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KommentarDie Coronakrise deckt Amerikas Schwächen auf

Ein schlechtes Sozialsystem und hochverschuldete Unternehmen – die US-Wirtschaft ist weniger robust als sie scheint. Das hat Konsequenzen für die Märkte weltweit.Frank Wiebe 10.03.2020 - 17:44 Uhr

In den USA ist die Sorge groß, dass viele Infektionen nicht entdeckt werden, weil viele Leute nicht zum Arzt gehen.

Foto: Boston Globe/Getty Images

Amerika und China waren lange Zeit die Zugpferde der Weltwirtschaft. China mit seinem hohen Wachstum, Amerika mit seiner unersättlichen Nachfrage. Außerdem hat sich immer wieder gezeigt, dass die US-Wirtschaft besonders robust ist. Sie ist relativ wenig vom Weltmarkt abhängig, flexibel und verfügt mit dem Dollar als Weltwährung über praktisch unbegrenzte Finanzierungsquellen

China ist jetzt durch das Coronavirus ausgebremst worden. In Europa hat die Krankheit ausgerechnet Italien, das wirtschaftlich schwächste der großen Euro-Länder, zuerst getroffen; es ist offen, wie weit zum Beispiel auch Deutschland in eine ähnliche Situation gerät. Das Virus deckt aber auch Schwächen in den USA auf.

Dort ist die Sorge groß, dass viele Infektionen nicht entdeckt werden, weil viele Leute nicht zum Arzt gehen. Millionen von Amerikanern haben keine Krankenversicherung. Außerdem ist die Fortzahlung im Krankheitsfall zum Teil gar nicht vorhanden, zum Teil auf wenige Tage beschränkt. Dazu kommen relativ lockere Kündigungsregeln.

Das alles führt dazu, dass die Krankheit sich möglicherweise schneller ausbreitet, als offen zutage tritt. Und dazu, dass viele Leute sehr schnell ihr Einkommen verlieren, wenn die Krise hochkocht. Laut Umfragen gibt es zudem eine Menge amerikanischer Haushalte, die kaum über liquide Mittel als Notfallgroschen verfügen.

Diese Schwächen sind zum Teil einer in Amerika weit verbreiteten Meinung zuzuschreiben, dass Kapitalismus und Wohlstand angeblich unvereinbar mit einem gut funktionierenden Sozialsystem sind. Man kann darüber streiten, ob diese These bei einer ruhigen Konjunktur überhaupt zutrifft. Spätestens in der Krise wird ganz deutlich, dass ein schwaches Sozialsystem auch zum wirtschaftlichen Problem wird.

Es gibt noch eine weitere Schwäche: Die amerikanische Ölproduktion ist stark davon abhängig, dass der Ölpreis nicht zu sehr sinkt und die Investoren weiterhin willig sind, die zum Teil hochverschuldeten Unternehmen weiter zu finanzieren. Deswegen gab es zuletzt deutliche Zeichen von Stress am Markt für Hochzinsanleihen.

US-Präsident Trump versucht zurzeit, trotz dieser Probleme Vertrauen zu schaffen. Ob ihm das gelingt, wird man immer wieder nicht nur in New York, sondern weltweit an den Kapitalmärkten ablesen können.

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