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Handelsblatt-DebatteVorbild Italien: Sollte auch Deutschland eine 3G-Pflicht am Arbeitsplatz bekommen?

Die Handelsblatt-Leserschaft debattiert, ob Deutschland eine harte 3G-Regelung für Berufe benötigt. Lesen Sie hier eine Auswahl ihrer Kommentare. 21.10.2021 - 15:14 Uhr Artikel anhören

Deutschland diskutiert über die Schutzmaßnahmen in Büro und Fabriken gegen eine Infektion mit Corona.

(Foto: IMAGO / Bihlmayerfotografie)

Foto: Handelsblatt

Von Dolce Vita wie in Vor-Corona-Zeiten dürfen die Menschen in Italien derzeit nur träumen: Seit Freitag gilt dort in allen Berufen die 3G-Pflicht. Wer weder geimpft noch genesen oder negativ getestet ist, wird vom Dienst suspendiert – ohne Gehalt. Ein Modell mit Vorbildcharakter, um endlich Impffaule an die Nadel zu bekommen, finden einige unserer Leser.

Andere halten das italienische Konzept nicht nur für nutzlos, sondern auch für einen zu schwerwiegenden Eingriff in das Leben der Menschen. Und dann gibt es noch Führungskräfte, die sich von der Regierung zumindest ein wenig mehr Handhabe wünschen, wen sie in ihre Büros reinlassen dürfen.

Noch-Gesundheitsminister Jens Spahn hat zwar schon für November das Ende der pandemischen Lage angekündigt. Doch das bedeute nicht das Ende der Maßnahmen. Weder würden die Masken fallen, noch werde 3G wieder für eine gerade noch halbwegs ausreichende Internetgeschwindigkeit stehen. Stattdessen naht der Winter und mit ihm die Angst vor steigenden Zahlen.

Kein Wunder, dass das Thema die Handelsblatt-Leserschaft bewegt. Nie zuvor haben uns zu einem Thema mehr Kommentare, Messages und E-Mails erreicht. Eine Auswahl der prägnantesten Zusendungen haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Das mutlose Verhalten der deutschen Politiker

„Der einleitende Satz dieses Absatzes ist aus meiner Sicht absolut falsch herum gedacht. Dank 3G wird es in Italien sehr schnell wieder das ‚Dolce Vita‘ geben, und das ist auch gut so!
Die verbindliche 3G-Regel wäre aus meiner Sicht der Minimalkompromiss, den die Gesellschaft aushalten sollte. Diese verbindliche Regelung im Umgang miteinander würde nicht nur dem Einzelnen helfen, in dem sie die gefühlte Sicherheit erhöht und auch das Vertrauen in das eigene Umfeld stärkt, sondern endlich auch den Unternehmen die Handhabe geben, die Rückkehr in Betriebe und Büros so zu organisieren, dass das Infektionsrisiko planvoll reduziert werden kann.
Die Diskussion in Deutschland ist aus meiner Sicht wieder eine Scheindebatte, die aus Mangel an Mut der politischen Entscheider öffentlich ausgetragen wird. Die politische Klasse setzt sich in die Talkshows und lässt sich im ,Heute Journal‘ darüber aus, was man nicht machen will, um danach die Meinungsforscher loszuschicken und so ein Plebiszit zu erreichen, dass man als eigene Maßnahme verkauft. Das Gleiche mutlose Verhalten haben wir erlebt, als es beispielsweise um den zweiten Lockdown ging. Also hoffen wir darauf, dass die neue Regierung auch in dieser Hinsicht wieder führt, wenn Führung benötigt wird. Moderatoren belassen wir lieber im Fernsehen.
Wenn es nach meinen Mitarbeitern ginge, wäre im Übrigen schon lange 2G-Pflicht! Leider aber habe ich für eine solche Regelung keine Handhabe.“
Dr. Benjamin Vordemfelde

Einen schweren Verlauf bewusst in Kauf nehmen

„Die Einführung einer 3G-Regel auch am Arbeitsplatz würde in Deutschland bedeuten, dass wir auf eine Impfpflicht hinauslaufen, die politisch scheinbar doch nicht gewollt war. Die finanzielle Situation für alle, die sich nicht impfen lassen wollen, würde sich dramatisch verschlechtern.
Warum geht man nicht den anderen Weg und hebt alles auf? Alle hatten ein Angebot zum Impfen und können so überwiegend einen schweren Verlauf der Krankheit verhindern. Alle nicht Geimpften nehmen einen schweren Verlauf bewusst in Kauf (mit Ausnahme derer, die sich nicht impfen lassen können). Damit würden die freiheitlichen Prinzipien wiederhergestellt.“
Gunnar Stirner

