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Bonds Fußball-Anleihen: Warum Rendite oft nur ein Nebenaspekt ist

Bundesliga-Absteiger Schalke zahlt mit einer neuen Anleihe eine alte zum Teil zurück. Doch viele Anleger blieben vorsichtig. Es zeigt sich: Fußball-Bonds haben es schwer am Kapitalmarkt.
08.07.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
Den Verein belasten Verbindlichkeiten von mehr als 200 Millionen Euro. Quelle: AP
Blick ins Schalker Stadion

Den Verein belasten Verbindlichkeiten von mehr als 200 Millionen Euro.

(Foto: AP)

Düsseldorf Schalke rennt an, Schalke schwitzt, Schalke erholt sich: Nach dem schmerzhaften, aber letztlich nicht mehr überraschenden Abstieg in die Zweite Fußball-Bundesliga bereitet sich der FC Schalke 04 in diesen Tagen im Trainingslager in Österreich auf die „Mission Wiederaufstieg“ vor. In etwas mehr als zwei Wochen startet die neue Saison – erstmals seit 30 Jahren wird in Gelsenkirchen wieder Zweitliga-Fußball gespielt.

Parallel dazu bleibt die finanzielle Situation des Vereins mehr als angespannt. Auch am Kapitalmarkt ist der erhoffte Befreiungsschlag ausgeblieben. Am Donnerstag zahlte der Verein fristgerecht eine fünfjährige Anleihe (2016/21) mit einem Volumen von 15,89 Millionen Euro zurück – Geld, das in den klammen Kassen des Vereins eigentlich dringend benötigt wird.

Diesen Abfluss hatte Schalke eigentlich komplett durch die Auflage einer neuen fünfjährigen Anleihe refinanzieren wollen (2021/26). Doch das misslang. Anleger zeichneten nur im Volumen von 8,9 Millionen Euro, wie der Verein zum Wochenanfang bekanntgab. Die Differenz muss der Klub nun auf andere Art und Weise beschaffen. Die Vorsicht der Investoren beweist: Fußballbezogene Produkte haben auf dem Kapitalmarkt einen schweren Stand.

Schalke hatte seinen Anlegern ein Umtauschangebot gemacht, das etwa 20 Prozent von ihnen auch nutzten. So kamen 3,2 Millionen Euro zusammen. Weitere 5,7 Millionen Euro sammelte Schalke über seine Website sowie über die Frankfurter Wertpapierbörse ein. Verzinst wird der neue Bond jährlich mit 5,75 Prozent.

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    Schalke war und ist auf frisches Kapital angewiesen. Den Klub drücken Verbindlichkeiten von mehr als 200 Millionen Euro. Der Verlust belief sich Ende Dezember auf mehr als 52 Millionen Euro. Die finanzielle Basis hat sich durch den Abstieg aus der Bundesliga noch einmal erheblich verschlechtert.

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    Dabei haben die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise noch gar nicht voll durchgeschlagen. Beide Faktoren – Abstieg und Pandemie – belasten alle Erlössäulen des Vereins erheblich. Zuletzt verkauften die Schalker ihre Lizenz für die „League of Legends“-Liga im E-Sport für 26,5 Millionen Euro.

    Mit Anleihen kennen sich die Verantwortlichen in Gelsenkirchen aus. Schalke hat noch einen weiteren Bond am Markt, der im Jahr 2023 ausläuft. Auch Hertha BSC und der Hamburger SV haben Anleihen auf den Markt gebracht. Dabei sind Anleihen im Profifußball nicht besonders beliebt – weder bei Anlegern noch bei den Klubs selbst, da dieser Weg teurer ist als der klassische Bankkredit.

    Doch die schwierige Finanzierungssituation lässt Vereine vermehrt über das Instrument der Unternehmensanleihe nachdenken, heißt es aus Finanzkreisen. Anfang Juni etwa sammelte Werder Bremen – neben Schalke der zweite Absteiger aus der Bundesliga – mit einem solchen Schritt 17 Millionen Euro ein. Der Zins liegt mit 6,5 Prozent sogar noch über dem des Schalker Produkts.

    Fußball-Investments sind oft emotional bedingt

    Die hohe Verzinsung spiegelt das verhältnismäßig hohe Risiko wider, mit dem Investoren kalkulieren müssen. Emittierende Fußballklubs sind in ihrer Handlungsfähigkeit häufig durch einen hohen Schuldenberg beschränkt, wie nun auch die Beispiele aus Bremen und Schalke zeigen.

    Die Rendite wiederum ist stark abhängig von der sportlichen Performance. Im Wertpapierprospekt zur neuen Schalker Anleihe ist ein verpasster Wiederaufstieg in den nächsten Jahren als klarer Risikofaktor benannt, der „die wirtschaftliche Situation des Emittenten bis hin zur Existenzgefährdung verschlechtert und gegebenenfalls zur Insolvenz führt“. Für Anleger ist es also ratsam, nur Kapital einzusetzen, das für riskantere Investments zur Verfügung steht.

    Die Rendite ist für viele Zeichner ohnehin nur ein Nebenaspekt. Vielmehr gelten Fußball-Anleihen, ähnlich wie Fußball-Aktien, als emotionales Investment – als eine Art Symbol, dass man sich mit dem Verein und womöglich auch mit der Region verbunden fühlt.

    Hauptzeichner sind die Fans

    Ein klares Urteil fällt der Sportökonom Daniel Weimar, der an der Universität Duisburg-Essen lange unter anderem zu Insolvenzen im Fußball geforscht hat. „Das ist ein Liquiditätsboom ohne strukturelle Investition“, sagt er.

    Noch weitaus höher ist das Ausfallrisiko bei klassischen Fan-Anleihen. Mehrere Vereine, etwa die Schalker, der 1. FC Kaiserslautern oder der 1. FC Köln, haben in der Vergangenheit bei ihren Anhängern um die hochverzinsten Produkte geworben.

    Unternehmensanleihen lassen sich durch ihre Börsennotierung zwar abgrenzen, da Emittenten so den Kreis für institutionelle Investoren öffnen. Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen, weil bewusst auch Geld bei den Anhängern eingesammelt wird. „Hauptzeichner sind in den meisten Fällen immer die Fans des Vereins“, sagt Weimar.

    Mehr: Werder Bremen kämpft per Fußball-Anleihe um das Comeback

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