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Kolumne – Asia TechonomicsAsiens Powerfrauen sorgen für Milliardenwerte im Tech-Sektor

Grabs Co-Gründerin Tan gehört zu den zu Unrecht unbekannten Unternehmerinnen hierzulande. Dabei ist Asiens Techwelt teilweise weiblicher als die der USA oder Europas.Nicole Bastian 05.05.2021 - 16:10 Uhr Artikel anhören

In der wöchentlichen Kolumne schreiben Handelsblatt-Korrespondenten im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in Asien.

Foto: Klawe Rzeczy

Frauen tragen die Hälfte des Himmels, hat Mao Tse-tung einmal gesagt, aber die Hälfte der Tech-Welt haben sie noch lange nicht erobert. Der milliardenschwere Börsengang von Südostasiens Alleskönner-App Grab ist aber eine Bestätigung für Asiens Frauen im Tech-Sektor. Schließlich hat Hooi Ling Tan aus Malaysia das Unternehmen vor neun Jahren gemeinsam mit dem heutigen CEO Anthony Tan gegründet.

Ohne ihre Erfahrungen, wie gefährlich das Taxifahren in der Hauptstadt Kuala Lumpur war, wäre die Firmenidee nie entstanden, damals, als beide Gründer gemeinsam in Harvard studierten. Heute ist die Endvierzigerin Tan COO des Fahrdienstleisters, der sich zum Rundumanbieter von Finanz- bis Lieferdiensten entwickelt hat. Multimillionärin ist sie natürlich auch. Und eine von Asiens Vorzeigefrauen im Techsektor.

Von denen gibt es noch zu wenige. Und die, die es gibt, sind in Deutschland oft zu Unrecht unbekannt. Aber erstaunlich ist: Ostasien hat bei der Frauenpower im Tech-Bereich die USA und Europa in einigen Bereichen bereits überholt.

Zugegeben, ein wenig bezeichnend ist es schon, dass nicht Hooi Ling Tan im Rampenlicht steht, sondern ihr männlicher Mitgründer, der auch die Mehrheit der Stimmrechte halten wird. Dennoch ist sie eines der wichtigsten Vorbilder für den weiblichen Gründernachwuchs.

In China gehört Lucy Peng zu den Vorzeigefrauen, die als eine der Mitgründerinnen von Alibaba und Ant Financial heute Milliardärin ist. In Japan die Computerwissenschaftlerin und Mehrfachgründerin Miku Hirano, die ihre jetzige Videoplattformfirma Cinnamon in Singapur gestartet hat und von Taiwan aus steuert. In Korea die Ex-Bankerin Sophie Kim, deren Übernacht-Lieferdienst Market Kurly floriert.

In China liegt der Frauenanteil bei Wagniskapitalgebern über dem der USA

Die Frauenpower im Technologiesektor ist ein Wettbewerbsfeld, wo man den rivalisierenden Großmächten USA und China nur wünschen kann, dass sie sich gegenseitig in Konkurrenz zum anderen verbesserten.

Die Endvierzigerin ist COO des Fahrdienstleisters Grab.

Foto: Bloomberg

China läuft mittlerweile den USA den Rang ab beim Anteil der Frauen, die Internet-Start-ups gründen, rechnete „Forbes“ jüngst vor. Zwei Drittel der Self-Made-Milliardärinnen der Welt kommen aus China. Und auch beim Anteil weiblicher Investing Partners in Wagniskapitalfirmen hat China die USA überholt. Allerdings waren die gerade einmal 4,9 Prozent auch nicht so schwer zu übertreffen.

Weibliche Wagniskapitalgeberinnen wie Jenny Lee von GGV Capital aus Schanghai oder Jing Hong, die Gaocheng Capital in Peking mitgegründet hat, könnten entscheidend sein. Denn Studien zufolge investieren weibliche Wagniskapitalgeberinnen mit dreifacher Wahrscheinlichkeit in weibliche Gründerinnen wie ihre männlichen Kollegen.

