell 4,5 bis 4,75 Prozent schließlich auf 3,25 bis 3,5 Prozent abzusenken. Die Fed wolle zunächst sicherstellen, dass der Arbeitsmarkt stabil bleibt, bevor sie ihre Zinssenkungen verlangsame.

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Die US-Experten der Deutschen Bank halten es wegen Trumps Triumph hingegen für denkbar, dass die Fed früher stoppt und ihre Leitzinsspanne über vier Prozent hält. Mehr als zwei, maximal drei Zinssenkungen wären dann nicht mehr drin. Elmar Völker von der Landesbank LBBW prognostiziert sogar, dass die Fed bis zu Trumps Amtsantritt im Januar „lediglich einen weiteren Lockerungsschritt folgen lässt, bevor sie eine ausgedehnte Zinspause einlegt“.

Der frühere Bundesbank-Chef Axel Weber erwartet nach eigener Aussage nach wie vor „drei bis vier Zinssenkungen“. Aber weiter werde die Fed nicht gehen. Er sei Fed-Chef Jerome Powell neulich bei der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Washington über den Weg gelaufen, erzählte Weber Teilnehmern einer Kapitalmarktkonferenz in Mainz. Aus der Begegnung habe er die Erkenntnis gezogen, die Fed habe bereits „unter der Hypothese gearbeitet, dass Trump Präsident wird“.

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