Kryptowährungen: Bitcoin fällt erneut – jetzt droht der lange „Krypto-Winter“
Der Kursverfall geht weiter.
Foto: BloombergDüsseldorf. Schlechte Nachrichten für Bitcoin-Investoren: Sah es am Montag so aus, als könnte der jüngste Kurssturz zu einem Ende kommen, geht es auch am Dienstag für die wichtigste Kryptowährung wieder abwärts. Am Nachmittag kostete ein Bitcoin laut Daten des Analysehauses Coinmarketcap 3720 US-Dollar und damit rund fünf Prozent weniger als am Vortag.
Krypto-Analyst Timo Enden von Emden Research urteilt: „Anleger spüren die Risiken und Nebenwirkungen von Cyber-Devisen wie nie zuvor und Aussicht auf Genesung scheint nicht in Sicht.“ Sollte nicht schleunigst ein nachhaltiger Sprung oberhalb der Marke von 4.000 Dollar gelingen, drohe Ungemach und somit ein weiterer Tiefpunkt.
Konkrete neue Gründe für den Kursverfall am Dienstag gibt es nicht. Vielmehr bleiben die bestehenden Probleme virulent:
- Die Aufspaltung der Schwesterwährung Bitcoin Cash ist gescheitert. Im Streit um die Weiterentwicklung hatte sich die Gemeinschaft entzweit. Die darauf folgende „hard fork“, also die Aufteilung in zwei konkurrierende Coins, endete im Desaster. Hatte Bitcoin Cash auf dem Höchststand bei etwa 4.000 Dollar notiert, ging es am Dienstag erneut rund acht Prozent abwärts auf nur noch 176 Dollar.
- Schlechte Nachrichten herrschen vor allem beim Thema staatliche Aufsicht vor. Einer am Dienstag veröffentlichen Untersuchung der Landesbank Baden-Württemberg zufolge liegen 88 Prozent aller im Rahmen von virtuellen Börsengängen (ICOs) 2017 emittierten Token unter dem Ausgabepreis. Und bei gescheiterten Projekten wie Envion könnten Investoren sogar vor dem Totalverlust stehen.
Damit der Kursverfall seinen Boden erreicht und es zu einer kräftigen Gegenbewegung kommt, sind dringend positive Nachrichten nötig. Die ersten Silberstreifen am Horizont werden in der Kryptoszene lebhaft diskutiert, auch wenn ihre reale Bedeutung umstritten ist:
- Die US-Technologie-Börse Nasdaq will trotz der jüngsten Kurseinbrüche an den Plänen für einen Bitcoin-Future festhalten. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Kontrakte sollen im ersten Quartal 2019 starten. Viele Anleger sehnen sich freilich nicht nach einem neuen Terminkontrakt, sondern nach einem börsengehandelten Fonds (ETF), dessen Zulassung die US-Aufsicht SEC im November erneut verweigert hat. Bitcoin-Futures gibt es bereits seit 2017 an den Börsen in Chicago, die Nachfrage ist auf niedrigem Niveau stabil.
- Bei Google wird inzwischen wieder häufiger nach „Bitcoin“ gesucht, wie aus der Statistik der weltgrößten Suchmaschine hervorgeht. In der Vergangenheit stieg der Kurs regelmäßig mit der Suchhäufigkeit bei Google an. Die aktuellen Zahlen könnten freilich auch für ein erhöhtes Interesse am Absturz der Währung sprechen, quasi für negativen Voyeurismus.
- Marginale Fortschritte gibt es bei der staatlichen Anerkennung von Kryptowährungen wie Bitcoin. So können Bürger im US-Bundesstaat Ohio Berichten zufolge ihre Steuerforderung bald in Bitcoin begleichen. Auswirkungen auf den Weltmarkt dürfte das jedoch kaum haben.
Wie erklärt sich angesichts dieser Ausgangslage der heftige Abwärtstrend des Bitcoin-Kurses in den vergangenen Tagen? Externe Nachrichten spielen offenbar nur eine untergeordnete Rolle. Umso wichtiger scheint der Einfluss der Anlegerpsychologie zu sein.