Kommentar: Der Anleihemarkt kann eine Finanzkrise auslösen

James Carville, Berater des US-Päsidenten Bill Clinton, erzählte einst, er habe früher davon geträumt, als Papst oder Baseball-Spieler wiedergeboren zu werden. Er setzte hinzu: „Aber jetzt würde ich lieber als Bondmarkt zurückkommen. Da kann man jeden einschüchtern.“
In der Tat: Der Markt für Anleihen (Bonds) hat eine enorme Macht – in der Politik, im gesamten Kapitalmarkt, im Finanzsystem. Und die Gefahr steigt, dass diese Macht künftig wieder deutlicher zu spüren sein wird. Manchmal wird er für Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte unterschätzt. Aber dann rächt er sich irgendwann mit umso mehr Gewalt.
Beispiel Frankreich: Bisher bleiben die Märkte verhalten. Die Renditen der französischen Staatsanleihen sind etwas gestiegen, als sich das politische Chaos in Paris anbahnte. Aber bislang zeigen sie noch keine Dramatik, zumal eine neue Regierung in Aussicht steht. Beispiel Japan: Dort sind die zuvor niedrigen Renditen gestiegen, haben aber trotz der Regierungskrise kein Chaos ausgelöst. Beispiel USA: Die Renditen dort sind hoch, kratzen bei den 30-jährigen Papieren immer wieder an den fünf Prozent. Aber noch ist die Nervosität nicht umgeschlagen in heftige Reaktionen.