Inflation: Was unser Geld noch wert ist
Hohe Inflation und überforderte Notenbanken: Eine Vielzahl von Krisen hat unseren Wohlstand ins Wanken gebracht. Ist er nur noch eine Illusion?
Foto: Handelsblatt- Überforderte Notenbanken, überschuldete Staaten, schwache Konjunktur: Die Weltwirtschaft tritt in eine neue Phase – Deutschland und die USA stehen dabei am Rande der Rezession und die Schulden vieler Länder sind bedenklich hoch.
- Die jahrelang niedrigen Zinsen der Zentralbanken und größere Neuverschuldungen bringen jetzt hohe Inflationsraten, die nach Auffassung vieler Ökonomen wohl noch Jahre anhalten werden.
- Mit schuld sind daran auch die Notenbanken, die sich eine fulminante Fehleinschätzung der Preisdynamik geleistet haben. Nun bedarf es einer Korrektur – die mit großen Kollateralschäden einhergehen wird.
- Der Princeton-Ökonom Marcus Brunnermeier fordert die Zentralbanken auf, Druck auf die Regierungen auszuüben. Warum ohne diese fiskalpolitische Disziplin der Kampf gegen die Inflation kaum zu gewinnen ist, lesen Sie hier.
Prolog
Im Foyer der Europäischen Zentralbank im Frankfurter Ostend ist ein langer blauer Teppich ausgerollt. Die Strahlen der untergehenden Sonne spiegeln sich in den gläsernen Fassaden des modernen EZB-Towers, als Präsidentin Christine Lagarde ihre zahlreichen Gäste empfängt und über den blauen Teppich begleitet: Ihre Vorgänger Mario Draghi und Jean-Claude Trichet sind gekommen; Bundeskanzler Olaf Scholz, EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen folgten der Einladung ebenso wie Bundesbankpräsident Joachim Nagel.
Die EZB-Chefin hat zum 25. Geburtstag der Institution geladen. Es geht feierlich zu: Eine Frau aus der Ukraine stimmt die Europahymne an. Lagarde schneidet zusammen mit Draghi und Trichet eine viereckige weiße Mango-Torte an. Es werden staatstragende Reden gehalten.
Lagarde zitiert Helmut Kohl, unterstreicht die Friedensmission der Gemeinschaftswährung, rekapituliert die verdienstvolle Integrationsgeschichte des „irreversiblen Euros“, benennt aber auch die vielen großen Krisen seit seiner Geburt 1999: die Internetblase, die Finanz- und die Euroschuldenkrise, die Pandemie – und natürlich den Ukrainekrieg.
Auch der Kanzler findet freundliche Worte: Die Europäische Zentralbank und der Euro hätten eine gute Tradition begründet, die Gemeinschaftswährung sei ein „Hort für Stabilität“. Das passt zum Credo dieser Veranstaltung am Abend des 24. Mai: „Stability is our thing“, also so viel wie „Preisstabilität ist unsere Passion“.