Anleihen: Renditen langfristiger japanischer Staatsanleihen ziehen an
Tokio. Japans Anleihemarkt rückt wieder stärker in den Fokus internationaler Investoren. Nach Jahrzehnten der Null- und Negativzinspolitik haben die gestiegenen US-Zinsen auch die Renditen japanischer Staatsanleihen (JGBs) nach oben gezogen.
Die Bank of Japan (BoJ) verzichtete angesichts des internationalen Zollkonflikts vorerst auf eine weitere Leitzinserhöhung. Sie entschied am Dienstag, die kurzfristigen Zinssätze bei 0,5 Prozent zu belassen. „Derzeit herrscht äußerst große Unsicherheit über die Handelspolitik jedes einzelnen Landes“, sagte Zentralbankchef Kazuo Ueda. Daher bestehe ein größeres Abwärtsrisiko sowohl für die japanische Wirtschaft als auch für die Preise.
Gleichzeitig geraten die langfristigen JGBs immer stärker in den Blickpunkt – und damit erneut die Sorge vor einer Schuldenkrise. Im Mai stiegen die Renditen für 30- und 40-jährige japanische Staatsanleihen auf 3,1 beziehungsweise 3,6 Prozent. Das ist ein Zeichen für eine geringere Nachfrage und ein Niveau, das seit Jahrzehnten nicht mehr erreicht worden war. Es liegt etwa 20 Prozent über dem Stand von Anfang 2025. Die Volatilität, die durch Veränderungen in der US-Politik verursacht wurde, habe „Besorgnis über ungeordnete Marktbedingungen“ ausgelöst, erklärt Stefan Angrick, Volkswirt bei Moody’s Analytics in Tokio.