Neues Sanktionspaket: Gold-Verbot: G7 wollen den nächsten Milliarden-Markt von Russland abschotten
Bereits Anfang März hatte der Branchenverband London Bullion Market Association (LBMA) die sechs großen russischen Goldraffinerien von der Liste der vertrauenswürdigen Lieferanten gestrichen.
Foto: imago/ITAR-TASSZürich. Die G7-Staaten wollen bei ihrem Gipfel in Bayern nach Angaben von US-Präsident Joe Biden ein Importverbot für russisches Gold verkünden. Damit würden Russland Dutzende Milliarden Dollar an Einnahmen wegbrechen, die das wichtige Exportgut Russland einbringt, teilte Biden am Sonntag auf Twitter mit. Wegen des von Kremlchef Wladimir Putin angeordneten russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine haben die G7-Staaten harte Sanktionen gegen Moskau verhängt.
Biden schrieb: „Die Vereinigten Staaten haben Putin beispiellose Kosten auferlegt, um ihm die Einnahmen zu entziehen, die er zur Finanzierung seines Krieges gegen die Ukraine benötigt.“
Olaf Scholz: Gold-Embargo muss in der EU debattiert werden
Künftig seien weitere Schritte zu erwarten, „die den Druck auf Putin und Russland kontinuierlich erhöhen sollen“, führte ein US-Regierungsvertreter weiter aus. „Ich denke, dass die kollektiven Anstrengungen der G7 in Bezug auf Sanktionen, Exportkontrollen und andere Maßnahmen gegen Russland eine dramatische Wirkung auf die russische Wirtschaft haben.“
Nach Angaben von Bundeskanzler Olaf Scholz werden sich die G7-Staaten allerdings nicht abschließend auf ein Gold-Embargo gegen Russland verständigen können. Dies müsse erst noch in der EU debattiert werden, sagte der am heutigen Montag in der ARD.
Russland ist der zweitgrößte Goldproduzent
Russland ist knapp hinter China der weltweit zweitgrößte Goldproduzent. Die Minen des Landes förderten laut Daten des World Gold Council im vergangenen Jahr rund 330 Tonnen. Das entspricht rund zehn Prozent der weltweiten Minenproduktion.
Das Edelmetall ist zudem ein wichtiger Devisenlieferant. Gemäß der britischen Regierung beliefen sich die Einnahmen Russlands aus dem Goldexport 2021 auf umgerechnet 14,7 Milliarden Euro.
Gold sei das viertwichtigste Exportgut Russlands, nur Energierohstoffe seien für die russische Exportwirtschaft noch bedeutender. Zudem hätten viele Oligarchen große Mengen Gold gekauft, um die Sanktionen des Westens zu umgehen, so das Argument der britischen Regierung.
Handel mit russischem Gold ist schon heute tabu
Fakt ist jedoch auch: Der Handel mit russischem Gold ist schon heute stark eingeschränkt. Denn bereits Anfang März hatte der Branchenverband London Bullion Market Association (LBMA) die sechs großen russischen Goldraffinerien von der Liste der vertrauenswürdigen Lieferanten gestrichen. Damit sind russische Goldbarren faktisch vom Londoner Interbankenhandel, dem wichtigsten Umschlagplatz für das Edelmetall, ausgeschlossen.
Bereits das erste Sanktionspaket der Industrieländer zielte zudem auf die russische Zentralbank ab: Die Notenbank verfügt über mehr als 2300 Tonnen Gold. Das Edelmetall macht den Daten des World Gold Council zufolge 22 Prozent der Devisenreserven aus. Damit steht die russische Notenbank weltweit auf Rang sechs. In den vergangenen Jahren hat die Zentralbank hauptsächlich durch den Ankauf von Edelmetall aus heimischer Produktion einen riesigen Goldschatz angehäuft.
Aufgrund der verhängten Sanktionen kann die russische Notenbank das Edelmetall allerdings nicht zur Stützung des Rubelkurses einsetzen – zumindest nicht auf offiziellem Weg. Die Notenbankstatistik des World Gold Council verzeichnet zumindest seit Kriegsausbruch keine Zu- oder Abgänge bei den Goldreserven der russischen Zentralbank.
Treffen die Sanktionen auch den Palladium-Markt?
Auswirkungen auf den Goldpreis hatten diese Maßnahmen bislang nicht: Der Preis für das Edelmetall handelt seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine in einer engen Spanne zwischen 1800 und 1850 Dollar pro Feinunze (rund 31,1 Gramm). Der Handel mit russischem Gold floriert noch an Handelsplätzen wie etwa Dubai, Schanghai oder auch Istanbul. Im Westen ist das Edelmetall weitgehend tabu.
Vergangene Woche hatte ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg für Furore gesorgt, wonach die Schweiz gemäß Importstatistik erstmals seit Kriegsausbruch in der Ukraine drei Tonnen Edelmetall aus Russland importiert hatte.
Dabei soll es sich jedoch um Edelmetall gehandelt haben, das ursprünglich aus Großbritannien stammt, berichtete Bloomberg weiter. Die großen Schweizer Goldraffinerien, die bis zu 60 Prozent des weltweit geprägten Investmentgolds verarbeiten, hatten verneint, das Gold eingeführt zu haben.
Ein hochrangiger US-Regierungsmitarbeiter sagte am Sonntag in einer Telefonschalte mit Journalisten, die G7-Staaten würden den Importstopp offiziell am Dienstag verkünden, dem letzten Tag des Gipfels auf Schloss Elmau. „Damit wird Russland weiter von der Weltwirtschaft isoliert.“
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Offen ist, ob der Westen die Sanktionen auf den Export weiterer Edelmetalle ausweiten wird – oder ob Russland seinerseits mit einem Lieferstopp antwortet. Das Land ist beispielsweise der zweitgrößte Produzent von Palladium, das bei der Abgasreinigung von Benzin- und Dieselautos eingesetzt wird.
Russland kontrolliert rund 40 Prozent des weltweiten Angebots. So wäre ein Lieferstopp für die deutsche Autoindustrie ein großes Problem, da das russische Palladium aus Sicht von Experten am Markt nicht zu ersetzen wäre.