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StaatsanleihenBund plant grüne Bundesanleihen für 2020

Der Bund will einen einstelligen Milliardenbetrag für grüne Projekte einsammeln. Die Green Bonds sollen im zweiten Halbjahr am Markt platziert werden.Jakob Blume 19.12.2019 - 15:07 Uhr

Der Bund sammelt Milliarden im Kampf gegen Corona am Kapitalmarkt ein.

Foto: dpa

Frankfurt. Deutsche Staatsanleihen erhalten im kommenden Jahr einen grünen Anstrich. Tammo Diemer, Chef der Finanzagentur des Bundes, die für die Ausgabe von Bundesanleihen zuständig ist, hat dazu am Donnerstag neue Details bekanntgegeben.

Demnach soll 2020 ein hoher einstelliger bis niedriger zweistelliger Milliardenbetrag durch grüne Bundeswertpapiere eingesammelt werden, wie aus der Emissionsplanung des Bundes für das kommende Jahr hervorgeht.

Geplant ist, an ein bis zwei Terminen im zweiten Halbjahr 2020 grüne Bundesanleihen am Markt zu platzieren. Unter grünen Bundesanleihen versteht man Anleihen, deren Verkaufserlös für umweltschutzrelevante Maßnahmen zweckgebunden ist.

Welche Laufzeiten der Bund ausgeben wird, ist noch unklar. Diemer sagt: „Perspektivisch wollen wir eine grüne Bundkurve etablieren.“ Das bedeutet, dass es grüne Bundesanleihen mit den Laufzeiten zwei, fünf, zehn und 30 Jahren geben soll.

Zum Start 2020 werde man jedoch noch nicht die komplette Zinskurve abdecken können, so Diemer. Daher dürfte die Finanzagentur zunächst auf die größten Marktsegmente setzen – das sind Papiere mit fünf- und zehnjähriger Laufzeit.

Komplexe Konstruktion

Um zu gewährleisten, dass der neue Green Bond der Bundesrepublik genauso leicht handelbar ist wie die konventionelle Anleihe, hat die Finanzagentur das Konzept der sogenannten „Zwillingsanleihe“ entwickelt. Das bedeutet: Gibt Deutschland einen Green Bond etwa im Volumen von fünf Milliarden Euro aus, legt die Finanzagentur parallel fünf Milliarden Euro in konventionellen Anleihen auf.

Diese werden jedoch zunächst nicht an die Investoren weitergereicht. So soll sichergestellt werden, dass Investoren jederzeit ihren Green Bond in eine herkömmliche Bundesanleihe tauschen können. Hintergrund dieser Konstruktion: Bundesanleihen gehören zu den am stärksten gehandelten Wertpapieren der Welt. Wie liquide die Papiere sind, hängt auch vom ausstehenden Volumen ab.

Üblicherweise hat eine zehnjährige Bundesanleihe ein Volumen von rund 25 Milliarden Euro. Eine solche Summe kann die Finanzagentur jedoch nicht von Beginn an als Green Bond auflegen. Durch die Tausch-Option soll verhindert werden, dass die grüne Bundesanleihe – quasi als Kinderkrankheit – weniger liquide und damit weniger gefragt bei Investoren ist.

Tausch-Transaktionen mit Bundeswertpapieren seien bereits heute Alltag bei der Finanzagentur, so Diemer: „Diesen Alltag werden wir auf die grünen Wertpapiere anwenden.“ Damit tritt er der Sorge von Investoren entgegen, die Finanzagentur verkompliziere den Handel mit grünen Bundesanleihen unnötig – oder schließe gar einzelne Investorengruppen mit strikten Investment-Richtlinien aus.

Vielmehr sei die Zwillings-Konstruktion ein Vorteil, unterstreicht Diemer: „Die grünen Investoren können so von der enormen Liquidität der Bundeswertpapiere profitieren.“

Allerdings geht wegen des seit Jahren sinkenden Volumens an Neuemissionen des Bundes bei Investoren die Sorge um, dass sich die Handelbarkeit der Bundeswertpapiere verschlechtern könnte. Eine Sorge, die am Donnerstag neue Nahrung erhalten hat. Zwar steigen die Neuemissionen um 14 Milliarden auf 210 Milliarden Euro. Das ist der höchste Wert seit sieben Jahren.

Doch von den bei Investoren stark gefragten zwei- bis 30-jährigen Bundesanleihen kommen nur 148 Milliarden Euro auf den Markt – acht Milliarden weniger als im Vorjahr. Allerdings muss Deutschland 2020 auch Anleihen mit diesen Laufzeiten in vergleichbarem Umfang zurückzahlen.

Knappe Bundesanleihe

Unterm Strich wird es also keine oder sogar weniger Bundesanleihen auf dem Markt geben als noch 2019. Gleichzeitig kauft jedoch die Europäische Zentralbank (EZB) seit November wieder Staatsanleihen aus der Euro-Zone in Höhe von 20 Milliarden Euro monatlich – ein großer Teil des Geldes wird in deutsche Staatsanleihen fließen. Für private Investoren, etwa Versicherungen oder Fonds, werden die verfügbaren Papiere daher knapp.

Diemer versichert: „Die Aktivität von Käufern wie der EZB oder der Bundesbank führt zu einer Verteuerung von Bundeswertpapieren. Das hat aber keinen negativen Einfluss auf die Handelbarkeit.“

Dass der Anteil der frei verfügbaren Bundesanleihen dem IWF zufolge in den vergangenen zehn Jahren von über 60 auf unter 20 Prozent geschrumpft ist, führt aus Sicht von Diemer nicht zu einem Liquiditätsproblem. Denn die Bundesbank beispielsweise stelle dem Markt die von der Notenbank gehaltenen Papiere über Wertpapierleihen oder sogenannte Repo-Transaktionen zur Verfügung.   

Allerdings müssen sich Anleger darauf einstellen, dass das geringere Volumen der Bundesanleihen zusammen mit der stärkeren Nachfrage durch die EZB die Renditen weiter im Keller hält, sagt Felix Herrmann, Anleihestratege beim US-Vermögensverwalter Blackrock. „Der Abwärtsdruck auf das Zinsniveau ist nach wie vor enorm groß.“

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