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Gastkommentar Svenja Schulze: Wir müssen beim Ausbau der erneuerbaren Energien noch ehrgeiziger werden

Der Anteil erneuerbarer Energien im Verkehrssektor muss jetzt nochmals deutlich erhöht werden. Der Wettbewerb um die besten Lösungen schreitet voran.
10.11.2020 - 04:25 Uhr 3 Kommentare
Svenja Schulze (SPD) ist Bundesumweltministerin in der Großen Koalition.
Die Autorin

Svenja Schulze (SPD) ist Bundesumweltministerin in der Großen Koalition.

Was treibt unsere Autos, Busse, Lastwagen und Flugzeuge in den nächsten fünf, zehn oder 20 Jahren an: Ökostrom, Biokraftstoffe oder E-Fuels, also synthetische Kraftstoffe, die auf der Basis erneuerbarer Energien hergestellt werden.

Und wie viel davon? Darüber ist eine kontroverse Debatte im Gange. Nicht zuletzt, weil sich dahinter erhebliche wirtschaftliche Chancen verbergen. Ein Großteil der deutschen Automobilindustrie hat zu lange darauf gesetzt, dass Autos und Lkws noch jahrzehntelang mit Verbrennungsmotoren fahren.

Jetzt wird wegen der Klimakrise und der Luftverschmutzung in Städten endlich umgesteuert. In Deutschland und Europa, aber auch in anderen großen Märkten wie China und Kalifornien. Der Wettbewerb um die besten Lösungen ist in vollem Gange.

Die klimapolitischen Rahmenbedingungen sind gesetzt: Klimaneutralität bis zum Jahr 2050, und schon bis 2030 sollen über 40 Prozent weniger Klimagase im deutschen Verkehr emittiert werden. Mit dem „European Green Deal“ werden die Anforderungen noch steigen.

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    Da stellt sich die Frage: Wie können erneuerbare Energien hier am besten dazu beitragen? Bisher ist in Deutschland die sogenannte Treibhausgasquote der wichtigste Fördermechanismus für erneuerbare Energien im Verkehr. Sie setzt die Anreize so, dass die Kraftstoffe und Antriebe zum Einsatz kommen, die einerseits eine gute Klimawirkung haben und andererseits einen geringen finanziellen Einsatz erfordern.

    Mehr Anreize für die Produktion von grünem Wasserstoff

    Für 2030 gibt die EU jetzt vor, den Anteil der erneuerbaren Energien im Verkehr erheblich anzuheben, in Deutschland auf mindestens 14 Prozent bis dahin. Ich habe einen Vorschlag vorgelegt, der darüber hinausgeht, indem das Ziel schon 2026 erreicht werden soll.

    Er basiert auf zwei Grundannahmen. Erstens: Strom aus erneuerbaren Energien ist nicht unbegrenzt verfügbar, auch nicht im Jahr 2030. Deshalb muss er so effizient wie möglich eingesetzt werden. Das gilt auch für aus erneuerbaren Energien gewonnenen grünen Wasserstoff.

    Der Gesetzesvorschlag führt erhebliche Anreize für die Produktion von grünem Wasserstoff ein. So wird darin eine verpflichtende Quote von zwei Prozent für strombasierte Kraftstoffe im Flugverkehr gefordert. Zudem soll grüner Wasserstoff, der in Raffinerien zur Herstellung von Kraftstoff genutzt wird, doppelt auf die Treibhausgasquote angerechnet werden können. Das alles erfordert eine höhere Elektrolysekapazität für grünen Wasserstoff im Verkehr, als es die Nationale Wasserstoffstrategie vorsieht: mindestens 3,6 Gigawatt bis 2030 statt der bisher vorgesehenen 2,0 GW.

    Der Einsatz von grünem Wasserstoff soll dort gefördert werden, wo es keine guten Alternativen gibt: im Flugzeug-, Schiffs- und Lkw-Tank. Das hilft uns auch, unsere Industrie fit für die Zukunft zu machen und dort Arbeitsplätze zu sichern.

    Für das Auto hingegen ist der elektrische Antrieb die beste Lösung, denn er ist mindestens fünfmal effizienter als synthetische Kraftstoffe für die gleiche Verkehrsstrecke – so braucht man für E-Autos ein Windrad und für den Antrieb mit synthetischen Kraftstoffen mehr als fünf Windräder. Mein Vorschlag stärkt auch den Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektromobilität.

    Nicht alles auf den ersten Blick fördern

    Die zweite Grundannahme ist, dass auch mit immer mehr Elektroautos auf deutschen Straßen noch Millionen von Verbrennern unterwegs sein werden. Auch diese gilt es möglichst klima- und umweltfreundlich anzutreiben. Anders als bei der Biokarotte heißt „Bio“ beim Kraftstoff jedoch nicht automatisch „ökologisch sinnvoll“.

    Die heute beigemischten Biokraftstoffe treiben zum großen Teil die Abholzung des Regenwalds voran. Oft sind sie insgesamt eher klimaschädlich und stehen in direkter Konkurrenz zu Futter- und Nahrungsmitteln – trotz bereits geltender Nachhaltigkeitskriterien. Daher will ich weg von den konventionellen Biokraftstoffen, hin zu wirklich nachhaltigen Alternativen.

    Der Gesetzesentwurf sieht vor, die Förderung für Biokraftstoffe aus Nahrungs- und Futtermittelpflanzen deutlich zu begrenzen. Umweltschädliches Palmöl soll bis 2026 nicht mehr in Autotanks. Das dient auch dem Ziel, den Anteil wirklich nachhaltiger Optionen zu steigern: fortschrittliche Biokraftstoffe aus Reststoffen zum Beispiel. Auch abfallbasierte Biokraftstoffe, die vor allem aus verbrauchten Speiseölen hergestellt werden, sollen weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

    Manche Branchenverbände merken an, der Gesetzesentwurf sei zu wenig ehrgeizig. Davon kann keine Rede sein: Denn das EU-Ziel für erneuerbare Energien im Verkehrsbereich erreichen wir mit meinem Vorschlag bereits 2026 statt 2030, also fast doppelt so schnell.

