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RohstoffeOpec überrascht mit höherer Förderkürzung als erwartet – Ölpreis steigt sprunghaft

Überraschung in Wien: Das Ölkartell ringt sich zu deutlichen Förderkürzungen durch. Besonders Saudi-Arabien plant tiefe Einschnitte. Der Ölpreis legt kräftig zu.Jakob Blume und Hans-Peter Siebenhaar 07.12.2019 - 04:06 Uhr aktualisiert

„Ja, wir haben eine Vereinbarung“, sagte der iranische Ölminister Bidschan Namdar Sanganeh nach den Verhandlungen in Wien.

Foto: AP

Wien, Frankfurt. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und Russland haben sich überraschend auf deutliche Einschnitte bei der Ölproduktion geeinigt. Das geht aus einer am Freitag veröffentlichten gemeinsamen Presseerklärung der sogenannten Opec+-Allianz hervor.

Demnach wollen die 24 Staaten um Saudi-Arabien und Russland 500.000 Barrel täglich (ein Barrel sind rund 159 Liter) zusätzlich vom Markt nehmen. Darüber hinaus will Saudi-Arabien seine Produktion um weitere 400.000 Fass freiwillig kappen, wie Energieminister Prinz Abdul Aziz Bin Salman ankündigte. Damit hat sich die Förderallianz zu einer Kürzung der täglichen Ölproduktion von 2,1 Millionen Barrel durchgerungen. Die Ölpreise stiegen als Reaktion zwischenzeitlich um rund zwei Prozent an. Die Nordseesorte Brent kostete am Freitagnachmittag fast 65 Dollar pro Barrel, die US-Sorte WTI näherte sich der Marke von 60 Dollar pro Fass.

Zuletzt hatte die Opec ihre Förderkürzung von 1,2 Millionen Barrel pro Tag im Juli bestätigt. Nun wird dieser Deal um weitere 900.000 Barrel erweitert. Im Vorfeld des Opec-Treffens hatten nur wenige Experten neue Produktionskürzungen erwartet.

Konkret funktioniert der Opec-Deal so: Jedes Mitglied der Förderallianz erhält Maximalmengen, das es täglich produzieren darf. Saudi-Arabien etwa darf im Rahmen des Opec-Abkommens 10,3 Millionen Barrel täglich fördern. Die gesamte Kapazität des Landes schätzen Experten auf rund zwölf Millionen Barrel täglich.

Besonders Saudi-Arabien will damit seinem Ruf als „Zentralbank des Ölmarkts“ gerecht werden. Ölminister Bin Salman sagte nach dem Opec+-Treffen am Freitagnachmittag: „Wir fahren unsere Produktion freiwillig zurück.“ Wenn der Markt nach einer Stabilisierung verlange, könne das Königreich dazu beitragen.

Gleichzeitig appellierte er an die Disziplin des Bündnisses aus Opec-Mitgliedern und Nicht-Opec-Ländern unter Führung Russlands: „Wir wollen mit unserer freiwilligen Kürzung der Förderung dazu beitragen, dass die anderen ihre Versprechen erfüllen.“

Mangel an Disziplin

Die Kürzung von 500.000 Barrel pro Tag gilt ab sofort und gilt bis März 2020. In drei Monaten soll eine außerordentliche Konferenz der Opec+ stattfinden. „Wir alle stimmen darin überein, ein außerordentliches Treffen der Opec+ zu veranstalten“, so Bin Salman. Sein irakischer Amtskollege Abbas Al Ghadhban ergänzte: „Wir schauen uns nach einem Vierteljahr die Marktreaktion an. Danach treffen wir weitere Entscheidungen über eine weitere Kürzung.“

Bin Salman hält eine Förderkürzung auch nach März für möglich. Eine Aufhebung der Öl-Förderkürzungen komme erst dann in Frage, wenn die weltweiten Bestände in den Rohöllagern sänken und die Preise den enger werdenden Markt widerspiegelten, sagte Bin Salman der Nachrichtenagentur Reuters. Er erwarte, dass die OPEC+-Produzenten die Zusammenarbeit auch über den März hinaus fortsetzten.

