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Welche Währung, welche Börse?So klappt der Einstieg beim Bitcoin

Spekulanten jubeln: Gerade hatte die Digitalwährung Bitcoin die 2.000-Dollar-Marke geknackt, schon kratzt sie an den 3.000 Dollar. Anleger fragen: Lohnt sich ein Einstieg – und wie funktioniert's? Die wichtigsten Fakten.Felix Holtermann 08.06.2017 - 12:04 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Hedgefonds-Manager können sowohl von Kurszuwächsen der Kryptowährung als auch vom Preisverfall profitieren.

Foto: Reuters

Düsseldorf. Es ist verrückt. Vor zweieinhalb Wochen hat der Bitcoin-Kurs die Marke von 2.000 Dollar übersprungen. Doch das war erst der Anfang: Am Dienstag ist der Wert einer Einheit der Digitalwährung auf einen Rekordstand von über 2.870 Dollar gestiegen, am Mittwoch notierte er auf mehreren großen Plattformen schon über 2.900 Dollar. Anleger haben so in kürzester Zeit einen Gewinn von 30 Prozent gemacht, und die Kursrallye könnte weitergehen.

Als Grund für die Rekordstände verweisen Händler darauf, dass China einen Abhebungsstopp an drei großen Bitcoin-Börsen beendet hat. Im Februar mussten die Handelsplätze Abhebungen aussetzen, chinesische Behörden hatten sich besorgt geäußert über mögliche Kapitalabflüsse und Geldwäsche. China beschränkt den Kapitalverkehr, daher nutzen viele Chinesen Bitcoins als freie Alternative. Der stark wachsende Bitcoin-Handel in Fernost gilt schon länger als Kurstreiber: Während die digitale Währung Ende 2010 nur rund 0,30 Dollar kostete, lag ihr Wert Ende 2016 schon bei knapp 1.000 Dollar.

Die Währung findet immer mehr Anhänger. Die einen reizt die Idee eines Geldsystems, das unabhängig von Staaten und Banken funktioniert, Transaktionen beschleunigt und Kosten minimiert. Viele Privatanleger dürfte jedoch eher die Aussicht auf hohe Spekulationsgewinne reizen. Investoren muss dabei klar sein: Hinter einem Bitcoin steht – im Gegensatz zu einer Aktie oder einer Goldmünze – kein realer Wert, auch garantiert keine Notenbank die Stabilität der Währung. Im schlimmsten Fall drohen Verluste bis hin zum Totalverlust des Einsatzes. So muss es jedoch nicht kommen.

Banken zittern, Spekulanten jubeln: Aber was steckt wirklich hinter Bitcoin, Ethereum und Co.? In einer Serie behandeln wir die Welt der Digitalwährungen. Alle Teile finden Sie hier.

Foto: Handelsblatt

Sollten sich digitale Währungen weiter verbreiten, dann könnten ihre Kurse schnell weiter steigen. Aktuell berät etwa die US-Börsenaufsicht SEC erneut über die Zulassung des ersten auf Bitcoin basierenden Indexfonds. Japan hat die Währung zum offiziellen Zahlungsmittel erklärt, das in Asien von immer mehr Firmen akzeptiert wird. Und vergangene Woche hat sogar der russische Präsident Wladimir Putin seine Unterstützung für die Digitalwährung Ethereum geäußert, deren Beliebtheit rasant wächst.

Putin hatte ihren Schöpfer Vitalik Buterin, einen 23-jährigen russischen Programmierer, am Rand des St. Petersburger Wirtschaftsforums getroffen. Dort verkündete er, die Währung könne dabei helfen, die russische Wirtschaft über Öl und Gas hinaus zu diversifizieren. Putin wörtlich: „Die digitale Wirtschaft ist keine separate Industrie, tatsächlich ist sie die Basis für ganz neue Geschäftsmodelle.“ Ethereum setzt wie Bitcoin auf die sogenannte Blockchain-Technik, die alle Transaktionen vielfach und dezentral (und damit dauerhaft nachvollziehbar) speichert. So braucht es für Währungstransaktionen keine Banken mehr, für Immobiliengeschäfte womöglich keine Notare. Die Rolle der Zwischeninstanz übernimmt das System.

