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Gastkommentar Wie eine Corona-Ökonomie aussehen muss

Die Zentralbanken sind für die Blase verantwortlich, die Corona nun zum Platzen bringt. Jetzt gilt es, Firmen und Banken vor Insolvenzen zu retten.
15.03.2020 - 09:44 Uhr 8 Kommentare
Hans-Werner Sinn ist Ökonom und war Chef des Ifo-Instituts.
Der Autor

Hans-Werner Sinn ist Ökonom und war Chef des Ifo-Instituts.

Der Kampf gegen das Coronavirus ist ein Krieg. China scheint eine Schlacht gewonnen zu haben. Hongkong, Taiwan, Singapur und Japan haben sichtbare Erfolge erzielt. Europa und die USA sind indes gerade erst dabei, von ihrem Traum der Unverwundbarkeit zu erwachen, denn nun wütet die Pandemie auch dort.              

Das am schlimmsten von der Krise betroffene Land der westlichen Welt ist Italien, dessen Industriegebiete im Norden besonders regen Austausch mit China pflegten. Norditalien ist das zweite Wuhan. Die italienische Regierung hat deshalb das ganze Land unter Quarantäne gestellt. Die Leute sollen zu Hause bleiben. Private und öffentliche Zahlungsverpflichtungen wie Miet- und Zinszahlungen sind suspendiert. Man versucht, die ökonomische Uhr zu verlangsamen, damit das Virus sich totläuft. 

Deutschland hat bislang nur sehr wenige Corona-Tote, doch schnellen die Infektionszahlen so rasant in die Höhe wie überall auf der Welt. Die deutsche Regierung hat ein Kurzarbeitergeld eingeführt und großzügige Kredithilfen, Bürgschaften oder Steuerstundungen für bedrängte Unternehmen gewährt.

Überall im Land werden die Veranstaltungen abgesagt. Schulen werden geschlossen. Die Grenzen nach Italien sind schon längst von den Österreichern geschlossen worden, genauso wie die österreichischen Läden und Schulen. Dänemark, Polen und Tschechien schließen die Grenzen zu Deutschland. Spanien und Frankreich schließen die Läden und Restaurants.

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    In den USA hat der Präsident den nationalen Notstand ausgerufen. Der Kongress hat ein 8,3 Milliarden Dollar schweres Notfallprogramm zur Eindämmung der Seuche beschlossen. Und eine noch viel größere Summe ist angekündigt. Chinesen und Iranern wurde schon früh die Einreise verwehrt. Nun dürfen auch Europäer nicht mehr kommen.

    Handelsblatt Morning Briefing - Corona Spezial

    Nicht alle Maßnahmen sind zielgenau, und viele sind nicht radikal genug. Bedenklich ist die Teilkapitulation mancher Regierungen, die sich ostentativ damit begnügen, die Durchseuchung der Gesellschaft zu verlangsamen, anstatt sie zu verhindern. Die Gefahren, die bei der nun schon sicheren Überlastung der Krankenhäuser drohen, sind enorm. 

    Eine heftige Rezession ist nicht mehr zu vermeiden. Manche Ökonomen schlossen daraus, dass man dagegen nun mit nachfragestimulierenden Maßnahmen angehen solle. Diese Position überzeugt nicht wirklich, denn die Weltwirtschaft leidet nicht unter einem Nachfrage-, sondern unter einem Angebotsmangel. Es fehlt an Menschen auf den Arbeitsplätzen, weil sie krank sind oder sich richtigerweise in Quarantäne befinden.

    In einer solchen Situation würden Maßnahmen zur Belebung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage allenfalls einen Inflationsschub auslösen. Es käme zu einer Stagflation wie schon in den 1970er-Jahren während der Ölkrise, als ein anderer wichtiger Produktionsfaktor fehlte. 

    Aber nicht nur das, nachfragestimulierende Maßnahmen könnten sogar kontraproduktiv sein, denn sie würden dem gesundheitspolitisch Gebotenen entgegenwirken, weil sie die Kontaktaufnahme der Menschen fördern. Was sollte zum Beispiel ein Land wie Italien davon haben, wenn man den Leuten mehr Geld in die Hand gibt, damit sie mehr einkaufen können, wenn die Epidemiologen sagen, dass die Läden geschlossen bleiben und die Menschen zu Hause bleiben sollen.

    Zentralbanken haben Pulver schon verschossen

    Ähnliches gilt für Liquiditätshilfen. Die Welt schwimmt ohnehin schon in Liquidität, und bekanntlich sind die Zinsen überall in der Nähe von null oder gar negativ. Noch mehr Zinssenkungen in den tiefroten Negativbereich würden vielleicht den Börsen helfen, doch zugleich würden sie einen Run auf das Bargeld erzeugen.

