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Kirchensteuer berechnenSo hoch ist die Kirchensteuer aktuell

Die christlichen Kirchen in Deutschland finanzieren sich vor allem über eine eigene Steuer. Wie sich die Kirchensteuer berechnet und wer sie zahlen muss. 29.08.2025 - 15:16 Uhr Artikel anhören

Heiligenstatue vor eine Kirche: Die Kirchensteuer wird in der Regel vom Bruttogehalt abgezogen.

Foto: action press

Düsseldorf. Ende 2024 gehörten rund 37,8 Millionen Menschen in Deutschland einer der beiden christlichen Kirchen an. Knapp 18 Millionen davon sind evangelisch19,8 Millionen sind katholisch. Diese Mitglieder zahlen jährlich mehrere Milliarden Euro an Steuern an die evangelische und katholische Kirche. Wie wird diese Kirchensteuer berechnet? Und wer muss die Kirchensteuer zahlen? Ein Überblick.

Was ist die Kirchensteuer?

Die Kirchensteuer ist eine finanzielle Abgabe, die von den christlichen Religionsgemeinschaften in Deutschland erhoben wird. Mitglieder in der evangelischen und katholischen Kirche sind gesetzlich verpflichtet, Kirchensteuer zu zahlen. In den meisten Fällen wird sie direkt vom Bruttogehalt eines Arbeitnehmers abgezogen.

Wer muss in Deutschland Kirchensteuer zahlen?

Grundsätzlich muss jedes volljährige Mitglied der Kirche, das in Deutschland lebt, Kirchensteuer zahlen. Das Mitglied zahlt die Steuer an die Landeskirche des Bundeslands, in dem es seinen Erstwohnsitz hat.

Auch zeitlich begrenzte Auslandsaufenthalte entbinden Mitglieder evangelischer oder katholischer Glaubensgemeinden nicht von der Kirchensteuerpflicht. Die Steuer bezieht sich ausschließlich auf Privatpersonen, Unternehmen zahlen in Deutschland keine Kirchensteuer.

Wie berechnet sich die Kirchensteuer in Deutschland?

Die Kirchensteuer orientiert sich am Einkommen des Kirchenmitglieds. In Baden-Württemberg und Bayern liegt der Kirchensteuersatz bei acht Prozent der Lohn- oder Einkommensteuer. In allen anderen Bundesländern zahlen Kirchenmitglieder einen Kirchensteuersatz von neun Prozent. Dieser ist in §51a des Einkommensteuergesetzes geregelt.

Bei Arbeitnehmern wird die Steuer vom Bruttolohn einbehalten und taucht als Abzug auf der Gehaltsabrechnung auf. Selbstständige leisten üblicherweise eine Vorauszahlung.

Wie viel Kirchensteuer muss ich im Monat oder Jahr zahlen?

Weil die Kirchensteuer sich relativ zum Einkommen einer Person berechnet, gibt es keinen festen Betrag, den Mitglieder monatlich oder jährlich zahlen müssen.

Ihren individuellen Betrag können Sie mit unserem Brutto-Netto-Rechner ausrechnen. Kirchensteuer oder Kirchgeld können Sie in der Steuererklärung als Sonderausgabe abziehen.

Eine Beispielrechnung: Eine ledige Person mit Steuerklasse I und dem deutschen Durchschnittsgehalt von 4.346 Euro brutto zahlte 2024 in Nordrhein-Westfalen rund 58 Euro Kirchensteuer im Monat. Das sind 690 Euro im Jahr.

Ein Single der Steuerklasse I mit einem Einkommen von 3.000 Euro brutto zahlte 28 Euro im Monat, also 339 Euro Kirchensteuer im Jahr.

Ich gehöre keiner Kirche an und bin konfessionslos. Warum zahle ich Kirchensteuer?

In Deutschland können auch Konfessionslose an der Kirchensteuer beteiligt werden – und zwar über den Ehepartner. Das sogenannte „besondere Kirchgeld“ fällt an, wenn nur ein Ehepartner einer Religionsgemeinschaft angehört und der andere nicht. Es handelt sich dann um eine glaubensverschiedene Ehe.

