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Serie Anlegen 2020 – Teil 8Ein Ende der Negativzinsen ist nicht in Sicht

Die Zentralbanken dürften sich im kommenden Jahr mit Zinsschritten zurückhalten. Anleiheinvestoren stecken daher in einem Dilemma.Jakob Blume 30.12.2019 - 19:23 Uhr

Für Anleiheinvestoren dürfte 2020 ein schwieriges Jahr werden.

Foto: AP

Frankfurt. Wenn Staatsanleihen ähnliche Gewinne wie Aktien liefern, ist Vorsicht geboten. Diese Erfahrung mussten Anleihe-Manager im zurückliegenden Jahr machen. Denn zunächst sanken die Renditen auf breiter Front. Die Rendite von zehnjährigen deutschen Staatsanleihen ging beispielsweise von ohnehin niedrigen 0,2 Prozent im Januar auf minus 0,7 Prozent im August zurück.

Im Gegenzug stiegen die Kurse nicht nur bei deutschen Staatspapieren: Investoren stürzten sich auf die hundertjährige Österreich-Anleihe ebenso wie auf höher verzinsliche Unternehmensanleihen. Selbst defensive Portfolios mit einem hohen Anteil von Staatsanleihen waren zwischenzeitlich zweistellig im Plus. Österreichs 100-Jahr-Anleihe brachte von Januar bis August einen Kursgewinn von bis zu 70 Prozent.

Doch auf die Rally folgte die Korrektur: Die Rendite der zehnjährigen deutschen Staatsanleihe kletterte zuletzt auf minus 0,25 Prozent, im Gegenzug fielen die Anleihekurse. Fondsmanager, die den Ausstieg im August verpasst haben, mussten daher einen erheblichen Teil ihres Jahresgewinns wieder abgeben.

Der Hauptgrund für die Achterbahnfahrt der Anleihekurse war die Kehrtwende der Notenbanken. Sie dürften auch im kommenden Jahr der bestimmende Faktor an den Bondmärkten werden – und Anleiheinvestoren ein schwieriges Jahr bescheren.

Christoph Rieger, Chefstratege für Anleihen bei der Commerzbank, ist sich sicher: „Die starke Performance am Euro-Bond-Markt wird sich im nächsten Jahr wohl kaum wiederholen.“ Die Investoren stecken daher in einem Dilemma. Sie können nicht darauf hoffen, mit Kuponzinsen positive Erträge zu erwirtschaften.

Sicheres Verlustgeschäft

Denn trotz der jüngsten Korrektur an den Anleihemärkten werfen insbesondere in Europa zahlreiche Staatspapiere noch negative Renditen ab. An diesen Werten orientieren sich jedoch auch die Zinskupons von Unternehmensanleihen mit guter Bonität. Daher bleiben Anleihen von Staaten oder Unternehmen mit guter Bonität, sogenannte Investmentgrade-Anleihen, für langfristig orientierte Investoren ein Verlustgeschäft.

Anleger können aber auch nicht auf nennenswerte Kursgewinne bei Zinspapieren hoffen. Denn die Zentralbanken, allen voran die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB), dürften nach Ansicht der meisten Experten die Zinsen nicht viel weiter absenken. Sinkende Leitzinsen bewirken, dass die Kurse der Staatsanleihen auf dem Markt anziehen, weil diese Bonds dann stärker gefragt sind. Denn sie weisen noch attraktivere Kupons vor als künftige. Steigende Kurse drücken dann im Gegenzug die Renditen dieser Anleihen nach unten.

Doch nach weiterhin sinkenden Leitzinsen sieht es aktuell nicht aus. So erwartet Scott Thiel, Chefstratege für Anleihen beim US-Vermögensverwalter Blackrock: „Die wichtigsten Zentralbanken werden kurzfristig eher eine Pause einlegen.“

Eine Sichtweise, die Commerzbank-Stratege Rieger teilt – und zu dem Schluss kommt: „Da etwa die Hälfte des Euro-Marktes Renditen unter null aufweist, sind die Aussichten auf Kursgewinne verhaltener – und es ist auch keine praktikable Strategie, lediglich den Kupon zu verdienen.“

Auch die Finanzprofis beim Vermögensverwalter Natixis halten europäische Investmentgrade-Anleihen für unattraktiv. In einer Miniumfrage unter Natixis-Fondsmanagern gehörten sie neben US-Hochzinsanleihen und Kryptowährungen zu den unattraktivsten Investments im kommenden Jahr.

Unattraktiv wie Bitcoin

Einzig ein Einbruch der Konjunktur könnte die Kurse europäischer Investmentgrade-Anleihen nach oben treiben. Doch auch das erwarten Strategen – allem Konjunktur-Pessimismus zum Trotz – nicht. So sagt Andrew Wilson von Goldman Sachs Asset Management: „Derzeit ist es wahrscheinlicher, dass die Weltkonjunktur an Schwung verliert und über einen längeren Zeitraum ein niedriges Wachstum verzeichnet.“ Eine Rezession, die die Nachfrage nach sicheren Häfen wie Staatsanleihen anspringen lässt, erwartet Wilson jedoch nicht.

Angesichts negativer Renditen und der geringen Aussicht auf Kursgewinne bei sicheren Zinspapieren bleibt Anlegern nur, in länger laufende oder riskantere Papiere zu investieren, wenn sie eine positive Rendite erwirtschaften wollen. Sie müssten „außerhalb klassischer Komfortzonen“ nach Rendite suchen, sagt der Goldman-Manager. Dazu zählten etwa Hochzins-Anleihen, Schwellenmarkt-Bonds oder gar Hebelprodukte.

Investoren, die sich bei Engagements in Unternehmensanleihen mit guter Bonität wohler fühlen, können zwar darauf zählen, dass die EZB im kommenden Jahr ihr Anleihekaufprogramm fortsetzt. Dabei kauft die Notenbank auch Unternehmensanleihen an und dürfte damit die Kurse stützen.

Allerdings seien die Bewertungen in dem Segment schon heute angespannt, sagt Jim Cielinski vom US-Vermögensverwalter Janus Henderson. Risikoaufschläge gegenüber Staatsanleihen seien bereits sehr niedrig. „Das macht Unternehmensanleihen anfällig für Schocks, die in einem Jahr mit Präsidentschaftswahlen in den USA wahrscheinlich sind“, warnt er. Nach einem Jahr aktienähnlicher Gewinne mit risikolosen Papieren könnte es für Anleiheinvestoren 2020 ungemütlicher werden.

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