Heute schon liegt der Anteil berufstätiger Frauen in Ostasien in der Gesamtwirtschaft über dem Weltdurchschnitt und auch über dem der EU. Im Tech-Sektor in Südostasien sind nach einer Studie 32 Prozent der Tech-Beschäftigten Frauen und damit mehr als weltweit, wo es nur 28 Prozent sind. Ganz vorne sind Thailand und Singapur.

Asia Techonomics
Immer noch wird in Deutschland weitaus breiter und tiefer über Wirtschafts- und Innovationstrends aus den USA berichtet als aus Asien. Zu Unrecht, finden wir. In unserer wöchentlichen Kolumne Asia Techonomics wollen wir Ihnen deshalb die spannendsten Innovations- und Wirtschaftstrends aus der dynamischsten Region der Welt nahebringen.Im vergangenen Jahr hat die gesamte Region Asien dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge 1,6 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung verloren – weitaus weniger als die USA oder Europa. Im laufenden Jahr wird dieser Rückgang mit einem erwarteten Wachstum von 7,3 Prozent weit mehr als kompensiert. Damit festigt Asien seine wirtschaftliche Bedeutung für die Welt. Während Europa in die dritte Covid-Welle rutscht, sind die Infektions- und Todeszahlen seit Ausbruch der Pandemie in Asien weitaus besser. Nicht zuletzt die Coronakrise hat gezeigt, dass sich der genauere Blick nach Asien lohnt, um für das eigene Land zu lernen.Wir sehen, dass unsere Leser sich für genau diese Themen interessieren. Deshalb wollen wir mit Asia Techonomics von nun an jede Woche einen Blick werfen auf neue Technologieideen aus Japan oder China, Milliardenkonzerne, die in Südkorea oder Indonesien den Börsenmarkt aufmischen, Tech-Investitionen in den indischen Markt, Tests vom Kuschelroboter bis zum Laborfleisch-Restaurant. Viel Spaß wünscht Nicole Bastian!

Das heißt noch lange nicht, dass diese Frauen gleichberechtigt arbeiten wie ihre männlichen Kollegen. Bei den höherrangigen Posten sinkt ihr Anteil. Und die Gefahr ist, dass ein Teil der Frauenjobs im Techsektor Asiens durch die Automatisierung wegfallen. Der Anteil der Forscherinnen in Naturwissenschaften und Technologie, der weltweit schon nur 30 Prozent beträgt, liegt in Asien-Pazifik bei gerade einmal 23 Prozent. Mehr Qualifizierung ist hier zentral.

Kaderschmiede USA ist für viele Gründerinnen noch der erste Schritt

Viele der erfolgreichen asiatischen Unternehmerinnen gründen heute nach Stationen in den USA. Das war bei Hooi Ling Tan von Grab so, bei Sophie Kim von Market Kurly - und auch bei Jean Liu, der Chefin von Chinas größtem Fahrdienst Didi Chuxing.

Auffällig ist die Männerdominanz in Indien. Frauen wie Gazal Kalra, Co-Gründerin des Logistikunternehmens Rivigo, sind hier die große Ausnahme. Ebenso die erst 31 Jahre alte Co-Gründerin Ankiti Bose, deren Mode-Handelsplattform Zilingo kurz vor dem Einhorn-Status steht. Sie sagte kürzlich: „Wir müssen Männer trainieren, Teil der Lösung zu sein. Du kannst nicht ein Problem für die eine Hälfte der Bevölkerung lösen, ohne die andere Hälfte einzubeziehen.“ Das klingt doch so, als ob zumindest die Powerfrauen selbst die Hälfte des Himmels ins Visier nehmen.

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In der Kolumne Asia Techonomics schreiben Nicole Bastian, Dana Heide, Martin Kölling und Mathias Peer im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in der dynamischsten Region der Welt.

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