    Ich werde diese Woche zudem eine Erweiterung des Vorschlags vorlegen, die das noch deutlicher macht: Bis 2030 will ich 20 Prozent erneuerbare Energien im Verkehr erreichen, also wesentlich mehr als die EU-Vorgaben.

    Wir sollten aber nicht alles fördern, was auf den ersten Blick klimafreundlich erscheint – bei genauerem Hinsehen jedoch in ökologischer und sozialer Hinsicht mehr schadet als nutzt. Mein Vorschlag hält offen, welche Technologien am Ende das Rennen machen, aber schafft Anreize, in die fortschrittlichen, umwelt- und klimafreundlichen Optionen zu investieren.

    Mehr: Ist alles, was derzeit gegen den Klimawandel getan wird, wirkungslos?

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    3 Kommentare zu "Gastkommentar: Svenja Schulze: Wir müssen beim Ausbau der erneuerbaren Energien noch ehrgeiziger werden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Frau Schulze hat eine sehr einseitige Sichtweise. Ein E-Auto kann in der nächsten Zeit den Verbrenner nicht voll ersetzen, es sei denn man will die Mobilität der Bürger einschränken. Da kommen wir auch schnell an die Einschränkung von Grundrechtsfreiheiten heran, die man auch unter Bedingungen des Klimaschutzes beachten sollte. Gerade die Windenergie kommt doch schon an die Grenzen ihres Ausbaus, sodass man sich auch nach Alternativen umsehen muss. Wenn man Bürger schon mit Geldgeschenken locken muss, damit sie dem Bau von Windrädern zustimmen sollen, hat im weitesten Sinne etwas mit Korrumpierung zu tun, aber nicht mit nachhaltiger Klimapolitik. Das E-Auto kann im Moment eben noch nicht den Verbrenner ersetzen, da man beim Laden nicht einfach an die Ladesäule fährt und tankt und dann weiterfährt. Selbst bei der Schnellladung wird man mitunter ausgebremst, weil der Akku u.U. brennen könnte. Dann wird eben langsam weiter geladen.

    • "Was treibt unsere Autos, Busse, Lastwagen und Flugzeuge in den nächsten fünf, zehn oder 20 Jahren an: Ökostrom, Biokraftstoffe oder E-Fuels, also synthetische Kraftstoffe, die auf der Basis erneuerbarer Energien hergestellt werden." Es wird auch mit freier Energienutzung eine neue Ära der Elektromobilität möglich durch die Neutrino-Technologie. Liebe Frau Schulze, bitte um Ihre Aufmerksamkeit. Der einstige BundesVerkehrsminister a.D., Prof. KRAUSE veröffentlicht aktuell: "Das ewige Licht - Der Beginn eines neuen Zeitalters" Weltbuch Verlag, 224 Seiten, ISBN 978-3-906212-56-2. Die günstigste und sauberste Variante der Energienutzung basiert auf Neutrino Technologie. Eine mobile und dezentrale Energienutzung über die Neutrinovoltaic kann jetzt möglich werden, denn sie wird die Photovoltaik ergänzen und ablösen, denn sie kann auch in vollkommener Dunkelheit Energie wandeln. Die Patente der Berliner Neutrino Energy Group sind bereit. Die Einführung der Neutrinovoltaik zur Gewinnung von elektrischem Strom unter dem Einfluss verschiedener elektromagnetischer Strahlung, einschließlich hochenergetischer kosmischer Neutrinos ist jetzt machbar. Die auf Neutrinovoltaik-Technologie basierenden DC-Neutrinoquellen sind sehr kompakt und wetterunabhängig, erzeugen in einem Grundmodus 24h x 365 Tage Strom und können in Gerätegehäuse oder sogar in Elektroautos eingebaut werden. Sie sind in der Lage, sowohl Geräte als auch einzelne Haushalte und Elektroautos ohne Anschluss an eine zentrale Stromversorgung mit Strom zu speisen. Mobile und dezentrale Haushaltsenergie sowie unendliche Reichweiten für die Elektromobilität werden unser Leben weltweit positiv wandeln. Die Deutsche Politik und Medien sollten sich dafür endlich öffnen, um Wirtschaft anzukurbeln. Denn russische Medien berichten bereits in den Schlagzeilen dazu. Wenn wir jetzt den Übergang zur Freien Energienutzung leichter und kostengünstiger machen, kann die neue Energieversorgung und Elektromobilität angewendet werden.

    • Der Wirkungsgrad von Elektroautos wird immer und immer wieder ohne die Verluste der

      ZWISCHENSPEICHERUNG VON ERNEUERBAREM STROM

      errechnet. Wind- und Sonnenenergie müssen zumindest saisonal zwischengespeichert werden, das geht nicht mit Batterien, sondern am ehesten mit Wasserstoff oder daraus abgeleiteten chemischen Speicherlösungen. Somit erfordert die Zwischenspeicherung hohe Verluste und der hohe Wirkungsgrad der reinen Elektrofahrzeuge, um den herum die gesamte Gesetzgebung aufgebaut ist, wird sich nie bewahrheiten.

      Eine zielführende Gesetzgebung regelt die angestrebten Ziele, nicht Technologie.

      Noch ist Zeit, dieses lang bewährte Prinzip zu beherzigen, und mehr Technologieoffenheit zuzulassen.

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