In dieser Eheform wird nur bei dem Ehegatten Kirchensteuer einbehalten, der Kirchenmitglied ist. Wenn diese Partnerin oder dieser Partner aber ein so geringes Einkommen hat, dass keine Lohnsteuer berechnet wird, wird während des Jahres keine Kirchensteuer einbehalten. Das Finanzamt kann allerdings das besondere Kirchgeld als Sonderform der Kirchensteuer festsetzen. Das besondere Kirchgeld betrifft Ehepartner, wenn:

  • ein Ehepartner kein Kirchenmitglied ist, der andere schon.
  • beide Ehepartner Kirchenmitglieder sind, aber ein Ehegatte einer Kirche angehört, die keine Kirchensteuer erhebt.

Das besondere Kirchgeld müssen nur Ehegatten zahlen, die zusammen veranlagt werden. Bei der Einzelveranlagung für Ehegatten entfällt das besondere Kirchgeld.

Wann zahlt man keine Kirchensteuer?

Wer aus der Kirche austritt, muss keine Kirchensteuer mehr zahlen. Im Jahr 2012 entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass ein reiner Austritt aus der Kirchensteuer, aber nicht aus der Kirche als Glaubensgemeinschaft, in Deutschland nicht möglich ist.

Je nach Einkommenslage des Kirchenmitglieds gibt es allerdings auch anteilige Erlasse der Kirchensteuer. Wer weniger als den Grundfreibetrag im Jahr verdient, ist von der Besteuerung seiner Einkünfte befreit. Das gilt auch für Arbeitslose.

Erwirtschaften Steuerzahler außerordentliche Einkünfte, ist ein anteiliger Erlass der Kirchensteuer auf diese Einkünfte möglich. Bis zu 50 Prozent der zusätzlich entstehenden Kirchensteuer können Steuerzahler sparen. Der Erlass muss beim zuständigen Kirchensteueramt beantragt werden, außerdem gibt es einige Einschränkungen.

Welche Folgen haben Kinder für die Höhe der Kirchensteuer?

Wer Kinder hat und Kirchenmitglied ist, wird steuerlich entlastet. So bildet bei Arbeitnehmern mit Kindern nicht die Lohnsteuer die Bemessungsgrundlage für die Kirchensteuer, sondern eine fiktive Lohnsteuer. Diese ist um die Kinderfreibeträge gemindert.

Das passiert allerdings erst nach Abgabe einer Steuererklärung: Erst bei einer steuerlichen Veranlagung wird durch eine Günstigerprüfung festgestellt, ob aufgrund der Kinderfreibeträge ein zusätzlicher Steuerspareffekt entsteht. Ähnlich läuft es auch bei Selbstständigen mit Kindern. Die Vorauszahlungen der Kirchensteuer verringern sich bei ihnen um den Kinderfreibetrag.

Wer erhebt die Kirchensteuer?

Wer Kirchensteuer erheben darf, ist in Deutschland gesetzlich festgeschrieben. Vor allem die katholische und die evangelische Kirche ziehen die Steuer ein. Auch jüdische Gemeinden in Deutschland erheben mit der Kultussteuer eine vergleichbare Abgabe.

Zudem dürfen einige freireligiöse Gemeinden und die Unitarische Religionsgemeinschaft Freie Protestanten eine Kirchensteuer erheben. Muslimische Gemeinden in Deutschland ziehen keine Gelder ihrer Mitglieder ein. Auch die orthodoxe Kirche in Deutschland verzichtet auf eine Kirchensteuer.

Die Kirchensteuer behalten die Finanzverwaltungen der Länder ein, um sie dann an die Religionsgemeinschaften weiterzugeben.

Wofür werden die Einnahmen aus der Kirchensteuer verwendet?

Die Steuer finanziert einen Teil der Aufrechterhaltung der Kirche in Deutschland. Die Gemeindearbeit und die Entlohnung der Geistlichen werden mit der Steuer bezahlt, unter anderem aber auch die Seelsorge, Öffentlichkeitsarbeit und Instandhaltung von Kirchen.

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Auch Bildungs- und Betreuungsstätten kirchlicher Träger – Kliniken, Kindergärten und Schulen – beziehen einen Teil ihrer Gelder aus der Kirchensteuer.

Dieser Artikel erschien bereits im November 2022. Der Artikel wurde am 29.08.2025 erneut geprüft und aktualisiert.

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