Thuy-Ngan Trinh: „Wenn du intensiv genug suchst, findest du immer einen Wachstumspfad“
Köln. Wahrscheinlich hätte die Urgroßmutter von Thuy-Ngan Trinh nicht verstanden, was ihre Urenkelin macht und was das alles mit ihr zu tun hat. Mit Marketing hätte sie wohl ebenso wenig anfangen können wie mit Künstlicher Intelligenz, Start-ups oder Exits. Und doch erzählt Trinh als Erstes von ihrer Uroma, als sie nach ihrer erfolgreichen Karriere in der Investorenwelt gefragt wird.
Denn Trinhs Urgroßmutter war Geschäftsfrau zu einer Zeit und an einem Ort, an dem das für junge Frauen eher ungewöhnlich war. Während der ersten Hälfte des Vietnamkriegs lebte Trinhs Uroma in Thailand und kaufte und verkaufte dort zusammen mit ihrem Ehemann Fahrräder. „Geschäftstüchtig“ sei ihre Uroma gewesen und mutig, erzählt Trinh heute, über sechs Jahrzehnte später, bei einem Eiskaffee in einem hippen Kölner Café.
Eigentlich wohnt Trinh in Berlin, ist nur für berufliche und private Termine einige Tage ins Rheinland gekommen. Seit Kurzem hat sie einen neuen Job als Geschäftsführerin der frisch gegründeten Digitalagentur A11, ein Ableger des Investors Project A.
Mit nur 33 Jahren ist Trinh damit in die Führungsriege der deutschen Tech-Welt aufgestiegen. Anfangs ohne Vitamin B, dafür mit Tempo, Mut und einer Performancekultur, die nicht jedem gefällt. Wie sich Trinh in der Berliner Start-up-Blase Respekt verschaffte, welche Rolle dabei ihre kämpferische Familie spielte – und warum sie sogar über eine Karriere in der Politik nachdenkt.