Die wichtigsten Antworten zum Bitcoin
Bitcoins sind eine digitale Währung, deren Idee 2008 vorgestellt wurde. Die Bitcoins werden in komplizierten Rechenprozessen erzeugt, das kostet viel Zeit und Rechenleistung, wodurch eine Inflation verhindert werden soll. Auf Plattformen im Internet werden die Bitcoins gegen klassische Währungen gehandelt. Damit soll ein Geldsystem ermöglicht werden, das unabhängig von Staaten und Banken funktioniert sowie Transaktionen beschleunigt und Kosten minimiert.
Pro Tag werden der Bundesbank zufolge auf der ganzen Welt 350.000 Transaktionen mit dem digitalen Tauschmittel getätigt, verglichen mit 77 Millionen Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen allein in Deutschland. Vor allem die Bitcoins haben sich über die USA hinaus zu beliebten Spekulationsobjekten mit starken Kursschwankungen entwickelt, außerdem zu einer Art Alternativwährung in Ländern mit Kapitalverkehrskontrollen. So ballt sich ein Großteil des Handels in China.
Durch Bitcoins sollen die Gebühren von Finanztransaktionen radikal absinken: Während man für eine Auslandsüberweisung über ein traditionelles Kreditinstitut schnell einen zweistelligen Euro-Betrag zahlt, ist die Gebühr für eine Bitcoin-Transaktion gering, liegt teilweise im Cent-Bereich. Zudem dauert die Transaktion meist nur Minuten, ganz egal wie groß die geografische Distanz zweier Konten zueinander ist.
Die Digitalwährung wird „peer-to-peer“ gehandelt, also direkt zwischen Nutzern ohne die Hilfe von Banken. Möglich macht dies die Nutzung der Blockchain-Technik: Innerhalb des Systems werden alle Transaktionen vielfach und dezentral (und damit dauerhaft nachvollziehbar) gespeichert. Dies könnte nicht nur Währungstransaktionen ohne Zwischeninstanz ermöglichen, sondern zum Beispiel auch Immobiliengeschäfte – die Rolle des Notars übernimmt dann das Blockchain-System. Ihr Konzept hat der bis heute unbekannte Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto in seinem berühmten „White Paper“, dem Gründungsdokument der Community, 2008 beschrieben. Bitcoins funktionieren außerdem „permissionless“, können also ohne Erlaubnis durch eine technische Aufsichtsbehörde benutzt werden. Die Internetwährung ist zudem „trustless“: Anleger müssen keiner externen Partei vertrauen, etwa auf die Autorität staatlicher Aufsichtsbehörden oder Zentralbanken, um Bitcoins nutzen zu können.
Hauptproblem für die Nutzer dürfte die starke Volatilität sein: Tatsächlich gab es seit 2014 mehrere markante Einbrüche. Im Januar war der Kurs noch unter die Marke von 800 Dollar gerutscht, auch im März hatte es einen größeren Rückschlag gegeben. Wie volatil der Kurs auf lange Sicht ist, zeigt ein Blick auf den Wertverlauf: Nach einem ersten Höchststand bei über 1.200 Dollar Ende 2013 ging es für Bitcoin-Besitzer vor allem bergab. Erst seit Ende 2015 steigt der Kurs tendenziell wieder, weist aber hohe Ausschläge nach oben und unten auf. Ein weiteres Problem: Bitcoins sehen sich harscher Kritik der Aufsichtsbehörden ausgesetzt. Kritiker monieren, dass die Digitalwährung wegen der schwer nachvollziehbaren Zahlungswege auch für kriminelle Zwecke verwendet werden kann. Die Bundesbank hatte unlängst Sparer vor Geldanlagen in der Digitalwährung gewarnt. Der Bitcoin sei „ein Spekulationsobjekt“, dessen Wert sich rapide verändere, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele. „Aus unserer Sicht ist der Bitcoin kein geeignetes Medium, um Werte aufzubewahren.“
Absolute Sicherheit gibt es nicht, wie die Angreifbarkeit digitaler Währungen zeigt. So gab es in der Vergangenheit zahlreiche Hackerangriffe auf große Krypto-Tauschbörsen wie MtGox oder BitFinex, bei denen Nutzer Geld verloren haben. Und innerhalb der Bitcoin-Gemeinde schwelt ein Streit über die Herstellungsrechte. Auf unbedarfte Benutzer, auf die die eingeschworene Bitcoin-Gemeinschaft eher abschätzig herabblickt, lauert eine weitere Gefahr: Digitalwährungen, die sich zwar begrifflich an die Bitcoin-Währung anlehnen, hinter denen aber ein betrügerisches System steckt. Der bekannteste Fall ist der der sogenannten Onecoins. Onecoins waren nur über eine zentrale Plattform zu erwerben und auf zentralen Servern gespeichert, Nutzer somit voll dem Betreiber ausgeliefert – für die Bitcoin-Gemeinde, die sich in Online-Foren wie Reddit austauscht, klare Anzeichen für ein Betrugssystem. Inzwischen ermitteln die Behörden.

