Essay: Suche nach einer Klima-Utopie – Rückkehr nach Ecotopia
Im derzeitigen Kampf um den Klimawandel wirkt eine Utopie wie „Ecotopia“ alles andere als weltfremd und naiv.
Foto: Getty Images, Imago (2), DpaDer erste Schock traf mich in dem Moment, als ich auf die Straße trat.“ Als der New Yorker Reporter William Weston nach seiner Ankunft in San Francisco den Bahnhof verlässt, erschlägt ihn die Stille. Erwartet hat er ein lebhaftes Treiben mit dem Sound einer Millionenstadt, in seinem Kopf trug er die Bilder von Blumenkindern und den berühmten Straßenbahnen.
Doch was er sieht, sind Fußgänger und für Autos gesperrte Fahrradstraßen. „Niemand schien es in dieser Stadt eilig zu haben“, notiert er in sein Notizbuch. Elektrische Minibusse surren vorbei. „Es lag eine seltsame Ruhe über allem.“
William Weston trifft an der Westküste auf eine ihm völlig fremde Welt. San Francisco ist die Hauptstadt von Ecotopia, einem Staat, der sich von den USA zwei Jahrzehnte zuvor abgespalten hat. Auf dem Gebiet von Nordkalifornien, Oregon und Washington leben 16 Millionen Menschen in einer hochtechnisierten und zugleich strikt ökologisch orientierten Gesellschaft.
Die beiden Amerikas wissen nichts voneinander. Die US-Regierung versuchte gewaltsam, die abtrünnigen Gebiete zurückzuerobern, doch die Invasion scheiterte. Tausende Soldaten starben. Die diplomatischen Beziehungen wurden abgebrochen.