1. Startseite
  2. Meinung
  3. Kolumnen
  4. Run auf den Bondmarkt – nicht nur bei Aktien hat sich die Stimmung aufgehellt

Märkte-InsightRun auf den Bondmarkt – Schuldner profitieren von guter Stimmung

Unternehmen und Staaten nutzen die gestiegene Risikofreude, um so viele Anleihen zu begeben wie lange nicht. Das ist vernünftig, denn ob die gute Stimmung hält, ist ungewiss.Andrea Cünnen 10.01.2023 - 18:14 Uhr
Artikel anhören

Laut der Handelsblatt-Redakteurin wollen Unternehmen die derzeit gute Stimmung am Anleihemarkt für sich nutzen.

Foto: dpa, Handelsblatt Montage

Der Markt für neue Anleihen kommt in diesem Jahr schnell in Schwung: Mehr als 80 Unternehmen und Staaten haben im Euro-Raum seit Anfang Januar schon neue Anleihen über zusammen gut 120 Milliarden Euro begeben. So viele Schuldner sind in so kurzer Zeit schon lange nicht mehr an den Anleihemarkt geeilt.

Die Nachfrage war größer als noch im vergangenen Herbst. Neue Anleihen von zum Beispiel Italien, dem Autokonzern Renault, dem Versorger Eon oder dem europäischen Rettungsschirm EFSF waren bis zu dreifach überzeichnet.

Auch die Zinskosten sind in den vergangenen Monaten für viele Emittenten wieder gesunken – sie müssen nicht mehr ganz so viel für ihre Anleihen bezahlen. Das gilt besonders für Unternehmen. Im Oktober lag die durchschnittliche Rendite für Euro-Zinspapiere von Unternehmen mit guter Bonität noch bei 4,5 Prozent, jetzt sind es vier Prozent.

Die Zahlen zeigen: Nicht nur an den Aktienmärkten, sondern auch an den Anleihemärkten hat sich die Stimmung aufgehellt. Dafür gibt es mehrere Gründe. Aktionäre und Anleihebesitzer hoffen, dass die Inflation ihren Höhepunkt überschritten hat, die Zentralbanken die Leitzinsen nicht mehr ganz so stark anheben und die Rezession im Euro-Raum weniger stark ausfällt und in den USA womöglich ganz ausbleibt. Das hat eben nicht nur die Aktienkurse, sondern auch die Anleihekurse steigen lassen. Bei den Anleihen sanken im Gegenzug die Renditen und die Risikoaufschläge.

Das macht die Refinanzierung für Schuldner zumindest wieder etwas günstiger. Sie müssen allerdings für ihre Anleihen immer noch sehr viel mehr bezahlen als vor einem Jahr. Damals lag die durchschnittliche Rendite für Euro-Anleihen von Unternehmen mit guter Bonität bei nur gut einem halben Prozent.

Unternehmen zapfen den Markt an

Jetzt nutzen Unternehmen und auch andere Schuldner die gute Stimmung, um sich möglichst viel Geld zu leihen. Das brauchen sie auch, denn im vergangenen Jahr mussten viele wegen der turbulenten Märkte ihre Refinanzierungspläne zurückstellen. Nach Daten der französischen Großbank Société Générale begaben Unternehmen mit schwacher Bonität 2022 neue Anleihen im Volumen von knapp 28 Milliarden Euro. Das war nur gut ein Fünftel der Emissionen aus dem Vorjahr und so wenig wie zuletzt im Jahr 2009. Firmen mit guter Bonität begaben Bonds über 243 Milliarden Euro und damit 17 Prozent weniger als 2021.

Von daher tun Unternehmen nach Ansicht von Investmentbankern wie Marco Baldini von der britischen Großbank Barclays gut daran, den Markt jetzt anzuzapfen. Denn wie viele Analysten sieht auch Baldini noch eine „Menge Unsicherheit“. Das bedeutet: Die Stimmung kann schnell wieder kippen, dann würde es für Schuldner erneut schwerer und teurer, an Geld von den Anleiheinvestoren zu kommen.

Noch ist es allerdings nicht so weit. Die Risikofreude der Investoren ist kaum gebrochen, und davon profitieren die Anleihen von Unternehmen oder riskanteren staatlichen Schuldnern wie Italien. Auch die Aktienmärkte zeigten sich am Dienstag nach dem fulminanten Jahresstart noch ziemlich robust.

Der deutsche Leitindex Dax verlor bis zum Handelsende 0,1 Prozent auf 14.775 Punkte. Das ist wenig angesichts des Anstiegs von über sechs Prozent seit Jahresbeginn und dem Plus von mehr als 20 Prozent, die seit Ende September zu Buche stehen. Auch die Wall Street lag im frühen Handel nur leicht im Minus.

Verwandte Themen
Italien
Volvo
Renault
Dax

Solange die Risikofreude der Investoren hält, wollen die Unternehmen sie nutzen. Konzerne wie der schwedische Lkw-Bauer Volvo, der südkoreanische Autohersteller Hyundai oder die spanische Bank BBVA haben für die nächsten Tage neue Anleihen angekündigt.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt