Manager: Wie Eltern sich vor einem „Parental Burnout“ schützen
Düsseldorf. Bei Julia Becker kam 2021 alles gleichzeitig: die erste Führungsposition in einem mittelständischen Unternehmen und das erste Kind. Die damals 35-Jährige geriet unter Druck: „Ich bin in einem Umfeld aufgestiegen, in dem Leistung allgegenwärtig ist“, sagt sie. Andere Führungskräfte in ihrem Umfeld hätten eine derartige Präsenz und Leistung gezeigt, als hätten sie keine Kinder. Sie versuchte, es ähnlich zu machen, Top-Ergebnisse zu liefern, eine „super Chefin“ zu sein – und parallel dazu „die perfekte Mutter.“
Im zweiten Lebensjahr ihres Sohnes fielen Becker stressbedingt büschelweise Haare aus. Sie erinnert sich daran, wie sie tagelang „durchgeweint“ habe. Becker sagt selbst: Sie stand an der Schwelle zu einem „Parental Burnout“, einem Erschöpfungssyndrom, das durch chronischen elterlichen Stress ausgelöst wird.
Betroffene verlieren häufig die Freude an ihrer Elternrolle, distanzieren sich emotional von ihren Kindern und leiden darunter, dass sie ihrem eigenen Anspruch als Eltern nicht gerecht werden. Im Job sinkt oft die Leistungsfähigkeit. Parallel steigt die Bereitschaft, zu kündigen.
Etwa neun Prozent aller Eltern in westlichen Industriestaaten sind betroffen. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen: Laut Zahlen der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) fühlen sich 62 Prozent der Eltern mit minderjährigen Kindern häufig oder sehr häufig gestresst. Fast 70 Prozent berichten, dass sie sich durch die hohe Belastung erschöpft oder ausgebrannt fühlen.
Doch mit gezielten Strategien können gefährdete Eltern in Führungsjobs aus der Erschöpfungsspirale ausbrechen.