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Kommentar Argentinien steht am Rande des Abgrunds

Dem Land droht der Zahlungsausfall. Jetzt muss Regierungschef Fernández mit allen Mitteln kämpfen, um ihn doch noch zu verhindern.
19.05.2020 - 20:29 Uhr Kommentieren
Um einen weiteren Zahlungsausfall zu vermeiden, bleibt dem Präsidenten wenig Spielraum. Quelle: dpa
Argentinischer Präsident Alberto Fernandez

Um einen weiteren Zahlungsausfall zu vermeiden, bleibt dem Präsidenten wenig Spielraum.

(Foto: dpa)

Die Investoren sind das gewohnt von Argentinien: Erst wird bis zum letzten Moment über eine Umschuldung verhandelt. Doch dann verkündet die Regierung im letzten Moment, dass sie nicht zahlen wird. Das ist bereits zweimal geschehen seit 2001 und achtmal in der Geschichte der zweitgrößten südamerikanischen Ökonomie. Am Freitag läuft die Frist ab, zu der Argentinien 500 Millionen Dollar Zins und Tilgung zahlen muss.

Dennoch ist es gut möglich, dass es diesmal anders ausgeht. Die Regierung des Peronisten Alberto Fernández will aus eigenem Interesse den Default vermeiden. Denn bereits vor der Coronakrise steckte das Land in einer schweren wirtschaftlichen Krise. Mit einem regulären Zahlungsausfall hätte es kaum Chancen, sich in den nächsten Jahren zu erholen.

Ein Zahlungsstopp würde Argentinien automatisch wieder zum Paria auf den internationalen Finanzmärkten machen. Das Land wäre von ausländischen Krediten ebenso abgeschnitten wie von Investitionen. Das ist der Grund, warum auch die Mehrheit der Bevölkerung den Zahlungsstopp vermeiden will. Noch zu frisch ist die Erinnerung an die katastrophalen Folgen der letzten Schuldenkrisen.

Präsident Fernández hat durch seine besonnene Strategie in der Pandemie an Popularität gewonnen. Doch wenn er keine Umschuldung hinbekommt, bleibt ihm nichts anderes übrig, als den Weg zu gehen, den seine Vizin, die ehemalige Präsidentin Cristina Kirchner, am liebsten sofort einschlagen würde. Es ist der Weg, den Kirchner selbst acht Jahre beschritten hat, als sie das Land führte, der Weg der politischen und ökonomischen Isolation.

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    Noch ist das Angebot der Regierung an die Gläubiger nur mäßig attraktiv: Es geht um ein Umschuldungspaket für Anleiheschulden im Nominalwert von 65 Milliarden Dollar. Für diese Bonds will Argentinien eine Reduzierung der Zinsschuld um 62 Prozent sowie der Schulden von 5,4 Prozent. Zusätzlich verlangt Argentinien eine Karenzzeit von drei Jahren, bevor es mit den Rückzahlungen beginnen will. Argentinien könne nicht mehr zahlen, müsse sich erst erholen, rechtfertigt die Regierung das Angebot.

    Fernández setzt darauf, dass sein Angebot und die Bereitschaft nachzubessern bei der Mehrheit der Gläubiger juristisch als bona fides, also als eine redliche und zuverlässige Verhandlungsführung, interpretiert wird. Nur dann hat er Chancen, zu vermeiden, dass am Freitag das Fallbeil des erklärten Defaults fällt. Auch gleichzeitige Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds als größtem Einzelgläubiger wären dann parallel möglich. Fernández pokert hoch – er hat aber keine andere Chance.

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