Gold kaufen: Was Sie beim Goldkauf unbedingt beachten sollten
Frankfurt. Wer Anfang des Jahres in Gold investiert hat, kann sich über rund 20 Prozent Rendite freuen. Besonders im März und April befand sich das Edelmetall im Rallymodus, knackte einen Rekord nach dem anderen. Am 17. Juli kostete Gold dann in der Spitze knapp 2484 US-Dollar pro Unze.
Gründe für das neuste Allzeithoch sind Hoffnungen auf Zinssenkungen der US-Notenbank Federal Reserve im September und geopolitische Unsicherheiten. Denn ein niedriges Zinsumfeld ist gut für den Goldpreis. Das Edelmetall wirft keine laufenden Erträge ab. Werfen also andere als sicher geltende Anlagen wie Tagesgeld oder Anleihen hohe Zinsen ab, verliert Gold im Vergleich dazu an Attraktivität.
Doch warum gilt Gold eigentlich als sichere Anlage – und welchen Anteil sollten Anleger im Depot haben? Welche Möglichkeiten gibt es überhaupt, um in Gold zu investieren? Die wichtigsten Fragen für Gold-Einsteiger.
Warum gilt Gold als Krisenwährung?
Der Angriff Russlands auf die Ukraine, der Krieg der Hamas gegen Israel, die Attacken der Huthi-Rebellen auf Containerschiffe und ein Handelskrieg zwischen China und dem Westen – geopolitische Risiken wie diese trugen dazu bei, dass der Goldpreis immer weiter stieg.
Laut dem Branchenverband World Gold Council sorgten im vergangenen Jahr geopolitische Risiken für etwa fünf Prozent der positiven Preisentwicklung. Und auch die vom Branchenverband London Bullion Market Association (LBMA) befragten Analysten identifizieren diese Konflikte als einen der wichtigsten Treiber des Goldpreises im vergangenen Halbjahr.
Allerdings hatten in der Vergangenheit geopolitische Schocks nur kurzfristige Auswirkungen auf Gold. So stieg das Edelmetall nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 innerhalb von fünf Handelstagen um 6,5 Prozent, wie die DWS Group in einer Analyse zeigt. Aktien verloren in demselben Zeitraum fünf Prozent. Allerdings habe Gold in den zwei Monaten nach den Anschlägen dann wieder fünf Prozent verloren, während der MSCI World-Index um 4,5 Prozent zulegte.
Dennoch: Das Gefühl von Unsicherheit, sei es geopolitisch oder wirtschaftlich, bleibt einer der Gründe, warum sich Anleger für Gold interessieren.
Gold gilt bis heute als Ersatzwährung. Denn bis 1971 war der US-Dollar an Gold gebunden. Dass der damalige US-Präsident Richard Nixon den Goldstandard aufhob, hing auch damit zusammen, dass die Staatsausgaben der USA, etwa für den Vietnamkrieg, weiter stiegen. Bis heute gibt es Kritiker dieser Entscheidung. Aus ihrer Sicht hat der Goldstandard verhindert, dass die Geldmenge übermäßig erhöht werden kann und es somit zu einer starken Inflation kommt.
Schließlich kann Gold nicht unbegrenzt vermehrt werden – es ist naturgemäß nur begrenzt vorhanden. Im vergangenen Jahr etwa stieg das Goldangebot laut dem Branchenverband World Gold Council (WGC) um drei Prozent.
Könnte Gold einmal wertlos werden?
Gold hat tatsächlich eher einen kulturell bedingten Wert. Anders als beispielsweise Kupfer oder Nickel ist es kein klassisches Industriemetall. Nur etwa sechs Prozent der Goldnachfrage entfiel im ersten Quartal dieses Jahres auf industrielle Anwendungen, vor allem im Bereich Technologie. Etwa die Hälfte des nachgefragten Goldes wird für Schmuck verwendet, den Rest kaufen Investoren und Zentralbanken.
Dass der Goldpreis einmal auf null fallen könnte, ist aufgrund der Historie des Edelmetalls als Zahlungsmittel und Schmuck dennoch unwahrscheinlich.
Welchen Anteil sollte Gold im Depot haben?
Gold hat eine recht geringe Korrelation mit dem Aktienmarkt. Das heißt: Wenn die Stimmung an den Märkten schlecht ist, federt ein Goldanteil im Portfolio die fallenden Aktienkurse ab.
Darüber, wie hoch der ideale Anteil von Gold im Portfolio sein soll, gibt es unterschiedliche Ansichten. Manche Experten empfehlen fünf Prozent, manche sogar 15 Prozent.
Den idealen Goldanteil berechnet haben die Reisebank und das CFin – Research Center for Financial Services der Steinbeis-Hochschule Berlin: Er lag demnach bei 7,66 Prozent Goldbeimischung in den vergangenen drei Jahrzehnten.