Derlei Visionen sind Musik in den Ohren der Fans, klingende Münze in denen der Anleger. Schon mit kleinen Beträgen können Privatleute beim Hype um die Digitalwährungen mitmachen, am besten mit einer Summe, die im Notfall auch weg sein kann, ohne dass der Verlust allzu sehr schmerzt. Doch wie anfangen, und womit? Schon eine einfache Google-Suche spuckt unzählige Ergebnisse zum Thema Digitalwährung aus. Die meisten Einsteiger dürften zwei Fragen umtreiben:

  • In welche Digitalwährung soll ich investieren?
  • Und bei welcher Börse kann ich einsteigen?

Dass der Start ins Bitcoin-Zeitalter komplexer ist als gedacht, hat zuletzt Handelsblatt-Redakteurin Astrid Dörner im Selbstversuch erfahren. Die folgende Übersicht für Einsteiger kann einen ersten Einblick geben.

Was für das Bargeld spricht
...ermöglicht es den Bürgern, auch den gesetzestreuen, einen Rest Privatsphäre zu bewahren, der nicht der vollständigen Überwachung oder Überwachbarkeit unterliegt.
...ist der wichtigste Grund, warum die Notenbanken mit ihren Leitzinsen nicht beliebig weit in den negativen Bereich gehen können. Wer die jetzigen Niedrigzinsen der Notenbanken schon als gefährlich oder als eine Form der kalten Enteignung ansieht, wird froh sein, dass das Vorhandensein von Bargeld eine Zinsuntergrenze setzt.
....als Zahlungsmittel, also die Kosten bei allen Beteiligten zusammengerechnet, sind nach einer Untersuchung der Europäischen Zentralbank in den meisten Ländern niedriger als die unbarer Bezahlformen.
...den Bargeld genießt, weil die Notenbank, die es emittiert, nicht Pleite gehen kann, hebt es vom Buchgeld der Geschäftsbanken ab. Wenn eine Geschäftsbank  insolvent wird, können Buchgeld-Guthaben verloren gehen, oder sie werden, wie im Fall Zypern geschehen, im Zuge der Rettung der Banken zusammengestrichen.

Für neugierige Privatanleger stellt sich eine Frage gleich zu Beginn: In welche Digitalwährung soll ich eigentlich investieren? Schon heute gibt es rund 700 sogenannte Kryptowährungen. Alle basieren auf der Blockchain-Technologie und ähneln mehr oder weniger dem Vorbild Bitcoin. Insbesondere der Mechanismus des „Minings“, der Herstellung der Digitalwährungen, unterscheidet sich deutlich. Bitcoins konnten Privatleute ursprünglich auf dem heimischen Rechner herstellen. Das geht heute praktisch nicht mehr, die nötigen Rechenaufgaben sind zu komplex geworden und können nur noch von professionellen „Minern“ gelöst werden, etwa großen Rechnernetzwerken in China. Bei jüngeren Digitalwährungen ist das anders, sie können teilweise noch selbst hergestellt werden.

Eine gute Übersicht über die wichtigsten Digitalwährungen bietet die Seite Coinmarketcap. Sie zeigt die hohe Volatilität, aber auch den generellen Trend nach oben. So überstieg laut Coinmarketcap der Gesamtwert aller gehandelten Digitalwährungen am Dienstag die Marke von 100 Milliarden Dollar – er verdoppelte sich damit binnen Monatsfrist. Platzhirsch ist nach wie vor der Bitcoin mit einem Marktwert von rund 46 Milliarden Dollar. Doch eine Währung ist ihm dicht auf den Fersen.