Vorbild Italien

„Hier ist Italien Vorbild. Eigenverantwortung heißt auch bezahlen für das, was man macht. Das ist kein Impfzwang, sondern Konsequenzen tragen. Man hat ja die Wahl.
Wenn Unternehmen die Verantwortung haben, dass am Arbeitsplatz bestimmte Temperaturen und Helligkeitsniveaus herrschen, dann haben sie auch die Verantwortung für eine virenfreie Umgebung. Das bringt für die Unternehmen und Gesellschaft genug Aufwand. Der Sozialstaat ist dann wieder zu Recht gefordert, wenn nicht geimpfte Personen beim Arzt und auf der Intensivstation landen.“
Franz Rebstock

Für manche bleibt nur der Weg durch die Infektion

„Die 3G-Pflicht mit beruflichen Konsequenzen halte ich in Deutschland für nicht angebracht. Zudem würde es auch gegen das Grundgesetz verstoßen, da es noch keine Impfpflicht in Deutschland gibt.
2G-Regeln auf freiwilliger Basis bei Veranstaltungen und Events wird sicher noch die Impfbereitschaft bei Unentschlossenen erhöhen. Für alle anderen bleibt wahrscheinlich nur der Weg, durch die Infektion zu genesen. Und ich hoffe, dass die Genesung ohne schweren Verlauf erfolgt.
Dann können wir in naher Zukunft als Gesamtgesellschaft wieder zu unserem normalen Leben zurückkehren, ich freue mich darauf!“
Stephan Fuchs

Auch Geimpfte weiter testen

„Unter der Prämisse, dass die Tests kostenfrei für die Mitarbeiter sind, halte ich es für eine gute Regelung. Was ich problematisch sehe, ist, wenn Geimpfte nicht getestet werden, da ja auch diese Corona weitertragen können und somit als versteckte Überträger unterwegs sind.
Meiner Meinung nach wäre eine zusätzliche oder ersetzende Maßnahme ein Antikörpertest aller, auch bei Personen, die kein Corona hatten. Dieser könnte zumindest belegen, ob der Körper mit Abwehrstoffen gegen Corona ‚gut‘ ausgestattet ist.“
Thomas Ansorge

Handhabe für Arbeitgeber ‧schaffen

„Ein heikles Thema – aber als verantwortliche Führungskraft treibt mich das Thema grundsätzlich um. Für Betriebsfremde kann man mittels Hausrecht alles verhängen und danach handeln. Aktuell gilt für Betriebsfremde 3G bei meinem Arbeitgeber – so weit, so gut.
Die eigenen Mitarbeiter können aber tun und lassen, was sie wollen. Als Arbeitgeber können wir nur Tests anbieten und mit Engelszungen darum bitten, diese Möglichkeit wahrzunehmen. Ich bin nicht dafür, den Mitarbeitern mit Angst um den Job zu begegnen – Mitarbeiterbindung ist wichtiger denn je. Aber eine Handhabe, die Impfunwilligen zum Testen zu bringen, wäre echt hilfreich in diesem Land.“
Sven Hertzschuch

Die Ernsthaftigkeit hat in Deutschland nachgelassen

„Ich bin gestern von einem einwöchigen Urlaub in Italien zurückgekommen. Ich war beeindruckt von der Gründlichkeit, mit der die digitalen Impfpässe kontrolliert wurden: Ob es Restaurants, die Arena von Verona oder das Museum Castelvecchio waren, überall wurde der Impfpass überprüft. Und zwar nicht mit einem flüchtigen Blick auf den QR-Code, sondern mit der entsprechenden Prüf-App.
Auch die Maskenpflicht wird viel ernster als in Deutschland genommen – auch bei größeren Menschenansammlungen im Freien werden selbstverständlich von 95 Prozent der Menschen Masken getragen.
Das liegt sicher an den traurigen Erfahrungen, die die Italiener gemacht haben, zeigt aber auch, dass sie das Problem mit einer Ernsthaftigkeit angehen, die bei uns leider nachgelassen hat. Insofern finde ich also, dass die 3G-Pflicht im Berufsleben auch in Deutschland eingeführt werden sollte.“
Matthias Kozlowski

