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Kommentar Begräbnis von George Floyd: Vorsicht vor Schwarz-Weiß-Denken

Ist vorrangig Rassismus schuld daran, dass die US-Polizei so viele Afroamerikaner tötet? Die Statistik lässt auch andere Schlüsse zu.
09.06.2020 - 09:51 Uhr 2 Kommentare
Der Tod von George Floyd hat in der ganzen Welt Proteste gegen Rassismus ausgelöst. Quelle: AFP
Wandbild von George Floyd in Houston

Der Tod von George Floyd hat in der ganzen Welt Proteste gegen Rassismus ausgelöst.

(Foto: AFP)

Erst eine Trauerfeier in Minneapolis, dann eine in North Carolina, dann die Überführung des Sargs nach Houston, dort eine weitere Trauerfeier am Montag und schließlich die Beisetzung am Dienstag mit einer Videobotschaft des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden: Der Abschied von George Floyd hat in den USA das Ausmaß eines Staatsbegräbnisses angenommen.

Der Afroamerikaner war am 25. Mai bei seiner Festnahme erstickt, weil sich mehrere Polizisten fast neun Minuten auf ihn gekniet hatten. Seitdem erleben nahezu alle Großstädte der USA eine Protestwelle gegen rassistische Polizeigewalt. Aber was sind die richtigen politischen Schlussfolgerungen aus Floyds Tod?

Immer mehr Anhänger innerhalb der Protestbewegung in den USA gewinnt die Forderung „Defund the Police“, übersetzt etwa: Entzieht der Polizei die Mittel. Statt in Polizisten und ihre Ausrüstung soll Steuergeld lieber in Sozialarbeiter und Hilfsprojekte für benachteiligte Regionen fließen, die besonders häufig von Afroamerikanern bewohnt werden. Im linken Flügel der Demokratischen Partei genießt diese Forderung viele Unterstützer. Joe Biden hingegen hat bereits erklärt, dass er „Defund the Police“ nicht für die richtige Lösung hält.

Zu Recht – ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass das Problem der amerikanischen Polizei an anderer Stelle liegt: Sie tötet generell unfassbar viele Menschen. 2019 waren es laut dem Statistikportal Statista 1004 Todesfälle, darunter 235 Afroamerikaner. Deutlich mehr, als es deren Anteil an der US-Bevölkerung von rund 13 Prozent entspricht. Zum Vergleich: In Deutschland starben 2018 gerade mal elf Menschen durch Polizeikugeln.

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    Ein Fall wie der von George Floyd, bei dem Polizisten einen unbewaffneten und wehrlos am Boden liegenden Menschen umbringen, ist auch in den USA die Ausnahme. 83 Prozent der von der US-Polizei Getöteten waren einer unabhängigen Studie zufolge bewaffnet, meist hatten sie zuvor ihre Opfer oder die Polizisten bedroht.

    Ja, die Opfer der Polizeigewalt waren überproportional häufig Afroamerikaner, aber die begehen je nach Jahr und Quelle auch zwischen 36 und 51 Prozent aller Tötungsdelikte in den USA. Sie stehen der Polizei also besonders häufig als mutmaßliche Täter gegenüber – mit dem entsprechenden Risiko, selbst getötet zu werden.

    Die Polizei braucht mehr Geld und nicht weniger

    Wohlgemerkt: Diese Erkenntnis schließt keineswegs aus, dass es in der amerikanischen Polizei einen weit verbreiteten Rassismus gibt. Afroamerikaner werden von der Polizei nachweislich häufiger angehalten als Weiße, häufiger durchsucht und bereits bei nichtigen Anlässen verhaftet. Dagegen zu protestieren ist gut und richtig.

    Doch wer schwarze Leben wirksam vor dem Tod durch Polizeikugeln retten will, sollte der amerikanischen Polizei insgesamt die Schießwut austreiben. Zum Beispiel durch eine bessere Ausbildung in Deeskalationstaktiken.

    Noch wirksamer wäre es, wenn die USA endlich ihre Waffengesetze verschärfen würden, sodass die Polizisten nicht mehr so häufig bewaffneten Tätern gegenüberstehen. Aber diese Forderung ist in den USA wahrscheinlich noch utopischer, als der Polizei die Mittel zu streichen.

    Mehr: US-Demokraten präsentieren Gesetzentwurf gegen Polizeigewalt.

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    2 Kommentare zu "Kommentar: Begräbnis von George Floyd: Vorsicht vor Schwarz-Weiß-Denken"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • In der Protestbewegung geht es nicht ausschließlich um die getöteten Afroamerikaner sondern auch um die Gewalt und den Missbrauch den Afroamerikaner durch die Polizei erfahren. Hier sind die Zahlen deutlich höher.
      Der Punkt, dass die Getöteten bewaffnet waren ist mit Vorsicht zu genießen. Im Jahr 2016 wurde Philando Castile von der Polizei erschossen weil er eine Waffe besaß, wohlgemerkt mit Lizenz. Er hatte die Waffe weder in der Hand noch hatte er nach ihr gegriffen. Im gleichen Jahr wurde Alton Sterling, am Boden liegend, erschossen, nachdem ein Polizist gerufen hatte er sei bewaffnet.
      Ein Jahr zuvor wurde Samuel DuBose durch einen Polizisten hingerichtet. Dieser hatte Samuel DuBose nach seinem Führerschein gefragt. Nachdem DuBose sich weigerte und seine Autotür zu hielt schoss der Polizist durch das offene Fenster DuBose in den Kopf. Ebenfalls im Jahr 2015 wurde Walter Scott durch 8!!! Schüsse in den Rücken getötet. Und das nur weil er vor dem Polizisten versuchte zu flüchten.
      Ja einige der Getöteten hatten eine Waffe aber diese wurde nicht gegen einen Polizisten gezogen. Im Gegenteil, die Getöteten waren kooperativ oder sogar auf dem Boden fixiert.

    • Vielleicht wäre noch interessant zu erwähnen, dass Afroamerikaner die überwiegende Mehrheit der von Armut bedrohten Menschen in den USA darstellt, was widerum zu einer höheren Kriminalität führt.

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