Ethereum mit einem Marktwert von rund 24 Milliarden Dollar greift nach der Vorherrschaft. Anleger haben hier zuletzt kräftig Kasse gemacht. Wer im Januar für 100 Dollar Ethers (wie die digitalen Münzen heißen) gekauft hat, hat inzwischen 2.300 Dollar auf dem Konto. Manche Beobachter rechnen damit, dass Ethereum Bitcoin noch in diesem Jahr überholen könnte. Schon allein, dass der Ethereum-Erfinder Vitalik Buterin kein Geheimnis aus sich macht wie der anonyme Bitcoin-Schöpfer (der sich Satoshi Nakamoto nennt), könnte der Währung zum Durchbruch verhelfen.

Was gegen Bargeld spricht
...des Bargeldes ermöglicht es, ohne elektronische Spuren kriminelle Geschäfte abzuwickeln oder Steuern zu hinterziehen.
...des Bargelds ist der wichtigste Grund, warum die Notenbanken mit ihren Leitzinsen nicht beliebig weit in den negativen Bereich gehen können. Das sehen einige Ökonomen kritisch, da es die Möglichkeiten der Geldpolitik beschränkt. Schon bei einem Zins von minus 0,75 Prozent soll es billiger sein, Bargeld vollversichert im Tresor lagern zu lassen, anstatt es als Bankguthaben vorzuhalten.
...von Barzahlungen können für manche Empfänger deutlich höher sein als alternative Bezahlformen.

Christoph Bergmann, einer der profiliertesten Kenner der Szene, schreibt in seinem Bitcoinblog: „Während die Bitcoin-Entwickler vor allem durch Zaudern und Schrecken vor dem eigenen Erfolg auffallen – man könnte manchmal meinen, sie wünschen sich in eine Zeit zurück, als noch kaum jemand Bitcoin benutzt hat – sind die Ethereum-Entwickler hungrig nach Erfolg“. Bitcoin hätte „noch immer mit dem Ruf als Währung der zwielichtigen Gesellen, der Hacker und Drogendealer, zu kämpfen“. Für viele Banken und Finanzinvestoren ist die Währung ein rotes Tuch; Ethereum könnte zur „weißen“, unbefleckten Alternative werden.

Allerdings befindet sich Ethereum noch in einem früheren Entwicklungsstadium. Die sogenannte Difficulty-Bombe beginnt gerade erst zu wirken. Für Miner wird es nun immer schwieriger, neue Währungsblöcke herzustellen. Das ist beabsichtigt: Je mehr Rechenkraft in das Netzwerk gepumpt wird, desto schwieriger werden die kryptographischen Rätsel, die die „Miner“ zu lösen haben. So wird Inflation verhindert. Bei Ethereum scheint das Gleichgewicht jedoch langsam ins Wanken zu geraten: Die Produktion verlangsamt sich, es droht eine Währungsverknappung. Die Entwickler wollen so die Nutzer dazu zwingen können, Reformen mitzutragen. Das scheint besser zu funktionieren als bei den Bitcoins, dessen Gemeinde seit rund zwei Jahren über Änderungen am Programmcode streitet.

Die Deflation macht Ethereum reizvoll für Spekulanten. Aber auch für einen weiteren Siegeszug des Bitcoins spricht viel. Inzwischen gibt es Bitcoin-Geldautomaten, -börsen für Smartphones, professionelle Tauschhändler und sogar erste Geschäfte, die die Währung akzeptieren, darunter eine Airline aus Japan. Ethereum ist noch längst nicht so weit. „Die Geldwerdung passiert nicht über Nacht, sondern ist ein langer und steiniger Weg“, bilanziert Christoph Bergmann.

Selbstversuch

Warum Bitcoins so verlockend sind

Neben Bitcoin und Ethereum gibt es zahlreiche andere Netzwährungen, darunter Ripple mit einem Marktwert von knapp 11 Milliarden Dollar, NEM (2 Milliarden Dollar) oder Litecoin (rund 1,5 Milliarden Dollar). Es spricht jedoch einiges dafür, dass sich im globalen Internet, in dem Größe alles schlägt – wie der Siegeszug von Facebook zeigt –, eine Leitwährung herauskristallisieren wird. Bitcoin und Ethereum haben dafür aktuell die besten Chancen.

