Dax aktuell: Dax schließt nach anfänglicher Rekordjagd nur mit Mini-Plus
Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.
Foto: dpaDüsseldorf. Nach der anfänglichen Rekordjagd ist dem Dax am Nachmittag deutlich die Luft ausgegangen. Der Leitindex schloss bei 13.727 Punkten – acht Punkte höher als am Ende der vergangenen kurzen Handelswoche.
Am Vormittag hatte die Frankfurter Benchmark noch einen neuen Rekord markiert. Das Tageshoch von 13.907 Zählern liegt vier Punkte höher als der bisherige Höchststand vom 29. Dezember. Auch der MDax der mittelgroßen Werte sowie der Nebenwerteindex SDax erreichten neue Höchststände. Beim MDax steht die Bestmarke nun bei 31.281 Punkten, beim SDax bei 14.945 Zählern.
In der ersten Handelswoche steht im Allgemeinen die Rückkehr der institutionellen Investoren auf der Tagesordnung. Die hatten vor Weihnachten ihre Bücher geschlossen, entsprechend war das Handelsvolumen auf unter 50 Millionen Papiere täglich gefallen. Das dürfte sich zeitnah wieder ändern. Am Montag allerdings war das Volumen der gehandelten Aktien mit 70 Millionen weiter deutlich unterdurchschnittlich.
Es dürfte vor allem spannend sein, zu beobachten, ob die sogenannten Corona-Gewinner-Aktien ihre deutlichen Kursgewinne aus den vergangenen Handelstagen verteidigen können. Wenn keine fundamentalen Veränderungen hinter diesen deutlichen Kursgewinnen stehen, dürften die Anlegerprofis eher gewillt sein, diese Papiere zu verkaufen.
Denn die Wertzuwächse einiger Onlinepapiere waren deutlich. Die Aktien des Dax-Mitglieds Delivery Hero sind in den vergangenen Handelstagen um mehr als sieben Prozent gestiegen, das Papier des Kochboxenversenders Hellofresh im MDax sogar um 8,7 Prozent.
Noch größer waren die Kurszuwächse im SDax: Die Titel des Online-Möbelhändlers Home 24 stiegen um mehr als 20 Prozent. Das sind drei Beispiele von Aktien, bei denen die institutionellen Investoren in dieser Handelswoche für eine Kursbereinigung sorgen könnten. Das alles kann in einem weiter steigenden Gesamtmarkt passieren.
Am Montag setzte sich der bisherige Trend aber erstmal fort, die besagten Aktien legten zu. Das Papier von Delivery Hero schloss mehr als sieben Prozent im Plus, war mit Abstand stärkster Dax-Wert und erreichte mit 136,80 ein neues Rekordhoch. Hellofresh gewann fast ein Prozent höher aus dem Handel, während Home24-Aktien erst kurz vor Handelsende ins Minus drehten.
Die Papiere der Shop Apotheke, im vergangenen Jahr mit einem Plus von fast 241 Prozent der Highflyer im MDax, setzten ihre Siegesserie mit einem Plus von fast sieben Prozent fort. Mit einem Aufschlag von neun Prozent profitierten ferner die Aktien von K+S von einer optimistischen Studie der US-Bank Citigroup zum Düngermarkt.
Gold steigt auf den höchsten Stand seit zwei Monaten
Deutlich aufwärts ging es beim Goldpreis. Im physischen Handel liegt der Preis derzeit bei 1940 Dollar, plus zwei Prozent. Das Edelmetall markiert damit den höchsten Stand seit acht Wochen. Der Dollar, der sich in der Regel entgegengesetzt zu Gold bewegt, gab am Montagmorgen nach. Im Euro-Dollar-Verhältnis legte die europäische Gemeinschaftswährung fast ein Prozent zu.