Den Saudis geht es vor allem um stabile Preise. Nach dem Börsengang ihres Ölkonzerns Saudi Aramco am Donnerstag will das Opec-Schwergewicht einen Preisverfall unbedingt verhindern. Nach Meinung von Marktbeobachtern in Wien ist das der Grund für die unerwartet große Kürzung, zu der Saudi-Arabien ab sofort beiträgt. „Ich rede nicht über Preise, sondern über die Stabilisierung des Marktes“, so Bin Salman. Der Ölminister feierte nach der Opec+-Konferenz den Börsengang des weltgrößten Ölkonzerns. Es sei einer der größten Tage in seiner Karriere, beteuerte der saudische Prinz.

Helima Croft, Ölexpertin von RBC Capital Market, lobte die Entscheidung der Opec+. „Diese Entscheidung stellt die Glaubwürdigkeit wieder her“, sagte die New Yorker Marktexpertin. Sie stellte die Zusicherung von Irak und Nigeria heraus, die in der Vergangenheit entgegen der Opec+-Vereinbarung zu viel Öl gefördert hatten. Auch der Plan, Anfang März ein außerordentliches Treffen zu machen, leuchtet Croft ein: „Das Treffen ist gut, um zu schauen, welches makroökonomische Bild sich darstellt.“

Prinz Abdul Aziz Bin Salman gab sich überzeugt, dass die Opec+ künftig noch enger zusammenarbeiten wird. „Es gibt einen tiefen Glauben, dass diese Kooperation vertieft wird“, sagte der saudische Ölminister. Die Förderkürzung ist nach seinem Verständnis auch eine konstruktive Entwicklung für die amerikanischen Schieferölproduzenten. „Es ist auch ein guter Freitag für unserer Freunde in Oklahoma oder andere amerikanische Bundesstaaten.“ Sein russischer Amtskollege Alexander Nowak merkte trocken an: „Wir haben einen Rückgang von Schieferöl gesehen.“

Sowohl der Irak als auch Nigeria stellte sich öffentlich hinter die erzielte Förderkürzung. Beide Länder hatte zuletzt die Produktionsverringerung nicht respektiert. „Wir hatten Problemen in den vergangenen Monaten. Das war ein internes Problem“, sagte irakische Ölminister Tamir Abbas Al Ghadhban.

Neue Opec-Anwärter

Die Produktion sei nicht unter der Kontrolle der Regierung in Bagdad gewesen. „Wir sind nun in einer Verfassung, um die Kürzung von 50.000 Barrel pro Tag umzusetzen“, versprach der irakische Ölminister. „Es gibt eine hundertprozentige Übereinstimmung.“ Auch sein nigerianischer Amtskollege Timipre Marlin Sylva versprach für die Zukunft: „Wir werden unsere Verpflichtungen erfüllen.“

Erstmals nahmen an dem Treffen in Wien auch Südafrika und Brasilien als Beobachter teil. Insbesondere Brasilien wäre für die Opec ein hochwillkommenes Mitglied. Möglicherweise wächst die Bedeutung der Opec aber bereits kurzfristig.

Denn Brasilien fördert derzeit rund drei Millionen Barrel pro Tag. Damit bewegt sich das größte lateinamerikanische Land bei der Ölförderung auf dem Niveau des Opec-Mitglieds Vereinigte Arabische Emirate.

Quevedo Fernandez kritisierte am Freitag indirekt die USA wegen ihres Boykotts der Ölförderung Venezuelas. Der Ölminister der sozialistischen Regierung in Caracas bezeichnete das Embargo der Amerikaner als „feindlichen Akt“ sowie als „ungerecht und illegal“.

Der Ölpreis ist seit Beginn des Jahres leicht gestiegen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am Freitag mehr als 63 Dollar - im Vergleich zu rund 57 Dollar Anfang Januar. Insgesamt werden laut Opec weltweit 99,3 Millionen Barrel Öl am Tag produziert.

Vor allem Saudi-Arabien war zuletzt an einem höheren Ölpreis interessiert, da der Staatshaushalt des Landes stark von den Einnahmen durch den Rohstoff abhängt. Außerdem hat bei den Gesprächen in der Opec-Zentrale in Wien höchstwahrscheinlich auch der anstehende Börsengang des Ölriesen Saudi Aramco eine Rolle gespielt. Ein hoher, beziehungsweise steigender Ölpreis dürfte beim Börsengang von Vorteil sein.

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