Wie der Fall der offenbar betrügerischen Währung Onecoin zeigt – laut Ermittlern ein Schneeballsystem statt einer echten Kryptowährung –, sollten Privatanleger von Währungen die Finger lassen, die nur über eine zentrale Plattform zu beziehen und dort auch gespeichert sind, Nutzer somit voll dem Betreiber ausliefern. In der Krypto-Gemeinde gilt das als klares Anzeichen für ein betrügerisches System.

Internetwährung auf Rekordkurs

Was den Bitcoin-Kurs in die Höhe treibt

Ist die Wahl auf eine Digitalwährung gefallen, stellt sich die Frage, wie man an diese herankommt. Im Grundsatz gibt es drei Wege: Man stellt die Währung selbst her, über das „Mining“. Man bekommt Krypto-Geld von anderen Nutzern, die man direkt bezahlt: ein unsicherer Weg. Für Privatanleger empfiehlt sich viel mehr der Gang zu einem professionellen Handelsplatz im Internet. Deren Grundlagen findet man im Netz: Für Bitcoins gibt es zahlreiche Übersichten für Neueinsteiger. Wer des Englischen mächtig ist, kann auch die Community um Rat fragen, die sich in Online-Foren wie Reddit austauscht. Es gibt aber auch deutschsprachige Einführungen, etwa die Seite Bitcoin.org, unterstützt von der gemeinnützigen US-Bitcoin-Foundation.

Ist man informiert, wird es knifflig: Am Beginn des Bitcoin-Kaufs steht die Suche nach dem richtigen Handelsplatz. Eine Übersicht über die Möglichkeiten, an Bitcoins zu gelangen, bietet die Seite Buy Bitcoin Worldwide, die von dem Washingtoner Programmierer und Bitcoin-Pionier Jordan Tuwiner betrieben wird. Hier können Interessierte ihr Herkunftsland und die gewünschte Zahlungsart (etwa Kreditkarte, Paypal oder Überweisung) auswählen und bekommen dann eine Reihe von Handelsplätzen samt Vor- und Nachteilen aufgelistet. Die Seite bewertet die Portale unter anderem nach den Kriterien Bedienbarkeit, Schutz der Privatsphäre, Geschwindigkeit, Reputation und – ganz wichtig – den Gebühren.

Bei den Bitcoin-Plattformen gibt es einige Platzhirsche, die den größten Anteil des weltweiten Handels auf sich vereinen. Einen Handel in Dollar ermöglichen: Coinbase aus den USA, Bitfinex aus Hong-Kong, Bitstamp aus Großbritannien und Okcoin aus China. In Euro gehandelt wird unter anderem an der US-Börse Kraken, bei Anxpro aus Hong-Kong und Bitcoin.de aus Deutschland. Die Anmeldung funktioniert bei fast allen großen Anbietern gleich: Nach einer Verifizierung, die aufgrund des großen Andrangs aktuell sehr lang dauern kann, überweisen Kunden den Anbietern Geld, das diese auf ein Guthabenkonto einzahlen. Der Zugriff erfolgt über das Nutzerprofil, der Handel mit anderen Bitcoin-Besitzern an der Börse funktioniert dann in Echtzeit.

Anders funktioniert allerdings der hiesige Marktführer, Bitcoin.de von der Herforder Bitcoin Deutschland AG. Streng genommen ist Bitcoin.de keine Börse, sondern ähnelt einem Internet-Marktplatz à la Ebay: Die Käufer und Verkäufer haben hier kein Verrechnungskonto beim Anbieter, sondern überweisen sich das Geld für die Bitcoins direkt über die jeweilige Hausbank – Bitcoin.de überwacht die Transaktion und nimmt dafür eine im Vergleich mit den Börsen geringe Gebühr von rund 0,5 Prozent. Dazu arbeitet die Firma mit der Münchner Direktbank Fidor-Bank zusammen. Wer dort ein Konto hat, kann direkt loslegen mit dem Bitcoin-Kauf.

