Kommentar: Die Russland-Sanktionen zeigen die Macht der Kryptowelt
Der Kryptomarkt zeigt während der Ukrainekrise seine mächtige Seite.
Foto: ReutersDer Krieg in der Ukraine legt offen, welche Macht Kryptowährungen haben. Zugleich könnte diese Macht aber die Regierungen herausfordern gegenzusteuern. Denn ein Verlierer steht über den aktuellen Konflikt hinaus fest: die Macht der Regierungen, ihre Finanzsysteme zu kontrollieren.
Die Ukraine nutzt die Vorteile der digitalen Coins wie kein anderes Land für sich aus. Der Aufruf, Bitcoin, Ether und Tether an die Konten der Regierung und eine Nichtregierungsorganisation zu spenden, hat bislang über 50 Millionen Dollar eingebracht.
Zu den Spenden gehörte auch ein Kryptopunk, ein digitales Kunstwerk, das rund 200.000 Dollar wert ist.
Ein großer Teil der Kryptospenden wurde nach Angaben von Digital-Minister Mykhailo Fedorov auch schon ausgegeben und direkt an Soldaten und Bürger verschickt. Die Gelder kommen von Bürgern aus der ganzen Welt, ohne dass eine weitere Organisation oder andere Regierungen dazwischengeschaltet wären, um die Aktion zu koordinieren.
Hier zeigen sich die Vorteile der Technologie: Sie ermöglicht es den Nutzern, schnell und unkompliziert digitales Geld und – im Falle des NFTs – digitale Werte zu verschicken und zu empfangen; vorbei an Banken, die für internationale Transaktionen schon in normalen Zeiten mehrere Tage brauchen.
Dunkle Kanäle in der Kryptowelt
Für Ukrainer, die nach Belarus geflüchtet sind, wo ihre Kreditkarten nicht mehr funktionieren, sind die Krypto-Wallets derzeit ihr wichtigster Zugang zu Finanzmitteln, wie sie über Twitter eindrucksvoll schilderten.
Der Krieg wirkt wie ein Beschleuniger in der Debatte um die Vor- und Nachteile von Kryptowährungen, die auch die wichtigsten Akteure der Branche vor schwierige Fragen stellt. Denn nicht nur die Ukrainer nutzen die digitalen Währungen zu ihrem Vorteil.
In Zeiten harter Finanzsanktionen gegen Russland wächst die Sorge, dass vermögende Einzelpersonen und Unternehmen ihr Vermögen über dunkle Kanäle in der Kryptowelt in Sicherheit bringen könnten oder schlicht die Vorteile des Systems genau nutzen werden, wie die Ukraine.
Die Staaten werden ihre Lehren ziehen. Und bei aller Sympathie für die Ukraine werden sie vor allem den Kontrollverlust erkennen, den Bitcoin und Co. mit sich bringen. Regulierer aus den USA und Europa haben in den vergangenen Tagen große Initiativen mit Blick auf die Umgehung von Sanktionen angekündigt.
Die Kryptowelt wird möglicherweise so ungebändigt wie heute in Zukunft nicht mehr bleiben.