Einen wichtigen Einfluss hat die Stichwahl im US-Bundesstaat Georgia am morgigen Dienstag. Hier wird sich entscheiden, welche Partei den Senat kontrollieren wird. Was zu den US-Präsidentschaftswahlen noch als utopisch klang, ist jetzt ein realistisches Szenario geworden: dass die Demokraten sich morgen beide Senatssitze holen. Dann könnte das Stimuluspaket für die angeschlagene US-Wirtschaft höher ausfallen, was wiederum den Goldpreis beflügeln dürfte.
Gewinnmitnahmen nach der Bitcoin-Rally
Der Bitcoin ist am Montag zwischenzeitlich unter die psychogisch wichtige Marke von 30.000 Dollar gefallen. Erst am Wochenende hatte er die Marke geknackt und war auf ein frisches Rekordhoch bei 34.800 Dollar gestiegen. Zuletzt notierte der Bitcoin laut Daten des Analysehauses Coinmarket bei 31.380 Dollar.
„Größere Gewinnmitnahmen dürften angesichts des fulminanten Kursaufstiegs vom Wochenende nicht weiter überraschen“, meint Bitcoin-Analyst Timo Emden. „Der Kurs hatte sich knapp unter der Marke von 35.000 Dollar festgefahren und war nahezu heiß gelaufen.“ Ob nach der Konsolidierung neue Aufwärts-Avancen entstünden, bleibe vorerst abzuwarten. Schnäppchenjäger könnten zwar schon bald wieder einsteigen, aber „übergeordnet rechnen wir mit einer baldigen Konsolidierung von rund 20 bis 30 Prozent“.
Was die Dax-Charttechnik sagt
Für die technische Analyse ist derzeit die Spanne zwischen 14.700 Punkten auf der Ober- und 13.500 Punkten (konkret 13.460 Punkte) auf der Unterseite wichtig. Durchaus möglich, dass der deutsche Leitindex in den kommenden Handelstagen die untere Unterstützung bei 13.500/13.460 Punkten testet.
Immer noch offen sind zwei Aufwärtskurslücken aus dem Monat Dezember 2020. Solche Lücken entstehen, wenn der höchste Stand eines Handelstags unter der tiefsten Notierung des Folgetags liegt. Sie sind quasi eine Neubewertung des Markts, weil es zwischen der Lücke keinen Handel gab. Solange die nicht geschlossen werden, dürften Kurse oberhalb von 14.000 Punkten schnell erreicht werden.
Diese beiden Lücken in Zahlen: Am 22. Dezember lag der höchste Dax-Kurs bei 13.441 Zählern, die niedrigste Notierung einen Tag später bei 13.456 Punkten. Diese Lücke deckt sich mit dem monatelang gültigen Corona-Hoch von 13.460 Zählern, welches der Leitindex Anfang September erreichte. Das unterstreicht die Bedeutung dieser Unterstützungsmarke.
Die zweite Lücke wurde Ende Dezember aufgerissen. Am Montagabend (28.12.) lag der Dax-Tiefpunkt des Tages mit 13.740 Zählern deutlich über dem höchsten Kurs des vorherigen Handelstags (Mittwoch, 23.12.), der 13.602 Punkte betrug. Diese Lücke hat sich mittlerweile auf 45 Punkte verkleinert, weil der Dax am Montag im Späthandel zwischenzeitlich auf 13.647 Punkte fiel.
Diese untere Begrenzung der Kurslücke kann von strategischen Investoren als Stop-Loss-Marke verwendet werden. Sie harmoniert auch gut mit dem Jahreshoch 2018, das bei 13.597 Zählern liegt.
Die 200-Tage-Linie, die vor allem im Fokus von vielen langfristig agierenden Investoren steht, dreht weiter mit großer Dynamik nach oben. Derzeit notiert diese Durchschnittslinie bei 12.275 Punkten – gegenüber dem vergangenen Mittwoch ein Plus von rund 25 Zählern.
Der Grund für diese Dynamik: Aus der Berechnung dieser Kurve werden derzeit die stark rückläufigen Notierungen von Februar bis März herausgenommen. Ein solcher Anstieg der 200er-Linie dürfte auch von ausländischen Investoren als Zeichen für einen stabilen Aufwärtstrend interpretiert werden.
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