Alle anderen Kunden müssen nach der Registrierung bei Bitcoin.de ihr Bankkonto verifizieren, was 9,90 Euro kostet. Hat die Anmeldung geklappt, können auf dem Marktplatz jene Mengen gekauft werden, die die Verkäufer gerade anbieten. Ein typisches Angebot lautet etwa: „0,2 Bitcoin zum Preis von 553,48 Euro“. Stimmt der Käufer der Transaktion zu, überweist er das Geld an den Verkäufer. Erst wenn dieser den Betrag erhalten hat, werden die Bitcoins auf das eigene Konto bei Bitcoin.de transferiert. Der Vorteil: Privatanleger müssen nicht in Vorleistung gehen und Geld an den Börsenbetreiber mit Sitz in China oder den USA überweisen.

Der Handel von Ethereum funktioniert grundsätzlich gleich, auch wenn nicht alle Bitcoin-Börsen auch Ethers anbieten. Bei Coinbase, Kraken, Bitfinex und Okcain ist die Alternativwährung aber zu haben, andere Anbieter wollen nachziehen. Wichtig ist: Alle bisher genannten Börsen und Marktplätze besitzen keine eigene „Kryptowährungs-Ausgabestelle“, stattdessen treffen Verkäufer und Käufer aufeinander. Eine Ausnahme stellt nur das niederländische Portal Anycoin Direct dar: Hier kauft man die Digitalwährungen direkt vom Anbieter.

Wichtiges Thema im Anschluss an den Handel ist die Aufbewahrung. Erfahrene Krypto-Anleger wie Darius Karampoor aus Kiel, der einen der ersten deutschen Onlinehändler mit Bitcoin-Bezahlmöglichkeit aufgebaut hat, haben eine klare Empfehlung: „Die Münzen sollten niemals auf Dauer innerhalb der Onlinebörse gelagert werden. In zahlreichen Fällen sind Hacker hier in der Vergangenheit in bekannte Börsen eingebrochen, haben Millionenwerte gestohlen.“ Auch der heimische PC ist demnach keine gute Wahl zur Aufbewahrung: Die digitalen Münzen könnten aus der sogenannten Software-Wallet (einem Aufbewahrungsprogramm auf der Festplatte) mithilfe eines Trojaners gestohlen werden.

Experten empfehlen stattdessen den Griff zur sogenannten Hardware-Wallet. Das ist ein spezieller Tresor für Kryptowährungen in der Form einer intelligenten externe Festplatte. Diese schützt die Bitcoins, Ethers und Co. (und den eigenen Schlüssel für den Zugriff) sowohl vor einem Diebstahl durch Hacker, als auch vor der möglichen Pleite einer Börsenplattform. Nichts wäre schließlich ärgerlicher, als das frisch gewonnene Krypto-Vermögen im digitalen Nirwana zu verlieren.

Die Serie

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Wladimir Putin
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Banken zittern, Spekulanten jubeln: Aber was steckt wirklich hinter Bitcoin, Ethereum und Co.? In einer Serie behandeln wir die Welt der Digitalwährungen. Bisher erschienen:

Teil 1: Der Selbstversuch: Warum Bitcoins so verlockend sind
Teil 2: Welche Währung, welche Börse? So klappt der Einstieg
Teil 3: Mehr als ein Zockergeld: Wie das Bezahlen mit Bitcoins funktioniert
Teil 4: Sparen in der digitalen Zukunft: In Bitcoins investieren
Teil 5: Gemeinsam in die Blockchain: Die drei großen Allianzen
Teil 6: Streit in der Gemeinschaft: Wie China den Bitcoin zerstören könnte
Teil 7: Von Japan in die Welt: Die Geschichte des Bitcoin
Teil 8: Mehr als virtuelle Münzen: Ethereums Griff nach der Vorherrschaft
Teil 9: Bitcoin und Moral: Ein philosophischer Blick auf den Krypto-Hype
Teil 10: Digitalwährungen als Rohstoffe: Die Vision des Bitpay-Chefs
Teil 11: Finanzbranche und Bitcoin: Die Folgen für Banken und Banker
Teil 12: ICO was? Das zweifelhafte Business der Krypto-Börsengänge
Teil 13: Die Zukunft des Geldes: Was Bitcoins und Kaurischnecken eint

(Fortsetzung folgt.)

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