Kommentar: Die Rezession bedeutet für die Schwellenländer ein Ende der Aufholjagd
Die Rolle von Schwellenländern wie Brasilien in der Weltwirtschaft ist die der Rohstoff- und Vorlieferanten. Bei ihren Firmen werden als Erstes Aufträge ganz gestrichen.
Foto: dpaJe länger das Coronavirus um die Welt zieht, desto deutlicher wird: Unter dieser Krise werden die ärmeren Länder länger zu leiden haben als die reichen. Die tiefe Rezession geht ihnen an die wirtschaftliche Substanz, wie Weltbank und Internationaler Währungsfonds unermüdlich betonen. Ihre Rolle in der Weltwirtschaft ist die der Rohstoff- und Vorlieferanten und der verlängerten Werkbank. Bei ihren Firmen werden daher als Erstes Aufträge ganz gestrichen.
Weil die Schwellenländer verwundbar sind, leiden sie bei jedem Krisenanzeichen sofort unter Kapitalflucht. Ihre Währungen schwächeln in der Folge, und in Normalzeiten erträgliche Dollar-Schulden werden plötzlich unbezahlbar.
Den Regierungen fehlt so das Geld, sich gegen die Krise zu stemmen. Die Finanzierung der Bildung gerät ins Stocken, was die Rückkehr auf den Aufstiegspfad zum Wohlstand zusätzlich erschwert.
Auch wenn es bereits erste Schuldenstundungen für die allerärmsten Länder und beispiellos umfangreiche Kreditlinien des IWF für Schwellen- und Entwicklungsländer gibt: In den reichen Industriestaaten herrscht noch viel zu sehr die Pandemie-bedingte Beschränkung auf die jeweils nationalen Nöte vor. Auch in Deutschland.
Das ist kurzsichtig, weil kaum ein anderes Land seit den 1990er-Jahren so sehr von der internationalen Arbeitsteilung profitiert hat wie die Exportnation Deutschland. Wenn Lieferketten reißen und Exportmärkte wegfallen, wird die Erholung nach dem Lockdown auch hierzulande länger dauern.
Die Pandemie ist ein weltweiter Schock, dem sich kein Land entziehen kann. Umso notwendiger ist es, den Wiederaufschwung so gut wie nur möglich zu koordinieren. Nach der Finanzkrise gelang dies den 20 größten Industrie- und Schwellenländern gemeinsam.
Leider aber ist der G20-Verbund geschwächt, seit nicht nur die USA auf dem Rückzug ins Nationale sind. Einmal mehr zeigt sich: Die Europäer sind gefragt, nicht nur die EU, sondern auch die Welt zusammenzuhalten.