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Gastkommentar Deutschland muss die Chance jetzt nutzen und die Solarindustrie zurück nach Europa holen

Die Coronakrise hat vielen die Abhängigkeit Europas von Asien verdeutlicht. Solarzellen werden fast nur dort gefertigt – doch das sollte sich ändern.
12.06.2020 - 17:28 Uhr Kommentieren
Europa droht auf dem Photovoltaik-Markt den Anschluss zu verlieren. Quelle: dpa
Solarkraftanlage

Europa droht auf dem Photovoltaik-Markt den Anschluss zu verlieren.

(Foto: dpa)

Die aktuelle Krise um das Coronavirus hat in den letzten Wochen die Aufmerksamkeit zwar von der langfristigen Klimakrise abgelenkt. Durch die „Fridays for Future“-Bewegung war das Thema Klimaerhitzung und die Dringlichkeit zum Handeln endlich verstärkt in das öffentliche Bewusstsein gebracht worden. Und es darf auch jetzt nicht wieder in den Hintergrund rücken. Nicht nur aus ökologischen, sondern gerade jetzt auch aus ökonomischen Gründen.

Denn die Eindämmung der Klimaerhitzung ist zugleich der zentrale Taktgeber für den Photovoltaik-Markt (PV). Und dieser Markt wird wachsen! Das gilt nicht nur für Deutschland. Für Europa werden 2050 mehr als fünf Terawatt (TW) und weltweit mehr als 60 TW installierte Kapazität erwartet. PV ist damit ein Wachstumsmarkt und Deutschland als Industrienation sollte davon profitieren.

Heute werden Solarzellen praktisch ausschließlich in Asien gefertigt. Die Krise und das Sterben der deutschen PV-Industrie, beginnend im Jahr 2013 mit dem Ausstieg von Bosch und endend mit der Insolvenz von Solarworld 2017, ist allseits bekannt und führt heute dazu, dass bei Politikern und vor allem Banken die Photovoltaik eher als ungeliebtes Kind betrachtet wird. Dabei hat sich seitdem viel verändert und es ist an der Zeit, eine Neubewertung vorzunehmen.

Beginnen wir mit dem übergreifenden gesellschaftlich-politischen Aspekt. Wenn wir zum Beispiel die Technologiefähigkeit zur Produktion von Solarmodulen komplett verlieren, wird die bisherige Abhängigkeit bei Gas und Öl durch die Abhängigkeit von Produzenten der PV-Module in Asien ersetzt. Der Marktpreis von PV-Modulen wird in Asien festgelegt, und wir sind davon abhängig.

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    Als in China der PV-Markt im Jahr 2019 eingebrochen ist, sanken die Preise in Europa. Das war positiv. Aber es geht auch anders herum. Während der Coronakrise konnte man Headlines lesen, dass die Modulpreise in Europa ansteigen, weil ein Lieferengpass entstand oder befürchtet wurde. Eine gesicherte Lieferkette rückte damit auch bei den europäischen EPCs in das Bewusstsein.

    Fertigung in Europa ein Muss

    Eine komplette Abhängigkeit kann nur verhindert werden, wenn die gesamte PV-Wertschöpfungskette in Europa auf industriellem Niveau vorhanden ist. Aus geopolitischen Gründen und zur Absicherung der wirtschaftlichen und technologischen Souveränität ist eine industrielle Fertigung von PV-Modulen in Europa ein Muss.

    Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme hat kürzlich im Auftrag des VDMA eine Studie zur Wettbewerbsfähigkeit der industriellen PV-Fertigung durchgeführt. In dieser Studie wurde ein direkter Vergleich der Produktionskosten in China und in Europa beziehungsweise Deutschland durchgeführt.

    Das Ergebnis: Es ergibt sich sogar ein Kostenvorteil für Europa, wenn die Transportkosten mit betrachtet werden. Der Transport eines PV-Moduls von Asien nach Europa schlägt mit ein bis drei Cent je Watt zu Buche.

    In Kürze werden die Produktionskosten von hocheffizienten Modulen im Bereich von 20 bis 25 Cent je Watt liegen. Damit tragen die Transportkosten schon mit circa 10 Prozent zu den Gesamtkosten bei. Als die Modulpreise 2012 noch bei 60 Cent je Watt lagen, war dieser Anteil vernachlässigbar. Aber in Zukunft wird der Anteil der Logistikkosten weiter ansteigen. Das spricht für eine lokale Fertigung in Europa und für den sofortigen Start einer hiesigen Produktion!

    Es bleibt die Frage: Warum gibt es diese europäische Fertigung noch nicht? Seitens der Politik wurde nach dem Investor gefragt, bei den Investoren wurde nach der Unterstützung durch die Politik gefragt – das klassische Henne-Ei-Dilemma.

    Solarindustrie lernt dazu

    Durch die „Fridays for Future“-Bewegung, aber auch durch die Erfahrungen in der aktuellen Coronakrise in Bezug auf systemkritische Lieferabhängigkeiten beispielsweise bei Basischemikalien für Arzneimittel oder auch durch die Maskenproblematik, gibt es derzeit auf der politischen Seite eine Offenheit, über systemrelevante Technologien zu sprechen. Mit Frau von der Leyen, der neuen Kommission und dem Ziel des „New Green Deals“ werden Randbedingungen neu justiert.

    Aber auch die Solarindustrie hat durch die Erfahrungen in der Coronakrise gelernt – die Abhängigkeiten wurden deutlich und die Bereitschaft ist gewachsen, den Blick in die weitere Zukunft zu richten. Es ist daher nicht verwunderlich, dass in den letzten Wochen Ankündigungen für eine PV-Fertigung in Europa gemacht wurden. Das Solarunternehmen REC will in Saarlouis im Saarland Zellen und Module fertigen. Und auch die deutsch-schweizerische Firma Meyer Burger hat angekündigt, zu prüfen, ob sie eine groß-skalierte Produktion in Deutschland aufbauen könnten.

    All dies sind aus meiner Sicht positive Signale aus den letzten vier Wochen dafür, dass nun eine Renaissance der PV-Produktion entlang der Wertschöpfungskette in Deutschland kommt. Diese Chance zu nutzen und zu unterstützen sollte ein vorrangiges Ziel der Politik sein. Die Zeiten habe sich geändert. Es gilt jetzt, eine Neubewertung vorzunehmen und zu handeln, um Deutschland und Europa zukunftsfähig zu machen und nachhaltige Produktion und Arbeitsplätze zu sichern – in einem wachsenden Markt mit Zukunftsperspektive sollte das möglich sein.

    Mehr: Solarbranche trotzt dem Coronavirus – fürchtet aber ein Ende der staatlichen Förderung.

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