Wie viel Gold darf eine Privatperson kaufen?
Es gibt keine Beschränkungen: Jede Person darf so viel Gold kaufen, wie sie möchte.
Was ist beim Goldkauf zu beachten?
Wer langfristig in Gold investieren möchte, kann Goldbarren kaufen. Dabei sollten Anleger aber nur auf Händler vertrauen, die vom Branchenverband London Bullion Market Association (LBMA) zertifiziert sind. Denn erst dann können sie sichergehen, dass die Goldbarren international handelbar sind und bei der Herstellung internationale Standards eingehalten wurden.
Wo können Privatpersonen Gold kaufen?
Bei Goldkäufen geht der Kunde in der Regel in Vorkasse, daher tummeln sich auf dem Goldmarkt auch einige Betrüger. Auf Nummer sicher gehen Kunden in der Regel bei ihrer Hausbank oder wenn sie zu einem bekannten Händler gehen, etwa Pro Aurum, Degussa, Ophirum, Solit oder Philoro. Wer zu einer Händlerfiliale geht, kann zusätzlich sichergehen, dass das Gold auch wirklich existiert.
Der Nachteil von Barren: Je kleiner sie sind, umso höher sind die Aufgelder, also die Spannen zwischen dem aktuellen Spotpreis von Gold und dem Verkaufspreis. In das Aufgeld fließen unter anderem die Produktionskosten, die Lieferkosten sowie die Lagerkosten ein.
Manche Anleger setzen statt Barren lieber auf Goldmünzen, möglicherweise auch aus ästhetischen Gründen. Es gibt Münzen, die als Sammlerobjekte gelten und klassische Goldmünzen wie den Krügerrand oder den Maple Leaf. Diese sind für den normalen Anleger besser geeignet als Sammlermünzen, da sie den Goldpreis direkt abbilden und sich leicht veräußern lassen.
Kann ich in Gold investieren, ohne Barren zu kaufen?
Die sichere Verwahrung von physischem Gold, etwa in einem Bankschließfach, ist mit zusätzlichen Kosten verbunden. Deshalb ziehen einige Anleger Gold-Investments über sogenannte ETCs (Exchange-traded Commodity) vor.
Vorsicht: ETCs sind keine ETFs, sondern eine Sonderform von Zertifikaten. Über Zertifikate kann ein Anleger an der Kursentwicklung von Finanzinstrumenten wie Anleihen oder Aktien teilhaben.
Das funktioniert so: Ein Anleger bekommt von einem Kreditinstitut eine Forderung gegen das Institut bescheinigt. Diese Forderung ist so hoch wie die Vermögenswerte, die in dem Zertifikat verbrieft sind (man nennt sie Basiswerte). Je nachdem, wie sich die Vermögenswerte entwickeln, kann die Rückzahlung dieser Forderung höher oder niedriger als das eingesetzte Kapital ausfallen. Geht hingegen derjenige, der das Zertifikat ausgibt, selbst pleite, also das Kreditinstitut, kann der Anleger auch sein gesamtes Investment verlieren.
Im Fall von ETCs wird dieses Risiko dadurch minimiert, dass sie in der Regel zugleich physisch mit den Basiswerten besichert werden. Geht der Emittent insolvent, hat der Anleger also Anspruch auf die hinterlegte Sicherheit. Im Fall von Gold-ETCs sind das in der Regel Goldbarren, die im Tresor eines Treuhänders gelagert wurden.
Wann sollten Anleger Gold kaufen?
Wer in Gold investiert, hat in der Regel einen langfristigen Anlagehorizont und sollte von Impulskäufen und -verkäufen absehen. Trotzdem können Anleger Rücksetzer am Markt für sich nutzen. Aktuell empfehlen beispielsweise die Experten der UBS, das Edelmetall bei Rückgängen im Bereich von 2250 bis 2300 US-Dollar pro Unze zu kaufen.
Wer sich nicht um ideale Einstiegszeitpunkte sorgen möchte, kann auch auf Goldsparpläne setzen. Dabei tätigen Anleger jeden Monat für einen festgelegten Betrag kleinere Goldinvestments. Dieser Betrag kann theoretisch auch lediglich bei zehn Euro liegen. Deshalb eignen sich Goldsparpläne auch für Anleger, die keine großen Summen investieren können.
Das Gold wird in der Regel vom Anbieter des Sparplans in einem Tresor verwahrt. Anleger sollten dabei darauf achten, dass es sich bei dem Gold um Sondervermögen handelt, sodass es im Fall einer Pleite des Anbieters nicht zur Insolvenzmasse gehört.
Dieser Artikel erschien bereits am 23.07.2024. Der Artikel wurde am 31.07.2024 erneut geprüft und mit leichten Anpassungen aktualisiert.