Gastkommentar: Zehn Punkte, wie wir Deutschland zur Innovationsnation machen
Thomas Sattelberger ist Sprecher für Innovation, Bildung und Forschung der FDP-Bundestagsfraktion. Bei der Deutschen Telekom und bei Continental war er Personalvorstand.
(Foto. Imago/Argum)
Foto: HandelsblattDeutschlands Innovationspolitik erodiert. Nicht, weil der Staat zu wenig Geld ins System pumpt. Vielmehr hakt es an Bürokratie, mentalen Silos, fehlgeleiteten Anreizen, großen Egos und Abkopplung vom Unternehmertum. Zu selten lassen sich Ideen kluger Köpfe ummünzen in skalierende Geschäftsmodelle, Dienstleistungen, Produkte – also in Wachstum, neue Jobs, neue Perspektiven.
Das Transferproblem der Forschung: seit Jahren beklagt, seit Jahren hingenommen. Anderswo haben Innovationsnationen längst neue Hightech-Spielbeine aufgebaut. Bei uns dominieren noch Maschinen-, Anlagen- und Automobilbau. Wie verbessern wir Deutschlands Lage? An zehn neuralgischen Punkten:
1. Strategien strategisch machen – mit intelligenten Prognose-Prozessen, technologieoffenen Missionen, ehrlicher Stärken-Schwächen-Analyse, innovativen Nationen als Messlatte und stringentem Projektmanagement, das Fortschritt mit Ziel- und Leistungs-Indikatoren misst. All dies fehlt bei Tech-Strategien des Bundesforschungsministeriums (BMBF).
2. Forschungssystem reformieren – mit neuen Entscheidungsprozessen, Führungsstilen, agilen Arbeitsformen – allen voran im BMBF selbst. Daneben müssen wir den Pakt für Forschung und Innovation für die außeruniversitären Forschungseinrichtungen (AuF) Fraunhofer, Helmholtz, Leibniz, Max Planck endlich mit Erfolgsindikatoren steuern: Ausgründungen, Top-100-Forscherplatzierungen, Lizenzeinnahmen, personelle Diversität. Ein Teil der Fördersumme sollte in den Wettbewerb zwischen den AuF fließen bei risikointensiveren, unkonventionellen Herausforderungen. Und: Für synergetisch-strategische Aufgaben (Innovationsnetzwerke, Transferpolitik, Urheberrechte- und Talentmanagement) brauchen die AuF eine gemeinsame Plattform.