Geldanlage: Warum bei Wasserstoff-Aktien die Risiken überwiegen
Köln. Zuletzt zeigten zwei Nachrichten, wie der Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur in Deutschland voranschreitet: Der Energieriese Shell investiert in einen 100-Megawatt-Elektrolyseur im Energy and Chemicals Park Rheinland. Und Siemens Energy hat den Auftrag, dem niedersächsischen Energieversorger EWE eine 280-Megawatt-Elektrolyseanlage zu bauen.
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck plant, bis 2030 eine Kapazität von zehn Gigawatt zu erreichen, was einer Produktionsmenge von einer Million Tonnen grünem Wasserstoff entspricht. Bund und Länder stellen für die Entwicklung von 23 Wasserstoffprojekten 4,6 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Aktien in der Branche performen gleichwohl sehr durchwachsen.
Einige Titel aus der Wasserstoffbranche notieren nahe an ihren Mehrjahrestiefs. Viele Anbieter fahren (noch) keine Gewinne ein. Andere Kurse stehen so hoch, dass die Unternehmen Bewertungen in Milliardenhöhe erreicht haben – und die Aktien entsprechend überbewertet sind.
Ein Einzelinvestment ist deshalb sehr risikoreich. „Man kann das nicht schönreden, die einzelnen Titel laufen teilweise schlecht “, sagt Wasserstoffexperte Roel Houwer von der Vermögensverwaltung Van Eck Europe. Die Finanzierungskosten für die Hersteller sind im aktuellen Zinsniveau teuer und der Sektor ist kapitalintensiv, sagt Houwer.
Bis zur Wettbewerbsfähigkeit ist es im Vergleich zu fossilen Energieträgern noch ein langer Weg. Dass Regierungen zur Förderung derart viel Geld in die Hand nehmen, bewerten Experten aber als positives Signal. Gemeinsam mit den sinkenden Zinsen, die künftige Finanzierungskosten verbilligen, herrscht deshalb vorsichtige Zuversicht.
Nach Berechnungen der Bank of America könnte Wasserstoff langfristig und weltweit ein Geschäftsvolumen von 2,5 Billionen Dollar erreichen. Nachfolgend drei Einzelaktien im Kurzportrait.
Ballard Power
Ballard Power Systems nimmt im Wasserstoffmarkt seit Langem eine Schlüsselrolle ein. Das kanadische Unternehmen stellt Brennstoffzellen her, unter anderem für Busse, Züge, Schiffe und Pkws, und hatte bereits vor 22 Jahren 30 Brennstoffzellenbusse von Mercedes-Benz ausgestattet.
Der Hersteller unterhält mehrere Kooperationen mit führenden Fahrzeugherstellern. Neben der Beteiligung an verschiedenen europäischen Wasserstoffprojekten hat sich Ballard eine signifikante Präsenz auf dem chinesischen Markt erarbeitet, mit mehreren strategischen Partnerschaften. Die chinesischen Unternehmen Weichai Power und Broad-Ocean Motor halten fast 30 Prozent der Unternehmensanteile.
Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren eine wechselhafte Kursentwicklung erlebt. Auf zehn Jahre betrachtet hat der Titel rund 30 Prozent an Wert verloren. Dementsprechend vorsichtig sind Analysten, zeigen Daten des Finanzdienstes LSEG. Nur vier von 20 raten zum Kauf der Aktie.
Der Gesamtumsatz von Ballard Power stieg im ersten Quartal des laufenden Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum um neun Prozent auf 14,5 Millionen Dollar. Unter dem Strich schreibt der Konzern rote Zahlen. Im August gibt es Geschäftsergebnisse zum zweiten Quartal. Beim Umsatz erwarten 17 Analysten einen Zuwachs von durchschnittlich 30 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Für das laufende Geschäftsjahr prognostizieren Analysten einen Verlust von 0,72 kanadischen Dollar pro Aktie.
Plug Power
Plug Power ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das Brennstoffzellen- und Wasserstoffsysteme entwickelt und außerdem in den Bereichen Wasserstoffproduktion, Verflüssigung und Transport aktiv ist.
Seit vielen Jahren schreibt das Unternehmen rote Zahlen. Gerade hat die EU-Kommission ein Joint Venture von Plug Power und Renault genehmigt. Dabei geht es um Wasserstoff-Vans und Wasserstofftankstellen. Das Unternehmen meldete für das Quartal, das am 31. März 2024 endete, einen Umsatz von 120,3 Millionen Dollar und einen Verlust pro Aktie (EPS) von 0,46 Dollar.
Mit Unterstützung der US-Investmentbank Morgan Stanley will Plug Power 200 Millionen Dollar über eine Kapitalerhöhung einnehmen. Weitere 30 Millionen Dollar sollen durch die Ausgabe neuer Aktien eingesammelt werden. Dies dürfte den Aktienkurs weiterhin unter Druck setzen. Von 29 Analysten raten derzeit nur neun zum Kauf.
Air Liquide
Air Liquide zählt weltweit zu den größten Herstellern von Industriegasen und baut Wasserstofftankstellen. Das Unternehmen besitzt das größte Gas-Pipeline-Netz weltweit und errichtet in der Normandie eine Produktionsanlage für grünen Wasserstoff. Ab 2026 sollen dort jährlich 28.000 Tonnen grüner Wasserstoff erzeugt werden.
Der Nettogewinn pro Aktie belief sich auf 5,90 Euro pro Aktie und stieg damit um knapp zwölf Prozent im Vergleich zum Jahr davor. 2022. Die Aktie ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 30 hoch bewertet. Von 26 Analysten raten hier 16 zum Kauf. Damit bewerten die Experten Air Liquide mit Abstand am positivsten.
Dieser Text rät nicht zum Kauf oder Verkauf der genannten Aktien. Er soll zur Diskussion anregen und kann Ausgangspunkt für weitere Recherchen sein.