Devisen: Yen fällt zum Euro auf den tiefsten Stand seit 2008
Düsseldorf. Nach der historischen Zinsentscheidung der Bank of Japan (BoJ) am Dienstag hält der Abwärtsdruck beim Yen an. Die japanische Währung fiel am Mittwochvormittag gegenüber dem Euro auf den tiefsten Stand seit 2008. Ein Euro kostete bis zu 164,75 Yen.
Auch zum Dollar wertete die Devise weiter ab. Sie lag bei bis zu 151,82 Yen pro Dollar, der tiefste Stand seit vier Monaten. Die Marke von 150 Yen je Dollar gilt an den Devisenmärkten als wichtige Schwelle.
Die BoJ hatte zuvor die Ära der Minuszinsen endgültig beendet. Die Währungshüter hoben den Leitzins leicht an auf eine Spanne von null bis 0,1 Prozent und kappten auch die Obergrenze für die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen.
Steigende Zinsen wirken sich im Allgemeinen positiv auf die Währung einer Volkswirtschaft aus, weil mehr ausländisches Kapital in den Währungsraum fließt. Im konkreten Fall hingegen bewirken offenbar zwei Faktoren das Gegenteil.
- Zum einen ist die Zinserhöhung sehr gering ausgefallen. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, sprach von einem „symbolischen Schritt“ der Währungshüter. Aufgrund des zuletzt stark gestiegenen Preisdrucks war die Zinswende absehbar. Japan war die letzte große Wirtschaftsnation mit negativen Zinsen.
- Zum anderen ist unklar, ob und in welchem Umfang die Zinsen weiter steigen. Notenbankchef Kazuo Ueda hielt sich dazu sehr bedeckt – und die ausbleibenden Signale lasten auf dem Yen. Schließlich bleiben die Finanzierungsbedingungen in Japan trotz der leichten Zinserhöhung locker.
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Im Verhältnis zum Dollar ist das tiefste Niveau seit 1990 nicht mehr weit entfernt. An den Märkten wird bereits über eine neue Intervention der BoJ spekuliert, um den Yen zu stabilisieren. Eisuke Sakakibara, einst stellvertretender Finanzminister, erwartet Stützungskäufe der Notenbanken aber erst ab einem Niveau zwischen 155 und 160 Yen pro Dollar, wie er im Börsensender CNBC sagte.
Yen-Kaufinterventionen sind selten. Viel häufiger hat das Finanzministerium in der Vergangenheit den Yen verkauft, um zu verhindern, dass ein Anstieg der Währung der exportabhängigen Wirtschaft des Landes schadet und damit japanische Waren im Ausland weniger wettbewerbsfähig macht.
Sakakibara rechnet aber ohnehin damit, dass die BoJ die Zinsen weiter erhöhen wird – er erwartet, dass die Inflation hoch bleiben und die Notenbank zu diesem Schritt zwingen wird. Das würde den Yen stützen und eine Intervention überflüssig machen. Er prognostiziert, dass die heimische Währung am Ende des Jahres bei etwa 130 Yen pro Dollar notiert.
Der Yen könnte auch davon profitieren, dass die geldpolitische Ausgangslage in den USA sowie im Euro-Raum eine ganz andere ist. Dort wird bereits über den Zeitpunkt der ersten Zinssenkungen diskutiert. Das würde die Zinsdifferenz zur BoJ verringern – und das Wechselkursverhältnis zugunsten den Yen verbessern.