Kommentar: Die Politik kümmert sich zu oft um die Falschen

Ich stand diese Woche mit einem jungen Unternehmer auf der Bühne, der gerade in einer anderen Realität zu leben scheint als viele andere in diesem Land. Es geht um Daniel Metzler, den Chef des Münchener Spacetech-Start-ups Isar Aerospace. Und es ist bemerkenswert, dass Metzler überhaupt Zeit für den Auftritt gefunden hat, er will in den nächsten Wochen nämlich eine Rakete ins All schießen.
Damit wagt sich der 32-Jährige auf ein Spielfeld, das bislang von internationalen Weltraumagenturen und Milliardenunternehmen wie Elon Musks SpaceX dominiert wird.
Aber das bringt ihn nicht aus der Ruhe. Sein größter unternehmerischer Fehler sei es gewesen, nicht groß genug zu denken, erzählte Metzler. Erst als er und seine Mitgründer sich dazu entschieden, nicht nur Triebwerke, sondern eine ganze Rakete in Deutschland zu bauen, gewann er auch internationale Investoren: 400 Millionen Euro sammelte er seitdem ein, für ein Deeptech-Unternehmen in Deutschland eine enorme Summe.
Während der Unternehmer auf der Bühne in München über große Zahlen und noch größere Wachstumspläne sprach, musste ich darüber nachdenken, dass wir gerade eher in einem Land der kleinen Zahlen leben. Um 0,1 Prozent schrumpfte die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal. Die Zahl war eine Bestätigung für das, was in den turbulenten Tagen vor den Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen viele denken: dass in Deutschland ohnehin alles den Bach runtergeht. Die Wirtschaft abgehängt. Die Unternehmen technologisch im Rückstand.