    Der Börsencrash war unter diesen Umständen unvermeidbar. Die Zentralbanken haben ihr Pulver bereits zur Unzeit verbraucht und sind verantwortlich für die Blase, die Corona nun platzen ließ. Ihre Politik des leichten Geldes und der Vergemeinschaftung der Haftungsrisiken war leichtsinnig.

    Was nun wirklich nottut, sind Maßnahmen, die die Firmen und Banken vor Insolvenzen retten, damit sie nach der Überwindung der Seuche wieder durchstarten können. Steuererleichterungen und staatliche Bürgschaften, die es den Firmen möglich machen, Überbrückungskredite von den Banken zu erhalten, gehören zu den Mitteln der Wahl. 

    Als beste Maßnahme bietet sich das in Deutschland schon seit Langem bewährte Kurzarbeitergeld an, mit dem die Unterbeschäftigung der Belegschaft ähnlich wie die Arbeitslosigkeit kompensiert wird und das kaum etwas kostet, weil es die echte Arbeitslosigkeit vermeidet. Das sollten die Länder dieser Welt kopieren. 

    Folgen des Coronavirus: So lange könnte eine Rezession dauern

    Noch wichtiger ist es, direkt gegen die Seuche vorzugehen, wie China es tat. Dabei darf es an Geld nicht fehlen. Die Kapazität der Intensivstationen der Krankenhäuser muss dramatisch erweitert werden, neue Behelfs-Krankenhäuser müssen aus dem Boden gestampft werden, Beatmungsgeräte, Schutzanzüge und Masken müssen unter großem Einsatz sofort produziert werden.

    Die Betriebe und andere öffentliche Räume müssen ständig desinfiziert werden. Sauberkeit ist das Gebot der Stunde.

    Großflächige Virustests sind einzuführen, die wesentliche Teile der Bevölkerung erfassen und noch möglichst viele der Infizierten identifizieren. Jede einzelne Identifikation kann viele Menschenleben retten. Die Kapitulation vor der Seuche ist keine Option. Dazu ist sie zu gefährlich für uns Menschen.

    Mehr: Die aktuellen Entwicklungen zur Coronakrise im Newsblog.

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    8 Kommentare zu "Gastkommentar: Wie eine Corona-Ökonomie aussehen muss"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • KuG schön und gut - aber was passiert mit mir als Inhaber und meinen (studentischen) Aushilfen?
      Wäre schön, wenn sich dieser Thematik mal jemand widmen würde...
      Beste Grüße!

    • Vielen Dank Herr Prof. Sinn. Ihre Analyse ist schlüssig: die Welt schwimmt in Liquidität, also ist noch mehr Liquidität sinnlos. Überbrückungskredite werden Unternehmen tatsächlich aus dem Tal helfen, wenn COVID-19 überwunden ist.

      Es wäre zu hoffen, dass Regierungen auf dergleichen Analysen hören, anstatt noch länger den Lobbyisten der Finanzindustrie zu vertrauen und Bürger, wie nach der Lehmann Krise, über niedrige Sparzinsen und Steuern zur Kasse zu beten.

    • Das lese ich gar nicht erst. Zeitverschwendung. Die irrwitzigen Thesen dieses ökonomischen Freaks sind derart abstrus, daß es nicht einmal richtig wäre, das Gegenteil zu behaupten.

    • Prof. Sinn hat wieder einmal bewiesen, dass er ein Erbsenzähler-Economist ist. Nur keine Schulden machen! Keynes war ein Idiot, nicht wahr, Herr Professor?

    • Prof. Sinn hat wieder einmal bewiesen, dass er ein Erbsenzähler-Economist ist. Nur keine Schulden machen! Keynes war ein Idiot, nicht wahr, Herr Professor?

    • Prof. Sinn hat wieder einmal bewiesen, dass er ein Erbsenzähler-Economist ist. Nur keine Schulden machen! Keynes war ein Idiot, nicht wahr, Herr Professor?

    • Danke für diese messerscharfe Analyse Herr Professor Sinn! Kann man nur hoffen dass unsere Oberen in Berlin das nicht nur lesen sondern auch verstehen und entsprechend handeln. Denke man nur an die Folgen und Opfer von 1929-32 und Folgejahre.

    • Endlich eine vernünftige rationale Analyse bzgl. Corona-Ökonomie von Prof. Dr. Sinn. Für so eine Analyse ist ein Herr Altmaier weit überfordert. Der faselt was von Verstaatlichung von Unternehmen ohne erklären zu können worin der Sinn der Maßnahme besteht.

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