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KommentarDeutschland sollte sich von Verbalattacken aus Russland nicht ablenken lassen

Immer wieder führen bei Hackerangriffen die Spuren nach Russland. Auf die Reaktion der Regierung in Moskau sollte sich Berlin nicht einlassen.André Ballin 02.07.2020 - 15:28 Uhr

Hinter dem Cyberangriff im Frühjahr 2015 sollen russische Hacker gesteckt haben.

Foto: dpa

Zur Hackerattacke auf den Deutschen Bundestag hatte Russlands Außenamtssprecherin Maria Sacharowa im Juni einiges zu sagen. Nein, den Namen Dmitri Badin, den Bundeskriminalamt und Generalbundesanwalt verdächtigen, im Auftrag des russischen Militärgeheimdiensts GRU an der Cyberattacke 2015 beteiligt gewesen zu sein, nahm sie natürlich nicht in den Mund.

Stattdessen ging sie zum Gegenangriff über: Die Bundesregierung solle die Beweise auf den Tisch legen, wenn sie welche habe. Nun ist die Beweisführung in solchen Fällen ohnehin relativ schwer. Vieles beruht auf pingeliger Indizienauswertung. Der Kreml würde aber wohl selbst ein Geständnis des gesuchten Hackers Badin als „Fake News“ abtun.

Zur Erinnerung: Auf dem Höhepunkt der Skripal-Affäre ertappte die niederländische Spionageabwehr vier Russen vor der Zentrale der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen auf frischer Tat. Diese wollten sich, ausgestattet mit Diplomatenpässen und Hightech-Equipment, in das Netzwerk der Organisation hacken. Trotzdem leugnete Moskau alles.

So auch im Hackerskandal um den Bundestag: Die Hinweise anderer Geheimdienste, speziell der USA, in dem Fall entwertete Sacharowa gleich einmal sarkastisch als „bekannte Lieferanten zuverlässiger Fakten und Zeugnisse“. Hinter dem deutsch-russischen Hackerskandal „ragen die Ohren“ der US-Regierung hervor, erklärte sie.

Abstreiten und Vertuschen gehören genauso zum Standardrepertoire des Spionagekriegs wie der Datendiebstahl von Cyberkriminellen. Und Berlin sollte sich nichts vormachen – dieser Konflikt ist schon lange wieder im Gang. Und die Russen gehören weltweit zu den besten Hackern.

Darauf zu setzen, dass die russischen Geheimdienste ihre Cyberattacken nach dem Auffliegen von Hackergruppen beschämt einstellen, wäre naiv. Es gilt also, die Netzsicherheit, speziell von brisanten Objekten und Informationen, weiter zu stärken.

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