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Gastkommentar Wie Prämien die Corona-Impfungen deutlich beschleunigen könnten

Die Produktion der zugelassenen Vakzine kommt nur langsam voran. Mehr Wettbewerb könnte helfen, finden die Ökonomen Vitali Gretschko und Achim Wambach.
31.01.2021 - 14:28 Uhr 1 Kommentar
Achim Wambach (l.) ist Präsident des ZEW Mannheim, Vitali Gretschko ist Leiter des ZEW-Forschungsbereichs Marktdesign. Quelle: ZEW
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Achim Wambach (l.) ist Präsident des ZEW Mannheim, Vitali Gretschko ist Leiter des ZEW-Forschungsbereichs Marktdesign.

(Foto: ZEW)

Um die Entwicklung und Produktion von Impfstoffen voranzutreiben, schlug im Mai vergangenen Jahres eine Gruppe von Ökonomen um den Nobelpreisträger Michael Kremer vor, das Instrument der vorgezogenen Marktverpflichtungen (Advance Market Commitments, AMCs) in großem Stil einzusetzen. Kremer hatte die AMCs eigentlich für die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen gegen Krankheiten in Entwicklungsländern konzipiert.

Der Vorschlag sah vor, dass die US-Regierung sich verpflichten sollte, die ersten 300 Millionen Dosen an Impfstoffen zum Preis von je 100 Dollar zu kaufen. Die hohe Summe sollte den Unternehmen die nötigen finanziellen Anreize geben, die Entwicklung und Produktion von Impfstoffen möglichst schnell voranzutreiben.

Die Verpflichtung hätte den Unternehmen die Sicherheit gegeben, dass nicht zu einem späteren Zeitpunkt politischer Druck auf die Produzenten ausgeübt würde, ihren Impfstoff zu einem niedrigeren Preis anbieten zu müssen oder zwangsweise günstig zu lizenzieren. Die Beschränkung auf 300 Millionen Impfdosen hätte bewirkt, dass nur die Unternehmen, die zuerst entwickelt und produziert hätten, ihren Impfstoff zu diesem hohen Preis hätten verkaufen können.

Aus dem Marktdesign wissen wir, dass ein solcher Ansatz, der dem oder den ersten erfolgreichen Unternehmen eine hohe Entlohnung in Aussicht stellt, zielführend ist, wenn man einer Gruppe von Unternehmen, die einen Impfstoff entwickeln, starke Anreize für eine zügige Entwicklung geben will. Stellt sich für die Unternehmen aber die Frage, ob sie überhaupt die Kosten aufwenden wollen, in einen solchen Wettlauf einzutreten, dann ist es besser, nicht nur den Schnellsten zu belohnen, sondern auch die Nachzügler. So sorgt man dafür, dass auch genügend Unternehmen sich beteiligen.

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    Mehr Unternehmen mit an Bord zu bekommen mag ein Grund dafür gewesen sein, warum die USA und die Europäische Union diesen zweiten Weg gewählt haben: Neben der Förderung der Forschung haben sie direkt bei vielen Unternehmen noch in der Entwicklungsphase Impfstoffe gekauft. Da nicht abzusehen war, welcher Impfstoff erfolgreich sein würde, haben die EU und die USA höhere Mengen gekauft. So hat die EU mehr als 2,3 Milliarden Dosen Impfstoffe bestellt.

    Aber auch hier wurde auf eine gewisse Auslese durch Wettbewerb gesetzt: Als die EU im November 2020 die Lieferverträge mit den Pharmaunternehmen abschloss, zeichnete sich bereits ab, wer eine gute Chance hatte, die Zertifizierungsphase erfolgreich zu durchlaufen. Nur bei diesen potenziellen Herstellern von Impfstoffen wurde bestellt.

    Anreize für eine schnellere Produktion

    Eine Konsequenz der Einzelabschlüsse mit Unternehmen ist aber, dass der Wettbewerb zwischen den Herstellern beim zügigen Aufbau von Produktionskapazitäten eine wesentlich geringere Rolle spielt. Hat ein Hersteller erst einmal einen Vertrag abgeschlossen, kann er sich sicher sein, die vereinbarte Menge des Impfstoffes abzusetzen. Folglich hat er einen geringeren Anreiz, schnell große Kapazitäten aufzubauen.

    Im vergangenen Jahr, als noch nicht klar war, ob die Entwicklung von Impfstoffen erfolgreich sein würde, und als noch kein Vertrag mit der EU vorlag, war es für die Unternehmen sehr riskant, in den Kapazitätsaufbau zu investieren. Im Falle eines Misserfolgs wären sie auf den hohen Kosten sitzen geblieben.

    Damals wäre eine direkte Förderung des Kapazitätsaufbaus sinnvoll gewesen. Zum jetzigen Zeitpunkt, da sich weitgehend gezeigt hat, welches Unternehmen erfolgreich entwickelt hat, kann allerdings eine Ankurbelung des Wettbewerbs dazu beitragen, Anreize für eine schnellere Produktion zu schaffen.

    Was bisher aus den Verträgen mit den Pharmaunternehmen bekannt ist, deutet nicht darauf hin, dass ein wettbewerblicher Anreiz für die Produktion berücksichtigt wurde, etwa dadurch, dass zumindest ein Teil der Zahlungen davon abhängig ist, ob andere Produzenten schneller produzieren oder nicht.

    Bonus für zusätzliche Impfungen

    Eine Möglichkeit, jetzt für mehr Wettbewerb zu sorgen, könnte ein neu aufzulegender europäischer Fonds sein. Mit Zahlungen aus dem Fonds würden diejenigen Hersteller belohnt, deren Impfstoff tatsächlich zügig verimpft wird. Denkbar wäre beispielsweise, in Anlehnung an das Instrument der wettbewerblichen AMCs, eine hohe Bonuszahlung für Impfungen, die zusätzlich zu den vertraglich vereinbarten durchgeführt werden. Dieser Bonus nimmt mit der Zeit ab und fällt auf null, sobald ein bestimmter Anteil der Bevölkerung geimpft ist.

    Das Bestreben, bei der Entwicklung eines Impfstoffs als eines der ersten Unternehmen erfolgreich zu sein, hat beeindruckende Kräfte freigesetzt. Auch für eine zügige Produktion der Impfstoffe sollte mehr auf den Wettbewerb gesetzt werden.
    Die Autoren: Achim Wambach ist Präsident des ZEW Mannheim, Vitali Gretschko ist Leiter des ZEW-Forschungsbereichs Marktdesign.

    Mehr: Novavax-Impfstoff zeigt starke Wirkung – zum Teil auch gegen Virus-Mutationen

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    1 Kommentar zu "Gastkommentar: Wie Prämien die Corona-Impfungen deutlich beschleunigen könnten"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wie wäre es denn ganz einfach mit der Erfüllung abgeschlossener Verträge? Ist das jetzt bereits prämienwürdig?

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