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RohstoffWarum der Eisenerzpreis trotz Baukrise in China stabil bleibt

Der Preis des Rohstoffs ist normalerweise stark abhängig vom Immobilienmarkt. Zumindest kurzfristig stabilisieren nun aber andere Industrien den Preis. 29.08.2023 - 16:37 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Eisenerzpreis ist stark abhängig von China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Foto: Reuters

Düsseldorf. Sorgen um Chinas Immobilienmarkt haben im August die Aktienkurse an den Festlandsbörsen in Schanghai und Shenzhen auf Talfahrt geschickt. Doch ein Rohstoff, der von der Krise der Baubranche ebenfalls betroffen sein sollte, zeigt sich überraschend stabil: Eisenerz, das insbesondere zur Herstellung von Stahl gebraucht wird.

Während der chinesische Aktienindex CSI 300, der die Kursentwicklung an den beiden größten Börsen in Schanghai und Shenzhen abbildet, im August um bis zu acht Prozent nachgab, hat sich der Preis für das Industriemetall über der Schlüsselmarke von 100 Dollar gehalten, zeitweise stieg er sogar bis auf 114 Dollar.

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zwar macht die Baubranche normalerweise 40 Prozent der weltweiten Eisenerznachfrage aus und tatsächlich sieht es in diesem Sektor in China aktuell nicht gut aus – die Immobilieninvestitionen fielen seit Jahresbeginn laut Daten des Finanzdienstes Bloomberg um 7,1 Prozent –, das wird aber durch Investitionen in anderen Bereichen der chinesischen Wirtschaft und branchenspezifische Faktoren kompensiert.

Der stabile Preis ist so unter anderem ein Nebeneffekt der gesteigerten Investitionen der chinesischen Zentralregierung in die Bahn (plus 25 Prozent im Jahresvergleich).

Auch andere Industrien, die Stahl benötigen, produzieren mehr. Die chinesische Maschinenbauproduktion stieg in den vergangenen sieben Monaten um 15 Prozent und die Automobilproduktion um zwölf Prozent.

Die BHP Group, der zweitgrößte Eisenerzproduzent der Welt, sieht laut Bloomberg eine solide Nachfrage aus den Bereichen Infrastruktur, Energiemaschinen, Autos und Schifffahrt. Das Beratungsunternehmen Kallanish Commodities ergänzt diese Liste um „weiße Ware“ – eine Kategorie, die Produkte wie Kühlschränke und Waschmaschinen umfasst.

Höhere Exporte und Produktion auf Sicht

Dazu kommen veränderte Produktionsbedingungen: Es wird weniger Stahl durch Elektrolichtbogenöfen produziert, bei denen Schrott zur Stahlproduktion genutzt wird. Dagegen hat die durchschnittliche Tagesproduktion von geschmolzenem Eisen aus Hochöfen laut dem Analysehaus Mysteel Global den höchsten Stand seit 2020 erreicht.

Außerdem kaufen Stahlhersteller und Händler aktuell Eisenerz, weil sie mehr Bautätigkeiten nach dem Sommer erwarten. Und die Hüttenwerke könnten ihre Produktion jetzt erhöhen, um sich vor möglichen staatlich verordneten Produktionsdrosselungen im weiteren Verlauf des Jahres zu schützen.

Xu Xiangchun, Analyst bei Mysteel, sieht gerade in der Nachfrage durch die Hüttenwerke einen Grund für den stabilen Preis. „Die Eisenerzpreise sind etwas von den wirtschaftlichen Fundamentaldaten abgewichen, was größtenteils auf einen Mangel an Selbstdisziplin bei den Hüttenwerken zurückzuführen ist“, sagte Xu gegenüber Bloomberg.

Dabei wirke Chinas wirtschaftliche Entwicklung „nicht sehr vielversprechend“, so Xu weiter. Für den Rest des Jahres werde es für den Eisenerzpreis daher wahrscheinlich entscheidend sein, ob China weitere Turbulenzen im Immobiliensektor vermeiden könne.

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Tomas Gutierrez, Analyst bei Kallanish Commodities, ist daher bei seinem Ausblick für den Eisenerzpreis vorsichtig. Denn es wirke aktuell nicht so, als wolle China einen neuen Boom am Immobilienmarkt entfachen: „Kurzfristig sieht es deshalb so aus, als gäbe es einen ziemlich soliden Boden für Eisenerz bei 100 Dollar, aber längerfristig sind die Aussichten schwächer.“

maoc, Bloo
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