Markus Brunnermeier: Rückkehr zu Zwei-Prozent-Inflation wird „ganze Weile dauern“
Der Ökonom ist der Meinung, der ökologische Umbau Deutschlands wird die Inflation noch weiter antreiben.
Foto: IMAGO/Christian SpickerMarkus Brunnermeier hält sich zurzeit zu Forschungszwecken in Japan auf: Nirgendwo kann man wahrscheinlich die Folgen langfristiger ultralockerer Geldpolitik besser studieren als dort. Die japanische Notenbank ist der Pionier beim Thema Quantitative Easing, also dem Ankauf von Wertpapieren.
Der 54-Jährige gehört zur Kategorie „pragmatischer Ökonom mit Weltgeltung“. Er gilt als einer der anerkanntesten Wissenschaftler im Bereich Finanzkrisen.
Herr Brunnermeier, die Inflation ist nach 15 Jahren Abwesenheit mit Wucht zurückgekehrt. Die westlichen Notenbanken verfehlen seit 2021 ihr Inflationsziel bei Weitem: Müssen wir uns langfristig eher auf eine Inflationsrate von vier Prozent einstellen?
Auf jeden Fall wird es noch eine ganze Weile dauern, bis wir zurück am Zielwert von zwei Prozent Inflation sind. Denn wenn Vertrauen erst mal verloren gegangen ist, dann ist es sehr schwer und kostspielig, es zurückzugewinnen. Aber die gute Nachricht ist: Noch sind die Inflationserwartungen der Bürger im Euro-Raum verankert.
Wie kommt das angesichts von Raten, die zeitweise sogar zweistellig waren?
Tatsächlich spielt hier der Krieg in der Ukraine eine wichtige Rolle. Er macht deutlich, dass wir in einer Ausnahmesituation leben. Das entschuldigt bis zu einem gewissen Grad die steigenden Preise und stärkt die Hoffnung, dass bei einer Normalisierung der Situation die EZB die Situation wieder unter Kontrolle bekommt.