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Märkte-InsightDas Ende der Sommerflaute

Die Zinsentscheidung der US-Notenbank dürfte die stagnierenden Aktienkurse in Bewegung bringen. Angst vor einem Absturz müssen die Investoren dabei nicht haben.Jürgen Röder 25.07.2023 - 18:00 Uhr
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Das Dax-Plus von 15 Prozent seit Jahresanfang lässt eher schwächere Kurse in der Sommerpause vermuten.

Foto: Reuters

Am deutschen Aktienmarkt ist geduldiges Abwarten angesagt. Der deutsche Leitindex Dax notiert auf einem ähnlichen Niveau wie Anfang Mai, und in den vergangenen neun Handelstagen hat sich die Bandbreite der Ausschläge weiter verringert. Seit dem 13. Juli ist nach oben bei 16.240 Zählern Schluss, auf der Unterseite bei 15.595 Zählern. Doch dieser Seitwärtstrend dürfte bald ein Ende finden.

Für Jörg Scherer, technischer Analyst bei HSBC Deutschland, steht fest: „In welche Richtung es in den kommenden Wochen gehen wird, darüber dürfte die Reaktion auf die Zinssitzung der US-Notenbank Fed entscheiden.“

Das Ergebnis wird am Mittwochabend erst nach Börsenschluss in Deutschland feststehen. Scherer hält es für wahrscheinlich, dass der Dax am Ende dieser Woche sich entweder einem neuen Allzeithoch nähert, also der Marke von 16.427 Punkten, oder wieder unter die 16.000er-Marke fällt. Im Falle eines Kursrutsches dürfte nach Meinung des technischen Analysten anschließend der Bereich rund um 15.400 Zähler als erste neue Zielmarke in Betracht kommen

Wohin die Reise geht, ist schwer zu prognostizieren. Das Dax-Plus von 15 Prozent seit Jahresanfang lässt eher schwächere Kurse in der Sommerpause vermuten, zumal August und September Börsenmonate mit durchschnittlich negativer Performance sind.

Hinzu kommt die große Bedeutung der Marke von 16.300 Punkten. Seit anderthalb Jahren versucht das deutsche Börsenbarometer vergeblich, die Marke nachhaltig zu überwinden, also per Tagesschluss und zur Eröffnung am Folgetag. Das hat der Dax noch nicht geschafft.

Kaum neue Rekorde im Sommer

Nachhaltig neue Dax-Rekorde in den Sommermonaten gab es zumindest seit der Jahrtausendwende nicht mehr, stets rutschten die Kurse wieder ab. Das einzige halbwegs respektable Gegenbeispiel ist das Jahr 2013. Damals stieg der Dax Mitte September auf ein Rekordhoch von über 7700 Punkten, anschließend gab er aber wieder drei Prozent nach. Erst danach kletterte der Leitindex auf neue Rekordstände oberhalb von 9500 Zählern.

Ein positiver Faktor für den Aktienmarkt ist die derzeit niedrigere Investitionsquote, ablesbar an den Daten des Analysehauses AnimusX. Es steht also wieder mehr Geld zur Verfügung, das den Index nach oben treiben könnte. Das war beispielsweise im Jahr 2021 anders. Damals verhinderte eine hohe Investitionsquote, dass der Dax im August und September nachhaltig die Marke von 16.000 Punkten überwinden konnte.

Nicht ernst nehmen sollten Anleger das Horrorszenario, das der Zins-Chart der Europäischen Zentralbank (EZB) auf den ersten Blick nahelegt. Der Blick auf den Chart zeigt wenig Erfreuliches. Es gab nur zwei Zeiträume, in denen der Zins über der Marke von vier Prozent lag – von Juni 2000 bis September 2001 und von Juli bis Oktober 2008. In beiden Fällen stürzten die Börsen anschließend ab. Zur Jahrtausendwende platzte die Technologieblase, 2008 gab es die Finanzkrise.

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Sollte die EZB am Donnerstag die Zinsen wie erwartet um 25 Basispunkte erhöhen, würde der Satz mit 4,25 Prozent ein ähnliches Niveau erreichen. Doch der Realzins lag damals auf einem völlig anderen Niveau, ablesbar an der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, die als Benchmark am Markt für festverzinsliche Wertpapier gilt. Zur Jahrtausendwende lag die Rendite bei über fünf, teilweise sogar über 5,5 Prozent.

Während der Sommermonate 2008 konnten Anleger mit dieser Bundesanleihe eine jährliche Rendite von bis zu 4,6 Prozent erzielen. Derzeit sind es nur 2,4 Prozent. Deswegen dürfte sich die Historie zum Glück für die Aktieninvestoren wohl nicht wiederholen.

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