Gastkommentar: Es ist höchste Zeit, dass Deutschland den Krisenmodus abschüttelt
Der Autor meint, mitten in der angeblichen Dauerapokalypse scheint Deutschland zur Vollkasko-Republik zu werden.
Foto: dpaIm Jahr 1993 lief in den Kinos der Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Darin stellt der übellaunige Wettermoderator Phil Connors irgendwann fest, dass er denselben Tag immer und immer wieder erleben muss. Wenn der Radiowecker morgens um sechs losdudelt, beginnt abermals der 2. Februar. Alles wiederholt sich. Phil ist in einer Zeitschleife gefangen.
An diesen Film fühle ich mich jetzt häufig erinnert. Das hat vor allem zwei Gründe. Der eine Grund hat mit dem ständigen Alarmismus zu tun. Wir mögen in besonderen Zeiten leben, die von ständiger Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität geprägt sind. Alles überlagert sich. Das Gesamtbild verstört.
Aber besonders hierzulande scheint es die Angewohnheit zu geben, jedes Problem zur Krise zu stilisieren, selbstverständlich mit Damokles-Potenzial. Krisen sind wie Mikroben: Je genauer man schaut, desto mehr findet man.
Der Boom an Krisendiagnosen hat ärgerliche Folgen. Viele Entscheiderinnen und Entscheider schrauben mit kurzfristigen Lösungen bloß an der Aufrechterhaltung der Gegenwart. Den Blick heben, vorausschauen, Perspektiven finden – dafür bleibt keine Zeit. Von notwendigen Veränderungen lenkt der Daueralarm dagegen ab. So entsteht keine nachhaltige Zukunft.