Lasst das die Krankenversicherungen regeln

„Bisher waren wir solidarisch – mit Rauchern, Trinkern, Extremsportlern … Alle sind gleichermaßen krankenversichert, genießen den gleichen Kündigungsschutz, Lohnfortzahlung etc.
Bei Corona soll es jetzt anders werden? Das macht keinen Sinn, oder es ist der Einstieg in eine andere Gesellschaft – ein anderer Begriff für Politikversagen.
Lasst das die Krankenversicherungen regeln – Tarife für Säufer, Raucher, Extremsportler … und Ungeimpfte.“
Sebastian Haubold

Reiche Länder müssen mehr impfen

„Wenn wir die Pandemie wenigstens in Europa einigermaßen unter Kontrolle bringen wollen, dann geht das nur auf diese Weise. Nichtgeimpfte, Querdenker und Impfgegner gefährden die Kontrolle über diese Heimsuchung.
Da der nicht geimpfte Rest der Welt in der heutigen Zeit der Globalisierung immer noch ein nicht zu unterschätzendes Infektionsrisiko darstellt, müssen die reichen Länder dafür Sorge tragen, dass mit Einsatz von Geld und Know-how mehr geimpft wird. Sonst wird die Pandemie ein nicht endendes Problem für alle.“
Werner Brandner

Gleichbedeutend mit der Impfpflicht

Eine 3G-Pflicht für alle Berufe unter der Androhung von Suspendierung ohne Lohnfortzahlung ist meiner Meinung nach vollkommen überzogen. Das ist gleichbedeutend mit der Impfpflicht, die ja niemand will.
Im Gegenteil, wir haben mittlerweile eine Impfquote von über 80 Prozent der Erwachsenen, das ist mehr als die am Anfang der Pandemie angestrebten 75 Prozent, die den Herdenschutz ermöglichen sollten.
Trotzdem wird an allen Coronamaßnahmen festgehalten, es gibt keine Erleichterungen. Und auch hier im Gegenteil: Die kostenlosen Bürgertests wurden gestrichen. Wenn der Staat möchte, dass alle Menschen gesund bleiben, dann sollte er denen, die sich nicht impfen lassen möchten, wenigstens kostenlose Tests ermöglichen.
Gunther Wiegratz

Das Ende des Cherry-Pickings

Selbstverständlich soll jeder frei wählen können, ob und wie sich jeder selbst und/oder andere schützt. Aber, die Freiheit des Einzelnen endet, wo die Freiheit eines anderen eingeschränkt wird.
Daher finde ich das Handeln der Italiener vollkommen richtig.
Ich fände es auch gut, wenn dies im Land des Cherry-Pickings eingeführt würde, um genau das, sich nur die Rosinen rauszupicken, endlich zu beenden.
Friederike Stracke

Politik auf dem Rücken der Arbeitgeber

„Das geht zu weit. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels, kann man auf keine Fachkraft verzichten.
Wer soll dann die Arbeit der nicht geimpften Fachkräfte übernehmen, falls diese sich trotzdem beziehungsweise jetzt erst recht nicht impfen lassen. Da wird wieder alles auf dem Rücken der Arbeitgeber ausgetragen, die schon genug Lasten zu tragen haben.“
Martina Arndt

Erst mal nach Italien

„Der italienische Weg sollte nicht nur für Deutschland, sondern weltweit beispielgebend sein. Als Kunde oder Patient erwarte ich schlichtweg, dass mein Gegenüber im Einzelhandel, im Handwerk, in Behörden, im medizinischen Bereich und anderswo geimpft, genesen oder getestet ist. Alles andere ist Larifari. Für mich steht fest: Die nächsten Urlaube verbringe ich in Italien.“
Udo Käutner

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Die Diskussion ist müßig

„Meines Wissens gilt immer noch der Datenschutz in deutschen Unternehmen.
Der Arbeitgeber darf nicht fragen/wissen, wie es sich mit der Gesundheit und dem Impfstatus der Angestellten verhält. Insofern ist die Diskussion über 3G am Arbeitsplatz in Deutschland müßig und zudem unangebracht. Es gibt keine Impfpflicht, insofern gilt gemäß Verfassung und Grundgesetz Entscheidungsfreiheit. Das Thema 3G am Arbeitsplatz überhaupt ins Spiel zu bringen widerspricht allen demokratischen Prinzipien.“
Angelika Eilers

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