Börsenwert: Apple überholt: Microsoft wertvollster Börsenkonzern der Welt
Düsseldorf. Microsoft ist am Donnerstag kurzzeitig zum weltweit wertvollsten Börsenkonzern aufgestiegen. Nach einem Kurssprung von knapp zwei Prozent im frühen US-Handel war der Technologiekonzern 2,9 Billionen Dollar wert – und damit etwas mehr als der bisherige Spitzenreiter Apple. Der iPhone-Hersteller kam nach einem Minus von knapp einem Prozent auf 2,86 Billionen Dollar.
Zum Vergleich: Alle 40 Dax-Konzerne sind 1,7 Billionen Euro wert, umgerechnet 1,9 Billionen Dollar. Mit aktuell 163 Milliarden Euro ist SAP das teuerste deutsche Börsenunternehmen. Somit reicht nicht einmal die Summe aller wertvollsten deutschen Börsenunternehmen an den Wert der US-Konzerne heran.
Für Apple ist die Situation ungewohnt: Vor gut zehn Jahren war der iPhone-Hersteller noch mehr als doppelt so viel wert wie Microsoft. Doch Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz und das Sprachmodell ChatGPT, für das sich Microsoft eine exklusive Partnerschaft mit Entwickler OpenAI gesichert hat, haben die Aktie des Windows-Konzerns binnen eines Jahres um mehr als 50 Prozent steigen lassen. Apple-Titel legten zwar ebenfalls zweistellig zu, mit 35 Prozent aber nicht so deutlich.
Apple äußert sich kaum zu KI-Projekten
Vom die meiste Zeit wertvollsten Unternehmen der Welt ist bislang wenig über KI zu hören. Apple hält sich mit Aussagen zurück. Analysten gehen davon aus, dass eine Milliarde Dollar für KI-gestützte Softwareentwicklung zur Verfügung steht. Das ist im Vergleich zur Größe des Konzerns und zu den Ausgaben der Wettbewerber wenig.
Apple leidet – auf hohem Niveau – zudem unter einem Ertragsproblem. Mit einem Nettogewinn von umgerechnet 91 Milliarden Euro in dem am 30. September beendeten Geschäftsjahr 2023 ist der Konzern zwar immer noch das gewinnträchtigste Technologie-Unternehmen der westlichen Welt. Doch die Gewinne stagnierten: 2022 waren es 92 Milliarden Euro gewesen.
Auch für das laufende Jahr erwarten Analysten keine Ertragssprünge. Der Umsatz fiel sogar vier Quartale in Folge – nach Berechnung des Finanzdatenspezialisten Bloomberg die längste Negativserie seit 2001.
Microsoft hingegen dürfte den Umsatz in diesem Jahr um 15 Prozent und den Gewinn um zwölf Prozent auf 77,5 Milliarden Euro steigern, prognostizieren Fachanalysten im Durchschnitt. Das wäre doppelt so viel wie im vergleichbaren Vor-Corona-Jahr 2019.
Dass Microsoft beim Börsenwert an Apple herangekommen ist, liegt an den stärkeren Zuwächsen beim Ertrag in Kombination mit dem KI-Boom. Bei dem von Anlegern besonders beachteten Cloud-Geschäftsbereich Azure, der auf KI-gesteuerte Anwendungen für Sprache, Medizin und andere Bereiche fokussiert ist, erhöhte sich der Umsatz um 29 Prozent. Die KI-Dienste trugen nach Konzernangaben drei Prozentpunkte dazu bei.
In OpenAI hat Microsoft inzwischen mehr als zehn Milliarden Dollar investiert. Um aus dieser Partnerschaft nachhaltig Gewinne zu erzielen, sind noch weitere Investitionen nötig. Dabei helfen Bargeldreserven von gegenwärtig 136 Milliarden Euro, ein freier Cashflow von 57 Milliarden Euro und ein Eigenkapital von 109 Milliarden Euro.