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Kommentar Der Bitcoin muss reguliert werden – und Europa sollte dabei den Anfang machen

Spätestens das jüngste Rekordhoch der Kryptowährung sollte die Aufseher zum Handeln bringen. Deutschland könnte als Vorbild gelten. Eine europaweite Lösung hätte zudem einen großen Vorteil.
17.02.2021 - 16:25 Uhr 1 Kommentar
Der Bitcoin ist an gestrigen Dienstag erstmals in der Geschichte der Digitalwährung auf mehr als 50.000 US-Dollar gestiegen. Quelle: AFP
Bitcoin Symbolmünzen

Der Bitcoin ist an gestrigen Dienstag erstmals in der Geschichte der Digitalwährung auf mehr als 50.000 US-Dollar gestiegen.

(Foto: AFP)

Die Euphorie kennt offenbar keine Grenzen – manch einer nennt es inzwischen Wahnsinn: Der Bitcoin ist erstmals über die Marke von 50.000 Dollar gestiegen. Die Marktkapitalisierung der beliebtesten Kryptowährung beträgt nunmehr fast eine Billion Dollar. Kein Finanzaufseher dieser Welt kann das Thema jetzt noch ignorieren. Die Krypto-Welt macht den Notenbanken ihr Monopol als Herrscher über das Geld streitig. Es stellt die Verbrechensbekämpfung vor völlig neue Herausforderungen. Und nicht zuletzt auch für die Anleger sind Kryptowährungen ein neues Terrain.

Es ist also höchste Zeit, sich ernsthafte Gedanken darüber zu machen, wie eine sinnvolle Regulierung von Kryptowährungen gestaltet sein könnte. Und die Europäische Union sollte im eigenen Interesse vorangehen.

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, forderte in der vergangenen Woche eine weltweite Regulierung des Bitcoins. Doch das ist reines Wunschdenken. Die Staatengemeinschaft ist schon bei anderen Themen, die weitaus höher auf der Prioritätenliste angesiedelt sind, zerstritten. Und die Kryptowelt ist ohnehin dezentral organisiert. 

Also ist Pragmatismus gefragt: In einem ersten Schritt muss es eine durchdachte Regulierung auf EU-Ebene geben. Einige Vorschläge vonseiten der EU-Kommission gibt es sogar bereits. Der europäische Binnenmarkt ist der größte Wirtschaftsraum der Welt. Wo, wenn nicht hier, kann ein gemeinsamer Ansatz im Umgang mit Bitcoin und Co. gefunden werden?

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Standort erkennen

    Tatsächlich bietet Deutschland erste Ansätze hierzu. Wenn auch oft als Digitalwüste verschrien, ist die Bundesrepublik in Sachen Kryptoregulierung in einigen Punkten durchaus Vorreiter: Bereits 2013 ordnete die Bafin den Bitcoin regulatorisch als Finanzinstrument ein, vergleichbar mit Devisen.

    Weitere wegweisende Schritte sind das deutsche Kryptoverwahrgesetz, das geplante elektronische Wertpapiergesetz und das novellierte Geldwäschegesetz von 2020, nach dem Unternehmen, die Dienstleistungen rund um digitale Vermögenswerte anbieten, eine entsprechende behördliche Erlaubnis brauchen. Natürlich ist das alles noch nicht perfekt. Zum Beispiel müsste man dringend das Thema Spekulationsgewinne anpacken: Noch sind alle Kursgewinne nach einem Jahr steuerfrei. 

    Ohne Regulierung keine Rechtssicherheit

    Eine europaweite regulatorische Lösung hätte außerdem einen großen wirtschaftlichen Vorteil: Krypto- und Blockchain-Unternehmen wollen Regulierung, wie die Vergangenheit zeigt. Denn ohne klare Rahmenbedingungen bestehen keine Rechtssicherheit und die Gefahr, plötzlich die Geschäftsgrundlage entzogen zu bekommen oder gar in eine Ecke mit Geldwäschern und Terrorismus-Unterstützern gestellt zu werden.

    Genau aus diesem Grund wird es auch keinen globalen Deregulierungswettlauf geben. Die Tendenz besteht zwar, wenn unterschiedliche Staaten mit branchenfreundlicher Regulierung um Unternehmen buhlen, die nach dem richtigen Standort für ihr Geschäft suchen. Aber die größte Anziehungskraft auf seriöse Unternehmen werden nicht die Orte ausüben, die die geringste Regulierung in Krypto-Fragen versprechen, sondern jene, die die sinnvollste gewährleisten können.

    Denn bisher gehen Staaten im regulatorischen Umgang mit Kryptowährungen meist nach einer von zwei Möglichkeiten vor: Die erste Gruppe an Staaten, bisher die Mehrheit, tut einfach nichts und ignoriert Bitcoin und Co. weitestgehend. Zu ihr gehören viele Entwicklungs- und Schwellenländer. Doch das ist fahrlässig. Denn mittlerweile sind enorme Summen in Form von Digitalwährungen nicht nur weltweit im Umlauf, sondern in Teilen bereits eng mit dem traditionellen Finanzsystem verflochten.

    Das zeigen spätestens die Bitcoin-Käufe im großen Stil von institutionellen Anlegern und Unternehmen wie Tesla. Zu groß ist damit mittlerweile die Gefahr, dass ein möglicher massiver Bitcoin-Kurseinbruch bis hin zum Totalverlust auch die traditionellen Finanzmärkte ins Taumeln bringen könnte.

    Ein Standortvorteil für die Digitalisierung der Finanzwelt

    Am anderen Ende des Spektrums steht eine zweite Gruppe mit Ländern wie Indien oder Bolivien, die ihren Bürgern die Nutzung von Kryptowährungen zumindest offiziell schlichtweg verbieten oder ein Verbot vorbereiten. Doch Erfahrungen aus der Vergangenheit, beispielsweise in China, zeigen: Solche restriktiven Maßnahmen funktionieren praktisch kaum.

    Wer will, kommt auch an der staatlichen Regulierung vorbei an Kryptowährungen, spekuliert damit oder behält sie als Wertspeicher. Den allermeisten staatlichen Regulierungsbehörden dürfte es zudem am entsprechend forensisch und IT-technisch geschulten Personal mangeln, um ein solches Verbot effektiv umzusetzen.

    Europa kann eine Lösung bieten, die sich zwischen diesen beiden Extremen – Ignorieren oder Verbieten – bewegt. Wenn die EU also eine einheitliche Regulierung endlich als Vorteil begreift, anstatt wie von Lagarde gefordert nach nicht erreichbaren weltweiten Regeln zu streben, kann sie sich langfristig einen wirtschaftlichen Standortvorteil sichern.

    Denn die Digitalisierung der Finanzwelt, unter anderem durch Blockchain-Technologien und Kryptowährungen, erschließt einen wichtigen Zukunftsmarkt. Wer auf allzu simple Ideen setzt, Kryptowährungen ignoriert oder wegregulieren will, verspielt eine große Chance.

    Mehr: Bitcoin überwindet die Hürde von 50.000 Dollar - Was Anleger nun erwartet

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Der Bitcoin muss reguliert werden – und Europa sollte dabei den Anfang machen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wir schaffen es doch europaweit nicht einmal bei generellen Steuern gemeinsam zu agieren:
      Luxenburg, Irland, Niederlande, Malta usw bieten Steuerschlupflöcher an, die nicht ausgeräumt sind.
      Eine europäische Lösung ist für die meisten Finanzregulierungen Wunschdenken.

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