Kommentar: Die Europäer geben ihre Ukraine-Kernforderungen preis

Seit Monaten läuft in Europa ein eigenartiger Wettbewerb: Wer kann am besten auf Donald Trump einwirken? Egal, wie oft er sie eines Besseren belehrt: Unsere Spitzenpolitiker versuchen sich als „Trump-Flüsterer“ und geben sich immer wieder der Illusion hin, den US-Präsidenten auf ihre Seite ziehen zu können.
Bundeskanzler Friedrich Merz, die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, Nato-Generalsekretär Mark Rutte – sie alle suchten den direkten Draht, die richtige Mischung aus Schmeichelei und ernster Zurede. Sie alle versuchten, Trump doch noch zu überzeugen, dass Europa, Amerika und die Ukraine Verbündete sind, dass Russland für seinen rechtswidrigen Angriffskrieg nicht belohnt werden darf und Wladimir Putin nur Stärke respektiert.
Das Problem, das sie dabei übersehen: Trump nimmt die Komplimente dankbar entgegen, erwidert sie sogar – doch inhaltliche Forderungen prallen an ihm ab. Stattdessen zwingt er die Europäer immer weiter in die Knie. Ob bei den Zollverhandlungen oder den Gesprächen über die Zukunft der Ukraine: Die Europäer geben ihre Kernforderungen preis und verkaufen das auch noch als diplomatischen Sieg.